Andreas Graf: Der Prinz tritt vom Thron ab

Erstellt am 10. August 2022 | 02:46
Lesezeit: 3 Min
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Der Ebreichsdorfer Andreas Graf (l.) gibt für Österreichs nächste Radsport-Generation das Tempo vor.
 
Foto: ÖRV/Rainhard Eisenbauer
Andreas „Prinz“ Graf beendete seine aktive Karriere. Und ist nun Trainer. Nachfolger bei Nachwuchs-EM auf dem Siegerpodest.
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Wasser in den Augen. Langes Gesicht. Und das ausgerechnet am 36. Geburtstag. Mit einem völlig verkorksten Olympia-Rennen machte sich Andreas Graf kein Geschenk. Das war am Sonntag vor einem Jahr. „Der 37er war schöner“, grinst Graf, „auch wenn wir uns auf der Bahn in Linz auf die EM vorbereitet haben, ich nicht daheim war.“ Bei den Trainings hat Prinz, so Grafs Spitzname, mittlerweile aber die Stoppuhr, statt des Lenkers in der Hand.
Im letzten Jahr hat sich beim Ebreichsdorfer nämlich viel getan: „Ich habe leise, still und heimlich meine Karriere beendet und bin in das Trainerteam gewechselt.“

„Ich habe leise, still und heimlich meine Karriere beendet.“
Andreas Graf war nach der Olympia-Enttäuschung hin- und hergerissen.
Am Ende entschied er sich für einen Schlussstrich.
Dem Bahnradsport bleibt der „Prinz“ aber treu

Erste Erfolge haben sich eingestellt. Bei der Junioren-EM fuhr Max Schmidbauer zu Gold im Punkterennen. Tim Walfer wurde im Scratch Zweiter. „Im Jänner hatten wir vier Fahrer. Jetzt haben wir 15. Einen A-, B- und Nachwuchskader“, ist Graf stolz auf die Entwicklung der letzten Monate. Gute Ergebnisse bei der EM wären ein verspätetes Geburtstagsgeschenk. Langfristig will Graf als Trainer zu Olympia: „Verena Eberhardt und Katrin Schweinberger können sich für Paris qualifizieren. In Los Angeles 2028 wollen wir eine wettbewerbsfähige Truppe haben.“

Dafür braucht es eine adäquate Trainingsstätte, die internationalen Standards entspricht. Die Bahn in Linz ist nicht überdacht. Das Dusika abgerissen. Die „Staats“ musste nach Brünn (Tschechien) ausweichen. „Der Präsident zeigt sich optimistisch, dass wir eine Bahn bekommen. Aber wohl nicht in Wien.“ Im Gespräch ist ein Standort in NÖ. St. Pölten soll großes Interesse zeigen. Eine Radbahn wäre jedenfalls ein Geschenk für Graf, auch wenn er dann vielleicht nicht gerade Geburtstag hat.