VCA-Sportdirektor Henschke: „Wollen in die Spitze“. VCA-Amstetten-Sportdirektor Michael Henschke in der NÖN über die Herausforderungen der „Corona-Saison“, seine Rückkehr als Trainer und den Glücksfall Urnaut.

Von Raimund Bauer. Erstellt am 28. April 2021 (02:54)
Sportdirektor Michael Henschke (l.) konnte sein Glück über die Zusage von Trainer Andrej Urnaut kaum fassen. „Dachte zuerst, es wäre ein Scherz“, erinnert sich Henschke an den Anruf des Managers von Urnaut.
privat, privat

Der VCA Amstetten hatte eine turbulente Saison hinter sich. Am Ende belegten die Mostviertler den vierten Platz und ihnen gelang sogar der Sprung in das Cup-Finale. Sportdirektor Michael Henschke blickt dabei auf eine herausfordernde Zeit, aber die ausgegebenen Ziele erfüllte sich der Klub.

NÖN: Vor dem Spieljahr gaben Sie das Ziel aus, im Meisterplayoff sein zu wollen. Das Ziel ist mit Rang vier gelungen. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus?

Michael Henschke: Mit dem Halbfinale im Meisterplayoff und dem Cup-Finale haben wir alle unsere Ziele erreicht. Somit war es top. Noch dazu haben wir damit den Sprung in den Europapokal geschafft. Und alles, obwohl wir zwei Mal lange Pausen hatten.

Sie sprechen dabei die Zwangspausen nach den Corona-Fällen in Ihrer Mannschaft an. Wie hat das Team damals reagiert?

Henschke: Beim ersten Mal war die Situation gesundheitlich schlimmer. Die Spieler klagten über Symptome. Beim zweiten Mal hatten wir einfach das Problem, dass wir erst einen Tag vor dem Spiel gegen Waldviertel gemeinsam in der Halle trainiert hatten. Da hätte ich die Partie aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Das war auch mein Fehler.

Während der Spielzeit kam Ihnen Trainer Igor Simuncic aus persönlichen Gründen abhanden. Wie war die Erfahrung, als Sie selbst wieder auf die Trainerbank zurückkehrten?

Henschke: Es schien in dem Moment, dass uns alles aus den Rudern läuft. Igor ist uns abhanden gekommen. Zudem kehrte unser polnischer Mittelblocker, der in meinen Augen, der Beste in der Liga war, in seine Heimat zu seiner kranken Frau zurück. Da dann die schwierigen Spiele gegen Ried auf dem Programm standen, habe ich mich entschlossen, nochmals selbst auf die Trainerbank zurückzukehren. Es ist mit dem Cup-Finale und dem Einzug ins Halbfinale des Meisterplayoffs gut gegangen.

Dann war aber nach sechs Wochen wieder Schluss. Warum?

Henschke: Es war von Anfang an klar, dass es nur eine Übergangslösung war. Das Team hat super mitgezogen. In der schwierigen Situation keine Selbstverständlichkeit. Die Spieler haben sich nie beschwert und haben alle Vorgaben umgesetzt. Aber nach den sechs Wochen war ich auch wieder froh, mich auf den Sportdirektor-Posten zu konzentrieren. Die Doppelfunktion hat sehr viel Kraft gekostet.

Und dann kam es zur Verpflichtung von Andrej Urnaut. Wie kommt ein international renommierter Trainer zum VCA?

Henschke: Beim ersten Anruf seines Managers dachte ich noch, es wäre ein Scherz. Urnaut wurde mit verschiedenen Mannschaften als Trainer schon Meister. Anfang der 90er war er einer der besten Aufspieler der Welt. Und er will jetzt nach Amstetten kommen? Er wurde gerade Meister in Saudi-Arabien und einen Tag später rief sein Manager bei mir an, dass Andrej Saudi Arabien verlassen möchte und er unser Projekt interessant findet. Zwei Tage später haben wir uns um drei Uhr in der Nacht per Videokonferenz geeinigt. Zumindest einmal für die letzten Wochen der Saison.

Und aus den vier Wochen wurden nun zwei Jahre. Ein Glücksfall für den VCA?

Henschke: Auf jeden Fall. Einer unserer jungen Spieler hat schon gesagt, dass er in den letzten vier Wochen mehr gelernt hat, als in den letzten vier Jahren. Wir wollen in den nächsten Jahren zur Spitze in Österreich aufschließen. Andrej ist von unserem Projekt überzeugt und war auch von dem vorhandenen Umfeld überzeugt. Daher bin ich glücklich, dass es mit der Vertragsverlängerung geklappt hat.

Sie wollen jetzt zur Spitze aufschließen. Vor einem Jahr sah es aber nicht so rosig um den VCA aus. Was hat sich geändert?

Henschke: In der Tat stand alles auf der Kippe. Dann kam noch die Corona-Pandemie dazu. Zum Glück sprang Arno Reisinger mit seiner Firma SAR ein. Er ist bei uns Präsident und bringt sich enorm ein. Arno hat sich für den Verein starkgemacht.

Nach der Saison ist bereits vor der nächsten Saison. Wie sehen die Kaderplanungen aus?

Henschke: Unsere jungen Österreicher bleiben alle an Bord. Bei den Legionären werden wir uns nach stärkeren Spielern umsehen. Bei Eduardo Romay hängt es noch von ihm selbst ab. Die Corona-Pandemie wütet gerade in Peru und sein Großvater ist daran verstorben. Er ist ein Familienmensch und flog jetzt einmal in seine Heimat. Sollte er nicht mehr zur Verfügung stehen, haben wir uns natürlich schon umgesehen. Auch bei Kapitän Fabian Kriener kommt es noch darauf an, wie er es sich mit seiner Arbeit einteilen kann.