Spiele verkauft: Kicker in U-Haft. Der SV Raika Scheibbs muss in der 1. Klasse West wohl für längere Zeit auf Vince Kapcsos verzichten. Der ungarische Legionär sitzt in in seiner Heimat Untersuchungshaft. Der Vorwurf lautet Spielmanipulation.

Erstellt am 12. März 2012 (11:20)
NOEN
VON ARMIN GRASBERGER
UND FRANZ WILLATSCHEK
Der SV Raika Scheibbs muss wohl für längere Zeit auf seinen ungarischen Legionär Vince Kapcsos verzichten. Es ist keine Verletzung, die den Denker und Lenker der Bezirkshauptstädter zum Zuschauen zwingt, nein, es ist die Justiz unseres Nachbarlandes.
Ungarischen Medienberichten zufolge sitzt Kapcsos momentan in Untersuchungshaft - laut der Aussage von Trainer Martin Elser anscheinend für mindestens 30 Tage. Der Vorwurf: Spielmanipulation. Konkret geht es zum jetzigen Zeitpunkt um mehrere Spiele zwischen 2004 und 2007 in der höchsten ungarischen Spielklasse, dem nationalen Cup und dem Liga-Cup. Pro Match und Spieler sollen 2.000 bis 3.000 Euro an Schmiergeld geflossen sein. Neben Kapcsos steht noch eine Vielzahl an weiteren Spielern im Fokus der Behörden.
Ein Opfer hat der mutmaßliche Betrugsskandal bereits gefordert. Der Präsident des Zweitligisten Rákospalotai EAC, kurz REAC, Robert Kutasi, hat sich am 1. März das Leben genommen. Er galt als oberster Kämpfer gegen Korruption im ungarischen Fußball und konnte laut seiner Abschiedsbotschaft den Verrat durch seine engsten Mitstreiter nicht verkraften. Kapcsos war bis 2010 bei diesem Verein beschäftigt, gegen REAC und seine Funktionäre besteht momentan allerdings kein Verdacht.

Die Ermittlungen stehen erst am Anfang
Neben REAC fielen in diesem vermeintlichen Betrugsskandal die Namen mindestens dreier weiterer Clubs aus dem ungarischen Oberhaus.
Kapcsos wurde vorläufig die Spielerlaubnis entzogen. Sollte sich herausstellen, dass er unschuldig ist, wird er sofort wieder einsatzberechtigt sein. Das kann allerdings dauern. Denn die Ermittlungen befinden sich erst im Anfangsstadium.
Beim SV Scheibbs rechnet man jedenfalls nicht mit einer baldigen Rückkehr des Legionärs. „Wir schauen zurzeit aus wie nasse Pudel. Wir sitzen auf Nadeln und warten ab, was sich in dieser Causa in den nächsten Tagen tut. Wir haben über unseren ungarischen Legionär Roland Balogh und den Manager von Vince Kapcsos versucht, Näheres herauszufinden. Aber so wirklich schlau sind wir nicht geworden“, bestätigt Trainer Martin Elser. Die Scheibbser Kicker müssen zurzeit ihre tragende Figur im Spiel vorgeben. Eines deutet Elser jedoch unmissverständlich an: „Für Vince Kapcsos gilt natürlich die Unschuldsvermutung, aber wir müssen uns auch bei einer etwaigen Rückkehr von ihm darüber unterhalten, ob man so eine Person noch weiterhin im Kader haben möchte.“