Kickboxen: Gekommen als Gegner, gegangen als Freunde. Das „K1 Next -Amateur Kickboxing“-Turnier war das erste seiner Art in Wieselburg. Die NÖN Erlauftal war vor Ort und hat sich das Treiben im und rund um den Ring angesehen.

Von Armin Grasberger. Erstellt am 26. November 2019 (00:23)

Es wurlt im Wieselburger Sportzentrum. Hektisches, erwartungsvolles Treiben. Organisatoren, Helfer, Besucher, Kämpfer, Verwandte, Freunde, Sanitäter - alle reden, rennen und lachen kreuz und quer durcheinander. Ein halbes Jahr voll Arbeit gipfelt in diesem Samstag. Der Gesundheitssportverein „wellness-aktiv, B-L-Austria“ hat eingeladen, und Kickbox-Amateure aus ganz Österreich sind gekommen. Wieselburg, Amstetten, St. Pölten, Wien, Salzburg - willkommen in der Braustadt.

Amateur-Fighter, Profi-Schiedsrichter

Mittendrin in besagtem, ameisenhaufengleichen Gewurl: David Erber. Gemeinsam mit Michael Lötsch hatte er vor gut sechs Monaten die Idee, ein Kickbox-Turnier ausschließlich für Amateure auszurichten. Seither war Freizeit rar gesät. Hunderte Interessenten hat das Duo in dieser Zeit begutachtet. Bedingung für eine Zulassung war, dass der Kämpfer in seiner Karriere bisher nicht mehr als zwei Fights bestritten hat.

Manche Kandidaten versuchten, bei der Anmeldung zu tricksen. Erber: „Sie hatten zwar in Österreich noch nicht gekämpft, ihre Einsätze im Ausland aber verschwiegen. Da waren quasi Halb-Profis dabei. Und genau das wollten wir nicht. Die haben wir dann wieder ausgeladen.“ Chancengleichheit war das Ziel. Ähnlich begabte Kämpfer in ähnlichen Gewichtsklassen wurden — mit dem Einverständnis ihrer Coaches — einander zugeteilt. „Alles andere hätte keinen Sinn gemacht“, erklärt Erber.

„ Aggressivität würde dich nur verkrampfen lassen. Und dann stehst du den Kampf nicht durch. Erst, wenn du das alles als Spiel siehst, wirst du frei.“Robert Plank

In einem Bereich greift das Organisationsteam dann aber sehr wohl auf Spezialisten zurück: Bei den Schiedsrichtern. Haupt-Referee Kamon Chetphaophan hat über 300 Profi-Kämpfe im Kick- und Thaiboxen absolviert und war Thaibox-Weltmeister. Er weiß, was er tut, wann er einschreiten muss und wann er die Leine lang lässt.
Der Andrang ist jedenfalls groß. All jene, die sich schon weit vor dem ersten Gong einen Sitzplatz gesichert haben, taten dies in weiser Voraussicht. Zu Spitzenzeiten drängen sich an die 200 Besucher rund um den nigelnagelneuen Ring. „Bei der Anschaffung hat uns die Stadtgemeinde Wieselburg großzügig unterstützt“, verrät Erber. All jene, die keinen Platz mehr finden, können die Kämpfe per Livestream auf der Leinwand im Buffet sehen.

Dort verfolgt auch Gerhard Allinger, Obmann des Veranstaltervereins, das Treiben. „Total zufrieden“, ist er. „Das heute ist ein Testlauf. Wenn alles gut über die Bühne geht, kann ich mir schon vorstellen, dass wir in den nächsten Jahren ein ähnliches Turnier in größerem Rahmen veranstalten. In der Messehalle, beispielsweise.“

Vom großen Bud Spencer lernen

Endorphin. Robert Plank weiß: „Wenn du in den Ring steigst, bist du schon ein Gewinner.“
Konstantin Reyer,

An die Zukunft denkt Robert Plank nicht. Seine ganze Konzentration gilt dem Hier und Jetzt. Er ist einer jener Kämpfer, die heute ihr Debüt feiern. Vor gut einem Jahr hat der Grestner mit dem Kickboxen begonnen. „Ich wollte das immer mal ausprobieren“, sagt er. „Im Fokus stand für mich aber immer eher der Trainingsaspekt. Als das mit dem Turnier konkreter wurde, haben mich die Coaches überredet, doch in den Ring zu steigen.“ Vorbereitet hat er sich „nicht wirklich gezielt“ auf seinen ersten Kampf. „Am Vorabend hat er sich noch einen Bud Spencer-Film angeschaut“, erzählt Cousin Michael Kogler lachend. Das dürfte der richtige Weg gewesen sein. Plank gewinnt nach Punkten und schickt seinen Gegner sogar kurzfristig zu Boden. Das Publikum flippt aus. Sportler und Zuschauer stacheln sich immer wieder gegenseitig an. Bei jedem der 16 Duelle aufs Neue.

Eine knappe Stunde nach dem Fight sitzt Plank im Buffet und führt seinem geschundenen Körper jene Energie zu, die er zuvor verloren hat. Salat und Gemüselaibchen. Das Außergewöhnliche an der Situation: Neben ihm sitzt Gabriel Reich. Jener Mann, der ihm im Ring gegenübergestanden ist. Gemeinsam wird der Kampf analysiert. „Du hast klar die bessere Technik“, streut Plank seinem Kontrahenten Rosen. „Ich hatte am Ende mehr Luft.“ Reich stimmt ihm zu und erhebt sein Seiterl. Prost.

Besonders beeindruckend: Egal, wie vehement sich die Kontrahenten im Ring auch auf die Nuss geben: Nach dem finalen Gong fallen sich alle um den Hals. Immer. Der gegenseitige Respekt ist enorm groß. Shakehands mit der Ecke des Gegners ist eine Selbstverständlichkeit. „Du willst dein Gegenüber ja nicht verletzen“, erklärt Plank. „Auch wenn es nicht so ausschaut, im Ring bist du nicht aggressiv. Aggressivität würde dich nur verkrampfen lassen. Und dann stehst du den Kampf nicht durch. Erst, wenn du das alles als Spiel siehst, wirst du frei.“