Thomas Bauer: „Ein paar coole Gschichtln“. Thomas Bauer hat in seiner Karriere einiges erlebt. Heim-EM soll nun die nächste Erfolgsstory werden.

Von Malcolm Zottl. Erstellt am 08. Januar 2020 (02:10)
Thomas Bauer erlebte in seiner Karriere viele Momente zum Faustballen – bei der Heim-Euro geht er zum Beispiel in seine bereits siebente Großveranstaltung.
ÖHB/Agentur Diener/Eva Manhart

Vom Vöslauer HC in die große Handball-Welt – das ist der Weg von Goalie Thomas Bauer. Als Zehnjähriger war der Platz im Tor, aber keineswegs gezeichnet. „Damals war ich Rückraumspieler und war richtig gut. Glück für Nikola (Anm.: Nationalteamkollegen Bilyk), dass ich ins Tor gewechselt bin“, scherzt Bauer, der durch seinen damaligen Trainer inspiriert wurde: „Er war Tormann und er hat mich vom Typ her fasziniert“, nennt der heute 33-Jährige die Gründe.

Dass sich Bauer ins Tor stellte, war jedenfalls die richtige Entscheidung. Am Freitag startet für ihn und das Nationalteam die Heim-EM. Die Vorrundengruppe mit Tschechien, Nordmazedonien und der Ukraine sei ausgeglichen „und das macht es gefährlich. Von Platz eins bis vier ist alles möglich“, glaubt Bauer.

„Da fragst du dich, ob du das beste vielleicht schon hinter dir hast?“ Thomas Bauer über den Sommer 2018, ehe seine Karriere in Porto wieder richitg Schwung aufnahm.

Das erklärte Ziel der Österreicher ist das Erreichen der Hauptrunde, dafür braucht es Rang eins oder zwei. Dass Überraschungen drin sind, weiß Bauer aus eigener Erfahrung. Neben Robert Weber war der Keeper, der einzige im aktuellen Kader, der schon bei der Heim-Euro 2010 dabei war, damals überstand die ÖHB-Equipe die Gruppenphase.

„2010 haben alle gesagt, wir haben keine Chance und dann haben wir Geschichte geschrieben. Wir geben nicht mehr viel auf Expertenmeinungen“, weiß Bauer, dass die Wahrheit am Platz liegt.

Österreich will bei der EM befreit aufspielen

Für ihn selbst, ist die Situation aber nun eine andere. 2010 war Bauer mit 23 Jahren das Küken im Team, trug bei den Trainings die Balltaschen. „Eine Nationalteam-Karriere hat etwas ganz besonders. Man fängt als junger Hüpfer an und versucht viel mitzunehmen aus den Gesprächen mit Viktor Szilagy und Co. Jetzt ist man, der am Tisch, der ein paar coole Gschichtln zu erzählen hat“, kann Bauer mit dem Lauf des Sportlerlebens gut leben.

Vor allem, weil es aktuell top läuft. Das war vor eineinhalb Jahren anders. Nach Engagements in Deutschland und Frankreich blieben die Angebote aus. „Du hast in zwei Top-Ligen gespielt und dann wartetest du, bis in den Oktober, auf ein Angebot von einem passenden Club – da fragst du dich, ob du das Beste vielleicht schon war?“, blickt Bauer zurück, der in Porto eine neue Heimat gefunden hat. Mit den Portugiesen holte er im Sommer alle nationalen Titeln, spielt jetzt Champions League.

Den Schwung vom Verein will Bauer jetzt zur Euro mitnehmen, als Leistungsträger die Jungen führen. „Man kann, das nicht mit 2010 vergleichen. Damals hatten wir gestandene Stars, die in der Deutschen Bundesliga unterwegs waren. Heute sind wir etwas jünger, aber ich würde nicht sagen, dass das schlecht ist, im Gegenteil. Wir wollen unsere Unbekümmertheit auf das Feld bringen“, ist Bauer überzeugt und setzt auf die Fan-Unterstützung: „Jeder der krank oder verletzt ist, darf von zu Hause zuschauen. Alle anderen brauchen wir in der Wiener Stadthalle“, und wenn alles nichts hilft, ist ja noch der Tormann zur Stelle...

...Das wird Bauer noch länger sein, denn ein baldiges Karriereende hat er nicht im Kopf. Auf die NÖN-Frage, ob er noch bei einer eventuellen Heim-Euro 2030 dabei wäre, meint Bauer: „Wenn du mir versprichst, dass wir in zehn Jahren wieder eine Heim-Euro haben, verspreche ich, dass ich alles dafür tun werde, um so einen Fitness-Zustand zu haben, damit ich da dabei bin. Und ich verspreche, dass das dann meine letzten Euro-Spiele wären“, kann sich Bauer vorstellen mit 43 Jahren noch aktiv zu sein.

Einen Plan, was er nach der Karriere macht, hat Bauer aber – einen Lebensmittelpunkt in Wien-Umgebung mit einem Trainerjob im Handballgeschäft. Eine Rückkehr nach Bad Vöslau sei nicht ausgeschlossen. „Ich habe damals die Vision mitbekommen, dass sie den Aufstieg in die Zweite Liga anpeilen. Da habe ich mir gedacht, das wird schwer, oder sogar unmöglich. Aber sie haben es geschafft“, zollt Bauer Respekt: „Ob ich dann Trainer in Vöslau, bei den Fivers (Anm.: weiterer Ex-Verein) oder wo anders werde, kann ich aber natürlich noch nicht sagen“, hat Bauer noch seine aktive Karriere im Fokus.