1998: Wütende Bats schaffen Aufstieg

Erstellt am 19. Januar 2022 | 03:02
Lesezeit: 3 Min
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Das Meisterteam von 1998: Coach Scott Gunther, Obfrau Christa Neubauer, Stefan Neubauer, Günther Stephan, Christian Pusemann, Daniel Jahn, Michael Schedl, Thomas Schedl, Michael Schütz, Bernd Csida, Alexander Vystoupil und Markus Köhler sowie Herbert Mauler, Alexander Putze, Christoph Sprenger, Markus Nackel, Christopher Starka, Johannes Benninger und Philip Weller.
Foto: privat
Schwechats Obmann Phil Weller berichtet von jener Saison, die 24 Jahre später im inneren Kreis noch immer gefeiert wird.
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Der Sport hatte schon in seiner Kindheit in Kanada einen hohen Stellenwert: Eishockey, Baseball, Softball und Laufen - alles war dabei. Das Jahr 1998 bleibt Phil Weller aber bis heute als jene Zeit in Erinnerung, in der er und seine Mannschaft den sportlich wertvollsten Erfolg feierten und er sich in Österreich erstmals richtig integriert fühlte.

Um diese Erfahrung besser verstehen zu können, müssen wir ein Jahr zurückgehen. Es war das letzte Ligaspiel der Schwechater Blue Bats in der 2. Bundesliga Ost und die Braustädter standen kurz vor ihrem ersten Aufstieg in die oberste österreichische Spielklasse. Dann unterlief dem amerikanischen Coach Scott Gunther ein schwerwiegender Fehler.

„Wir lagen klar vorne und er dachte sich, dass wir bereits fix den Titel in der Tasche haben. Daraufhin hat er die guten Spieler ausgewechselt und andere spielen lassen“, erinnerte sich Weller, der damals als zweiter Baseman in der Ersten spielte, an die bitteren Folgen. „Es ging daneben. Unerwartete Spielergebnisse kamen dazu. Wir verpassten den Aufstieg.“

Offene Rechnung wurde beglichen

Ein Jahr später hatte sich die Wut über die verpasste Chance in große Entschlossenheit umgewandelt. „So etwas habe ich in meiner gesamten Sportlaufbahn noch nie erlebt. Es war ein Beweis dafür, dass ein bestimmtes Ereignis einen derart großen Willen entfachen kann, um ein Ziel tatsächlich zu erreichen.“ Mit dabei war auch wieder der Trainer Scott Gunther. „Er hatte ein schlechtes Gewissen und ist von San Diego wieder nach Österreich gereist, um diese offene Rechnung zu begleichen. Bis heute sind wir befreundet“, schildert Weller.

Nach einer erfolgreichen Saison war es soweit: Die Blue Bats durften zum Aufstiegsplayoff nach Dornbirn reisen, um den Sack endgültig zuzumachen. „Wir sind mit dem Bus angereist. Das Wetter war aber fürchterlich“, erinnert sich Weller lachend zurück.

Die gute Stimmung bei den Schwechatern blieb jedoch ungebremst und die Konkurrenz hatte keine Chance. Die Entscheidung fiel nach dem Sieg über die Vienna Bucks. „Ausgerechnet in dieser Partie schied unser Catcher Danny Jan verletzt aus. Sein Ersatz, ein ehemaliger Fußballer, sprang ein und machte seine Sache aber auch gut.“ Eine Woche später feierten Spieler, Funktionäre und Fans bei einem Grillfest am Batsfield ausgelassen ihren historischen Triumph. „Bis heute trifft sich die damalige Meistermannschaft alle fünf Jahre, um diesen Erfolg nochmals Revue passieren zu lassen“, freut sich der heute 65-jährige Klubobmann auf das nächste Zusammentreffen.

Ein glorreicher Abend entfachte bei Phil Weller wieder kurzzeitig ähnliche Gefühle, wie im Jahr 1998: Es war im Herbst 2019, als seine Blue Bats in der Regionalliga einen unerwarteten Finalsieg über die Vienna Wanderers feierten und sich im Wiener Prater in den Armen lagen.