Beißen für den Traum. Der Ötztaler Radmarathon gilt gemeinhin als das Non-Plus-Ultra unter den Eintages-Straßenrennen. Der St. Antoner Dietmar Längauer hat ihn bezwungen.

Von Armin Grasberger. Erstellt am 19. September 2017 (03:11)
privat/Längauer

Wieso quäle ich mich eigentlich so? Warum das Ganze? Die eine Frage, die Hirne von (Ausdau er-)Sportlern weltweit immer und immer wieder malträtiert. Die Antwort kommt bei den einen schneller, bei den anderen dauert es etwas länger. Aber sie kommt. Und sie klingt fast überall gleich. „Weil es mein Traum ist.“

15.000 Anmeldungen, 4.500 Startplätze

Für Dietmar Längauer war dieser Traum stets eine Teilnahme am Ötztaler Radmarathon. Und den hat sich der St. Antoner dieses Jahr erfüllt. Dieser eine große Wettkampf versteckte sich immer irgendwo ganz hinten im Kopf. Aber er war da. Der Traum eben. Das große Ziel.

Um bei dem Extrem-Rennen über 238 Kilometer und 5.500 Höhenmeter überhaupt antreten zu dürfen, bedarf es allerdings einer gehörigen Portion Glück. 15.000 Anmeldungen stehen lediglich 4.500 Startplätze gegenüber. „Heuer hat es endlich geklappt“, erzählt Längauer im Gespräch mit der NÖN Erlauftal. „Ich hatte es vor fünf Jahren schon einmal probiert, damals aber nicht so viel Glück.“

Die Zusage erreichte ihn bereits im März dieses Jahres. Verständlicherweise. So ein Wettkampf will ja auch bis ins kleinste Detail geplant sein. Ein Trainingsplan muss entwickelt und der Körper in Idealform gebracht werden.

With a little help from my friends

„In dieser Phase war meine Familie immens wichtig“, weiß Längauer. „Im privaten Bereich muss man da nämlich schon einige Abstriche machen. Für meine Frau und meine Kinder war es in Ordnung, dass ich am Sonntagmorgen, anstatt mit ihnen am Frühstückstisch zu sitzen, irgendwo durch die Gegend geradelt bin. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.“

privat/Längauer

Längauers Familie spielte auch beim Rennen selbst eine große Rolle. Als Unterstützungs- und Verpflegungseinheit. Entlang der Strecke warteten zahlreiche Labstellen auf die Teilnehmer. „Dort immer wieder bekannte Gesichter zu sehen, gab mir Auftrieb“, blickt der Fahrer des RIG Gaming zurück. „Mein Sohn, mein Bruder und ein Bekannter waren sogar selbst mit den Rädern unterwegs und warteten bei mehreren Stationen auf mich. Dabei haben die drei auch etliche Kilometer zurückgelegt.“

Längauer: „Komplett zufrieden, aber...“

Das Ziel erreichte Dietmar Längauer nach unglaublichen 8:27:21,4 Stunden. In seiner Klasse (Männer Master I) bedeutete das Rang 179 von 2.065 Klassierten. Beeindruckend. Besonders, wenn man bedenkt, dass sich der St. Antoner erst im Sommer 2016 einer Kreuzbandoperation unterziehen und somit wieder komplett bei Null hatte anfangen müssen. „Angesichts dieser Vorgeschichte bin ich auch komplett zufrieden“, sinniert er. „Mein Ziel war aber eine Zeit unter acht Stunden.“

Das klingt, als hätte Dietmar Längauer seinen Frieden mit dem Ötztaler Radmarathon noch nicht ganz gemacht. „Wenn du ins Ziel kommst, bist du erst einmal unglaublich happy“, blickt er zurück. „Aber irgendwie denkst du schon auch daran, es nochmal zu versuchen.“ Ein Traum ist ein Traum. Aber ein Ziel ist dann eben doch ein Ziel.