Olympia, bitte warten. Aus dem Bezirk hatten sich drei Athleten noch Hoffnungen auf eine Olympiateilnahme gemacht. Der NÖN Erlauftal erzählte das Trio, was die Verschiebung der Spiele für sie bedeutet.

Von Armin Grasberger. Erstellt am 25. März 2020 (16:38)
Symbolbild
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„Sie haben sich eh lange geziert, schlussendlich aber die richtige Entscheidung getroffen.“ Mit „Sie“ meint Leichtathlet Dominik Distelberger die Verantwortungsträger beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Die „richtige Entscheidung“ ist die Verschiebung der Sommerspiele in Tokyo von 2020 auf 2021. Die Rufe nach einem neuen Termin waren zuletzt immer stärker geworden, nationale Verbände verkündeten, ihre Athleten zum geplanten Termin nicht nach Japan entsenden zu wollen. Das IOC beugte sich schlussendlich dem Druck und verlautbarte am 24. März die Verschiebung.

Bernhard Pickl
privat

Die Trainings- und Wettkampfkalender der Athleten wurden durch diese Entscheidung auf den Kopf gestellt. „Bis auf Weiteres finden natürlich keine Bewerbe statt“, weiß Bernhard Pickl, Sportschütze vom SV Gaming und Olympiaanwärter. Seinen Trainingsumfang hat er entsprechend angepasst. „Bis zur Verkündung der Verschiebung hatte ich mich intensiver fit gehalten, jetzt ist alles auf Grundlagentraining heruntergefahren. Körperlich und schieß-technisch.“ Wie es für ihn und seine Sportschützenkollegen bezüglich einer möglichen Olympia-Quali weitergeht, ob die bisher erbrachten Leistungen weiterhin zählen, weiß Pickl aktuell nicht. „Wir haben vom Verband diesbezüglich noch keine Informationen erhalten. Stand jetzt sind für Juni Wettkämpfe angesetzt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die tatsächlich stattfinden werden.“

 Laufen ist nicht alles, aber überall möglich

 

Christian Steinhammer
privat

Auch die Saison von Christian Steinhammer fand durch die Verschiebung ein jähes Ende. „Zumindest was das Frühjahr und den Sommer betrifft“, erklärt der Laufsportler aus St. Georgen/Leys. „Die Hoffnung auf die EM Ende August habe ich noch nicht ganz aufgegeben, und für den Berlin-Marathon im Herbst hätte ich bereits eine fixe Startplatzzusage.“ Die Absage der Tokyo-Spiele versteht er. „Die absolut richtige Entscheidung, gesundheitlich gesehen. Aber auch sportlich.

Denn: Einerseits hätten sich viele Athleten wegen abgesagter Bewerbe nicht mehr qualifizieren können, andererseits sind aktuell keine Anti-Dopingkontrollen mehr möglich. Weil die Labore ausgelastet sind, und weil in der jetzigen Situation kein Doping-Kontrolleur Zutritt zu den Sportlern bekommt.“ Erträglich wird die momentane Lage für Steinhammer durch den Umstand, dass er weiterhin fast uneingeschränkt trainieren kann. „Natürlich haben wir die Umfänge heruntergefahren. Aber die Menschen dürfen ja noch vor die Tür, und laufen kann man überall.“

Dominik Distelberger
Raimund Bauer

Weniger rosig ist die Situation bei Distelberger. Das Aushängeschild der Union Volksbank Purgstall versucht, sich durch Lauf- und Krafteinheiten fit zu halten. „Aber Laufen ist eben nicht alles. Das Training für die technischen Disziplinen fällt komplett weg. Alle trainieren aktuell irgendwie so dahin.“ Die Chancen auf eine erfolgreiche Olympia-Quali sind für ihn durch die Verschiebung jedenfalls nicht gestiegen. Das Problem: Das Starterfeld der Zehnkämpfer wurde im Vergleich zu den Spielen von Rio 2016 um zwölf Plätze verkleinert und umfasst 24 Athleten. „Wenn es dann irgendwann wieder weitergeht, werden das knackige Quali-Bewerbe“, ist sich der Hochriesser sicher. „Die ganzen Spitzenleute treten dann gemeinsam bei den wenigen Meetings an, die es vor Olympia noch geben wird.“