Bernhard Pickl bei EM: „Das macht dann Spaß“. Bernhard Pickl wurde der Erwartungshaltung gerecht. Der Mitfavorit auf den Einzel-EM-Titel mischte in Osijek (CRO) konstant vorne mit und holte zwei Silbermedaillen.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 09. Juni 2021 (02:35)
Zufriedenheit. Bernhard Pickl (l.) holte bei der EM in Osijek hinter seinem ringgleichen Teamkollegen Gernot Rumpler (Mitte) Silber.
Margit Melmer/ÖSB, Margit Melmer/ÖSB

Der große Moment kam ganz zum Schluss. Es war der letzte Tag der Europameisterschaft in Osijek (CRO) und Bernhard Pickl ging als einer der Favoriten ins Dreistellungsmatch mit dem Standardgewehr. 2017 und 2019 holte er in dieser Disziplin Gold. Außerdem ist der Gaminger aktueller Weltrekordhalter mit 591 Ringen. Der maximal erreichbare Wert sind 600. Es lastete also ein gewisser Druck auf Bernhard Pickl.

Pickl: „Medaille hat hohen Stellenwert.“

Aber genau das trennt die sehr guten Schützen von den Top-Athleten. Der Umgang mit genau diesem Druck. Pickl zeigte sich eiskalt, erlaubte sich nur wenige Wackler und nahm am Ende die Silbermedaille in Empfang. „Die Silberne hat für mich einen sehr hohen Stellenwert“, sagte Pickl danach. „Außerdem war es der erste internationale Wettkampf nach so langer Zeit.“ Eine Ausnahmesituation auch für die allerbesten Schützen des Kontinents. Bereits einige Tage zuvor hatte Pickl übrigens mit dem Team Silber im 3x40-Schuss-Bewerb geholt.

„Meine Erwartungen waren als Weltrekordhalter entsprechend hoch, daher bin ich sehr froh, dass es heute Silber geworden ist.“ Bernhard Pickl

Das 300m-Standardgewehr-Dreistellungsmatch war der letzte Bewerb für das Gewehrteam des Österreichischen Schützenbundes bei den diesen Titelkämpfen. Die Besonderheit: Der Wettkampf wurde als Open Class ausgetragen, also als Mixed-Klasse. Für die Nichtschützen als zusätzliche Erklärung: Ein Dreistellungsmatch besteht aus drei Runden in — erraten — drei Stellungen: kniend, liegend, stehend. Abgegeben werden jeweils 20 Schuss.

Pickl startete als Titelverteidiger in den Bewerb. Kniend kam er auf 196 von 200. Damit war er nur einen einzigen Ring hinter dem zu diesem Zeitpunkt führenden Slowenen Rajmond Debevec. Die Spitze des Feldes lag zu diesem Zeitpunkt noch eng beieinander, von einer Vorentscheidung konnte also noch keine Rede sein.

Im Liegendschießen zeigte Bernhard Pickl dann, warum er zu Europas Besten in dieser Disziplin zählt. Er erzielte 200 Ringe. Maximalpunktzahl. Besser geht‘s nicht. Damit überholte er Debevec und setzte sich an die Spitze. Es war also alles angerichtet für eine erfolgreiche Titelverteidigung.

Pickl kritisch über Leistung beim Stehendschießen

Doch daraus sollte nichts werden. Pickl hatte beim Stehendschießen unerwartet zu kämpfen. Der Heeressportler gab sich selbstkritisch: „Da hab ich leider nicht so durchgezogen, wie ich das normalerweise kann.“ Deshalb wurden es „nur“ 191 Ringe. Immer noch ein Top-Wert, der allerdings nicht ganz für die Goldene reichte. Insgesamt kam Bernhard Pickl nämlich auf 587 Ringe. Gleich viel wie sein Teamkollege Gernot Rumpler. Der hatte allerdings einen Innenringzehner mehr zu verbuchen und krönte sich damit zum neuen Europameister. Dritter wurde der Pole Tomasz Bartnik.

Pickls Resümee: „Zum Schluss ist es sehr knapp geworden. Meine Erwartungen waren als Weltrekordhalter entsprechend hoch, daher bin ich sehr froh, dass es heute Silber geworden ist.“

In der Stunde des Erfolgs vergaß der Gaminger seine Förderer nicht. „Einen großen Dank möchte ich an dieser Stelle unserem Heereskommandanten Klaus Gstinig aussprechen, der uns mit Munitions- und Materialtests perfekt unterstützt. Man sieht auch an den Ergebnissen, dass wir mit unserem Material konstant konkurrenzfähig sind. Und das macht dann auch Spaß.“