Kahler nach Olympia: „Halte an und atme tief ein“. Marlene Kahler (SV Schwechat) erreichte zwei österreichische Kraul-Rekorde bei den Olympischen Spielen und lässt mit der NÖN ihre Erfahrungen in Tokio Revue passieren.

Von Felix Novak. Erstellt am 04. August 2021 (03:48)
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Von diesen Ringen fühlen sich die Sportler magisch angezogen: SV Schwechat-Schwimmerin Marlene Kahler wird sich künftig in Kalifornien auf die nächsten Olympischen Spiele vorbereiten. Sie wird dort an der „University of Southern California“ studieren. In Tokio zeigte sie eine starke Leistung und knackte zwei Österreichrekorde über die 400m und 1500m Kraul.
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NÖN: Nach unzähligen Bahnen in der Südstadt erwartete Sie in Tokio ein anderes Becken. Wie war das Gefühl?

Marlene Kahler: Gut! In den letzten Monaten hatten sich meine Trainingszeiten stets verschlechtert, daher kam ich mit wenig Erwartungen zu den Spielen. Als ich beim Einschwimmen zum ersten Mal ins Becken gesprungen bin, nahm ich sofort ein anderes Wassergefühl wahr und die Zeiten passten wieder.

Spürten Sie trotz geringer Erwartungshaltung eine Nervosität vor dem ersten Wettkampf?

Kahler: Mir ging richtig die Pumpe. Ich bekam kurz vor dem Start so viele Nachrichten von Familie und Freunden - da wollte ich dann während der Liveübertragung erst recht nicht enttäuschen.

Letztendlich also doch wieder ein Druck, der auf sie lastete?

Kahler: Ich glaube, niemand kann sich vorstellen, welchen massiven Druck die Sportler bei Olympia ausgesetzt sind. Als ich mit meiner Mitbewohnerin Lena Grabowski (Anm.: Olympiateilnehmerin über 200m Rücken) eines Tages zum Olympiadorf gefahren bin, hab ich ihr gesagt, dass sie anhalten und mit mir ein paar Minuten ganz tief ein- und ausatmen soll, damit wir endlich einmal realisieren können, dass wir es geschafft haben und tatsächlich bei den Olympischen Spielen sind.

Es folgten schließlich zwei österreichische Kraul-Rekorde. Fehlten für die abschließenden 800m Kraul die Kräfte?

Kahler: Die Motivation war da, aber die Tage zuvor waren einfach zäh. Den letzten Bewerb habe ich dann nur mehr als „normalen“ Wettkampf betrachtet.

Mit welchen Hindernissen waren Sie konfrontiert?

Kahler: Wir befanden uns in einer riesigen Blase. Jeden Tag gab es Spucktest, überall gab es Maskenpflicht, obwohl die meisten von uns, ich gehöre dazu, geimpft waren. Noch dazu konnte ich nach dem ersten Wettkampftag die ganze Nacht nicht schlafen, weil ich noch zu viel Adrenalin in mir hatte. Am nächsten Tag hatte ich aber einen zweistündigen Schönheitsschlaf zu Mittag (lacht) und der hat dann geholfen.

Die Kameraposition von oben zeigt: Sie schlagen mit ihren Füßen viel langsamer, als die meisten ihrer Konkurrentinnen. Was ist der Grund dafür?

Kahler: Ja, das stimmt (lacht). Ich verbrauche über die Füße noch viel zu viel Sauerstoff und daher arbeite mich hauptsächlich mit meinen Händen nach vorne. Daran werde ich aber noch arbeiten.

Daran arbeiten werden sie künftig allerdings in Los Angeles...

Kahler: Genau, ich habe vor, in der „University of Southern California“ zu studieren. Welches Studium ist noch unklar, aber ich interessiere mich sehr für Biologie und für die Lehre des Menschen, also die Anthropologie. Neben der Uni werde ich in einer sehr großen Sportgruppe trainieren.

Wie genießen Sie die letzten Tage vor dem Abflug in zwei Wochen?

Kahler: Ich freue mich jetzt besonders auf die Zeit mit meiner Familie. Außerdem habe ich Lust, einen anderen Sport auszuüben: Klettern!