Ein Ende ist ein Anfang. Elke Aigner lässt die Rallye-Cockpits dieser Welt hinter sich. Die Grestnerin hat sich die Entscheidung alles andere als leicht gemacht. Am Ende siegte aber die Vernunft.

Von Armin Grasberger. Erstellt am 19. September 2017 (03:11)
Daniel Fessl
Spektakel. „Das Auto war ein Wahnsinn“, zeigte sich Elke Aigner vom Ford Fiesta WRC beeindruckt. „Wir waren gut unterwegs, sind nie über dem Limit gefahren. Der Ausfall tut sehr weh.“

Das Leben ist eine nicht enden wollende Abfolge von Entscheidungen. Entscheidungen, die getroffen werden müssen, obwohl der Betroffene das oftmals eigentlich gar nicht will. Aus rein pragmatischer Sicht führt zwar kein Weg daran vorbei, das Herz windet sich dabei aber vor Schmerz. Elke Aigner hat jüngst eine dieser Entscheidungen für sich getroffen. Sie sagt dem Rallye-Sport „Adieu“. Nach elf Jahren als Co-Pilotin.

Robert May
Benzinschwester. Elke Aigner, eine Co-Pilotin der Extraklasse, hat Motorsport im Blut. 

Der Grund, warum die Grestnerin einen Schlussstrich zieht, ist einer jener unbarmherzigen, pragmatisch absolut nachvollziehbaren. „Die Entscheidung war auch nach einer langen Anlaufphase nicht einfach. Doch ich muss jetzt einen großen Schritt in meinem Berufsleben wagen“, erklärt Aigner im Exklusiv-Interview mit dem Magazin motorline.cc. „Ich werde das elterliche Autohaus übernehmen. Man könnte sagen, dass ich jetzt, mit 30, gezwungen bin, erwachsen zu werden. Ich trete in die Fußstapfen meiner Eltern und trage damit auch die Verantwortung für unsere Mitarbeiter - das möchte ich nicht auf die leichte Schulter nehmen.“

Sonnleitner: „Schade, dass sie aufhört.“

Den Weg in den Rallyezirkus hat ihr eine Motorsportlegende des Scheibbser Bezirks gewiesen: Franz Sonnleitner. Der Wanger Benzinbruder stand zwar nicht so oft am Start, wie er das selbst gerne gehabt hätte — das liebe Geld ließ leider nicht mehr zu — wenn er dann allerdings mit von der Partie war, fightete er stets um die vorderen Plätze mit. „Er ist ein guter Freund von mir“, schildert Aigner. „Bei Franz habe ich immer bewundert, wie viel er mit so wenig Geld auf die Beine stellen kann. Ich habe schon früh alles um sein Rallyeteam herum mitbekommen. Und wenn man einmal bei einer Rallye war, ist man infiziert.“

Sonnleitner selbst spricht nur in höchsten Tönen von seiner Ex-Co-Pilotin: „Als sie das erste Mal mit mir gefahren ist, war ich sehr überrascht davon, wie gut sie war. Elke ist in ihrer Rolle komplett aufgegangen. Es ist schade, dass sie jetzt aufhört. Sie hätte sicher noch Platz in einigen Cockpits gefunden und dort Erfolge gefeiert.“

„Man könnte sagen, dass ich jetzt, mit 30, gezwungen bin, erwachsen zu werden.“

Elke Aigner

Elf Jahre hat sie also gedauert, die Rallye-Karriere der Elke Aigner. Elf Jahre, in denen ein Highlight das nächste jagte: Ob das der erste Einsatz an der Seite von Hubert Kapeller im Jahr 2006 bei der Leiben-Rallye war. Oder der gemeinsame Start mit Aaron Burkart bei den Gruppe-B-Legenden in Saalfelden in einem ehemaligen Auto von Colin McRae. Der Start mit Fabian Ennser bei der zur WM zählenden Deutschland-Rallye 2013 oder die letzten Rennen mit Gerwald Grössing.

Denkt Aigner an die Starts mit Grössing, gerät sie auch jetzt noch ins Schwärmen: „Mit Gerwald war es eine ganz eigene Geschichte. Es ist unglaublich, welcher Speed an der ORM-Spitze gefahren wird. Das ist dann doch eine ganz eigene Liga. Natürlich ist es schade, dass ich mit Gerwald nur zwei Rallyes fahren konnte und ich habe auch überlegt, noch eine letzte Rallye zu fahren - doch ich musste und wollte ganz einfach an dieser Stelle einen Schlussstrich ziehen.“

An einen endgültigen Abschied glaubt Weggefährte Sonnleitner indes nicht. „Wie oft habe ich das schon gesagt“, lacht er. „Sie hat so eine Leidenschaft für diesen Sport. Ich glaube schon, dass wir sie in einigen Jahren wieder im Cockpit sehen werden.“