Erstellt am 30. Juni 2015, 15:26

von Raimund Novak

Von Krämpfen geplagt, von Ehrgeiz getrieben. Michael Strasser musste beim Wechsel zur Radstrecke von seinen Betreuern eingekleidet werden, dann startete er den Turbo.

Der Moment des Triumphes: Michael Strasser erreicht mit eineinhalb Stunden Vorsprung das Ziel.  |  NOEN, privat

„Fünf Minuten länger und der Wettkampf wäre für mich bereits früh vorbei gewesen“, spricht Michael Strasser nach dem „Austria Extreme Triathlon“ von einer Grenzerfahrung.

Der härteste Triathlon Österreichs, ein Ironman mit 5800 Höhenmetern nahe Graz, begann mit einer Schwimmdistanz von 3,8km in der 14 Grad kalten Mur um 4.30 Uhr morgens. „Ich musste meinen Körper für dieses Bergrennen im Vorfeld extrem optimieren, da man bei diesen Bewerben das Letzte aus sich herausholen muss“, schaffte es Strasser seinen Fettanteil zu minimieren, was sich im kalten Wasser kurzzeitig als Nachteil erwies und ihn aufgrund von starken Krämpfen in Schwierigkeiten brachte. Beim Wechsel zur Radstrecke, der einen Kleidungswechsel vorsieht, war er daher kurzzeitig auf „fremde Hilfe“ angewiesen. „Meine Betreuer mussten mir beim anziehen helfen“, so Strasser im Gespräch mit der NÖN.

„Meine Gegner sind daran zerbrochen“

Kurze Zeit später saß der 32-Jährige, der bereits bei der Race Across Russia-Tour mit einem Weltrekord für Furore sorgte, auf seinem Steckenpferd, seinem Fahrrad, mit dem er sich mit zwei Konkurrenten aus Belgien und Norwegen ein sechsstündiges Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte. Er schaffte es auf der 188km langen Strecke, wo es 4000 Höhenmeter zu überwinden gab, nicht, seine Verfolger abzuschütteln und setzte im anschließenden Laufabschnitt alles auf eine Karte. Auf den ersten zehn Kilometern startete er den Turbo und setzte seine Kontrahenten mental unter Druck. „Daran sind meine Gegner zerbrochen. Es war klar: Wer zuletzt einbricht, wird gewinnen.“

Mit geballten Fäusten und lautem Jubelschrei erreichte der Trautmannsdorfer schließlich als Erster das Ziel. Er finishte in 12 Stunden und 20 Minuten vor Armin Atzlinger (13:51) und Marcus Raatz aus Deutschland (14:12). Für Strasser zählt der Sieg gemeinsam mit dem Triumph beim Balatonman 2014 zu seinen größten Erfolgen. „Der Erfolgsdruck ist für diese Saison dahin, alles was jetzt kommt, zählt zur Kür.“

Flache Triathlonstrecken wird Strasser künftig meiden, da mit einem Körpergewicht von 62 Kilogramm (bei einer Körpergröße von 1,74m) die Bergstrecken leichter zu bewältigen sind. „Für flache Kurse bin ich einfach viel zu leicht, das muss man irgendwann eingestehen.“