Flugzeug am Himmel, ein Star am Boden. Vom Flüchtling zum Spitzenathleten: Lemawork Ketema liefert einen Einblick über sein Leben in der neuen Heimat Österreich.

Von Raimund Novak. Erstellt am 13. März 2019 (00:19)
ÖLV
Strebt stets nach sportlichem Erfolg: Der politisch verfolgte Lemawork Ketema (links) verließ Äthiopien, um wenige Jahre später in der Leichtathletik Fuß zu fassen.

NÖN: Sie landeten bei der Leichtathletik-Wahl 2018 auf Platz zwei. Wie sehr freut Sie diese Anerkennung?

Lemawork Ketema: Ich konnte es kaum glauben und war sehr stolz aber auch berührt, dass das so gekommen ist. Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die mir ihre Stimme gegeben haben.

NÖN: Ihr großes Ziel sind die olympischen Sommerspiele in Tokio. Wie sieht die Vorbereitung auf dieses Großereignis in Japan aus?

Ketema: Die Vorbereitung läuft in mehreren Stufen ab. Der nächste Schritt ist heuer der Vienna City Marathon, bei dem ich eine Zeit von 2:12 Stunden und damit neue Bestleistung laufen möchte. Für das Jahr 2020 ist eine Zeit von 2:10 geplant. Wenn alles perfekt läuft, soll in Tokio dann eine unter 2:10 herausschauen. Ich werde mich jedenfalls nicht verstecken und abhängig vom Rennverlauf versuchen, möglichst lange in der Spitzengruppe zu laufen.

NÖN: Für Ihren großen Traum haben Sie ein Crowdfunding-Projekt gestartet. Mit über 18.000 Euro wurde der angepeilte Betrag von 15.000 Euro schon frühzeitig übertroffen. Hätten Sie mit einem derartigen Zuspruch gerechnet?

Ketema: Nein! Als mir mein Manager von dieser Idee erzählt habe, war ich sehr skeptisch, habe ihm aber vertraut und nun bin ich völlig überwältigt von dem Zuspruch.

NÖN: Wie schwierig ist die Finanzierung einer Laufsaison?

Ketema: Sehr schwierig, da es sehr hart ist Sponsoren zu finden und die Aufwendungen für Trainingslager, Physio und Massage einfach hoch sind. Derzeit können wir diese Kosten zwar gerade so begleichen, überbleiben tut aber nichts.

NÖN: Sie sind vor sechs Jahren aus Äthiopien geflüchtet. Wie haben Sie die erste Zeit in Österreich erlebt?

Ketema: Die erste Zeit war hart, da es kulturelle Unterschiede gibt, aber auch das Klima so anders ist. Es war sehr schwierig, da ich meine Familie sehr vermisse. Aber Österreich ist jetzt meine neue Heimat und ich habe schon viele neue Freunde hier.

NÖN: Wann kam Ihnen das erste Mal der Gedanke, dass das Laufen bald einen hohen Stellenwert in Ihrem Leben einnehmen könnte?

Ketema: Als Kind, als ich gesehen habe, dass ich schneller bin als die anderen und ich die Flugzeuge am Himmel gesehen habe - da wollte ich unbedingt auch internationaler Läufer werden. In Österreich hat die Zusammenarbeit mit meinen Manager, Coach und Betreuer Harald Fritz schließlich den Durchbruch gebracht.