Das Dojo von Hupo. Als Judoka trafen Katharina Tanzer die Einschränkungen zu Beginn des Lockdowns besonders hart. Der NÖN erzählte sie, wie sie trotzdem gut durch die Zeit gekommen ist.

Von Armin Grasberger. Erstellt am 29. Juli 2020 (00:57)
Gemeinsam durch due seltsamen Zeiten. Katharina Tanzer (r.) mit Coach Rohrauer und Kollegin Laura Kallinger.  
privat

„Ich hab mir die Weisheitszähne ziehen lassen. Ende Juli steht eine Arthroskopie wegen eins Meniskuseinrisses an, und einen Sehneneinriss in der Schulter lasse ich auch grade ausheilen. Ich nütze die Zeit für eine Generalsanierung.“

Bei Katharina Tanzer haben sich über die Jahre viele Wehwehchen angesammelt. Aufgrund Ihres vollen Terminkalenders hatte sie nie die Gelegenheit, all auszukurieren. Judo ist eben ein intensiver Sport. Besonders auf jenem Weltklasselevel, auf dem die Grestnerin unterwegs ist. Judo ist aber auch Vollkontaktsport, und war deshalb besonders von den zu Beginn der Corona-Zeitrechnung verkündeten Einschränkungen betroffen.

Scheune statt Leistungszentrum

„Das BSFZ in der Südstadt, wo ich während der Woche wohne und trainiere, wurde damals sofort geschlossen“, erzählt Tanzer. „Ich bin deshalb, wie meine beiden Trainingspartner auch, zu meinem Coach Hupo Rohrauer gezogen.“ Der besitzt ein Haus mit Scheune, in der er ein Dojo — also einen Trainingsraum für japanische Kampfkünste — und einen kleinen Fitnessraum eingerichtet hat. „Meine Gruppe trainiert und wohnt dort eigentlich jedes Wochenende. Die Mädchen haben ein eigenes Zimmer, die Burschen schlafen in der Halle auf dem Weichboden.“

Wenn ich ehrlich bin, habe ich es auch ein bisschen genossen, einmal nicht reisen und aus dem Koffer leben zu müssen.“Katharina Tanzer

Tanzers Pensum verringerte sich von zuvor fünf bis sieben Stunden täglich auf zwei bis vier Stunden. Der Fokus lag klar auf der Kondition. „Wir waren sehr viel laufen, haben Yoga, Zirkel- und Rumpftraining gemacht.“ Dazu kamen via Nationalteam Videokonferenzen mit einem Mentaltrainer.

Nach dem Spitzensporterlass Anfang Mai waren drei anderthalbstündige Krafteinheiten pro Woche in der Südstart erlaubt. „Viel kürzer als normal.“ Aufgrund der längeren Regenerationsphasen verbesserten sich Tanzers Kraftwerte dennoch. „Natürlich probiert man, das Beste aus jeder Situation zu machen. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich es auch ein bisschen genossen, einmal nicht reisen und aus dem Koffer leben zu müssen“, blickt die Grestnerin zurück. Die Motivation ist aber wieder da, oder war nie wirklich weg. „Ich freue mich schon darauf, wieder viel und hart zu trainieren. Das mache ich einfach am liebsten.“

Der nächste große Wettkampf wartet erst im November auf sie. Dann steigt in Prag die EM. Bis dahin verbringt Tanzer wohl wieder viel Zeit bei Coach Hupo Rohrauer. Aber nicht zwangsläufig im Dojo. Denn: „Während des Lockdowns habe ich ein neues Hobby für mich entdeckt. Die Gärtnerei. Und weil wir damals viel und oft bei Hupo waren, habe ich einfach seinen Garten umgegraben.“