Traiskirchnerin Dlauhy verpasst WM-Limit haarscharf

Erstellt am 20. Mai 2022 | 12:12
Lesezeit: 4 Min
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Foto: ÖLV/zVg
Gleich beim ersten nennenswerten Auftritt der Saison konnte die junge Traiskirchnerin Anja Dlauhy einen enorm guten Eindruck hinterlassen.
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Nach nur zwei Testmeetings bei zum Teil nicht optimalen Wetterverhältnissen konnte man die aktuelle Form natürlich nur schwer einschätzen. Geplant war der Antritt bei den OÖ-Landesmeisterschaften im Mehrkampf als Standortbestimmung, doch schon nach dem ersten Bewerb entwickelte sich die Sache zu einer starken Performance an deren Ende mit ein wenig Glück sogar das WM-Limit schon in Reichweite war.

Hochsprung fehlten Millimeter

Bei starkem Gegenwind von 1,7m/s gelangen ihr schnelle 14,49 Sekunden über die 100m Hürden und ein mehr als solider Beginn. Im Hochsprung, der einstigen Paradedisziplin hat sich die ÖLSZ-Athletin nach Problemen in der Hallensaison wieder konsolidiert und übersprang mit 1,70m eine sehr gute Höhe. An der nächsten Höhe von 1,73 Meter scheiterte sie nur um Millimeter.

Dlauhys „Angstbewerb“, der Kugelstoß, begann mit zwei ungültigen Versuchen wieder mehr als schlecht. Aber mit hoher Konzentrationsfähigkeit und starken Nerven stieß sie im letzten Versuch die Kugel auf die neue Bestleistung von 9,72 Meter. Somit ging es mit einem guten Gefühl in den Abschlussbewerb des ersten Tages. Doch auch bei den 200 Meter war der Windgott nicht Dlauhys Seite. Starker Gegenwind ließ keine absolute Topzeit zu, aber die 25,57 Sekunden waren ein akzeptabler Wert.

Im Weitsprung viel verschenkt

Der zweite Tag begann mit dem Weitsprung und Anja Dlauhy zeigte eine konstante Serie auf sehr hohem Niveau. Mit 5,77 Meter markierte sie eine neue persönliche Bestmarke, haderte aber ein wenig damit, dass sie bei ihrem zweitbesten Versuch (5,75m) einige cm vor dem Brett abgesprungen war und damit gut 25-30 Zentimeter verschenkt hatte.

Vielleicht war dieser Ärger auch verantwortlich für den nicht so guten Speerwurf, der mit 32,66 Metern unter den Möglichkeiten der ULC Riverside Mödling-Athletin blieb. Somit war die Chance das Limit zu knacken nur mehr sehr gering und eher nur mehr rechnerischer Natur. Doch nun zeigte sich, was eine Kämpfernatur ausmacht.

Nach kurzer Berechnung war klar, dass eine 800-Meter-Zeit von 2:14,97 Minuten für das Erreichen des WM-Punktelimits nötig war. Bei einer bestehenden Bestmarke von 2:22 Minuten eine „mission impossible“. Doch Anja Dlauhy entschied sich, diese Zeit in Angriff zu nehmen.

Es folgte ein Tempolauf, der das gesamte Stadion fesselte und die Unterstützung aller Anwesenden entfachte. Vom ersten Meter an lief die Traiskirchnerin um die minimale Chance und war bis 120 Meter vor dem Ende im Bereich der notwendigen Zeit. Am Ende schwanden die Kräfte, aber mit einer, auch internationalen, Topzeit von 2:16,84 beendete sie den Mehrkampf mehr als eindrucksvoll. Am Ende waren es 26 Punkte die für die WM Norm fehlten.

Ein zwiegespaltenes Resümee

„Ich weiß nicht, ob ich mich über die Leistung freuen soll, oder ob die Enttäuschung, das Limit so knapp nicht geschafft zu haben, überwiegt,“ war Dlauhy nach dem Wettkampf emotional hin- und hergerissen. „Es waren nur Kleinigkeiten, die gefehlt haben. Wenn ich die 1,73m gesprungen wäre, hätte ich die notwendigen Punkte mehr gehabt. Genauso, wenn der Speer einen Meter weiter geflogen wäre oder ich das Brett beim letzten Weitsprung getroffen hätte,“ trauert sie den möglichen Leistungen ein wenig nach. „Auf der anderen Seite steht halt ein richtig guter Mehrkampf, der allerdings nicht perfekt war. Das zeigt mir, dass ich für heuer noch viel Luft nach oben habe und mit dem 800er am Ende habe ich schon ein Ausrufezeichen gesetzt, was möglich sein kann,“ blickt sie schon zuversichtlich in die Zukunft. Immerhin war es punktemäßig der zweitbeste Mehrkampf ihrer jungen Karierre.

Nach einigen Einzelauftritten (u.a. beim Topmeeting in Ried), bei denen sie auch einige Einzellimits für die WM ins Auge gefasst hat, geht es für sie zu Pfingsten nach Teneriffa zu einem international stark besetztem Mehrkampfmeeting, wo die die WM-Norm dann endgültig unterbieten möchte.