Das Duell der Verfolger. Markersdorf und Loosdorf haben sich im Frühjahr bislang ganz nach vorne gekämpft. Jetzt treffen sie aufeinander, sodass zumindest einer "Federn" lassen muss. Ein Remis würde Rabenstein in die Karten spielen, dass aber selbst gegen die im Frühjahr starken Pressbaumer seine Negativserie endlich beenden muss.

Von Michael Bouda. Erstellt am 14. Mai 2015 (08:23)
NOEN, Foto: Claus Stumpfer
Der erste Sieg im Frühjahr: Kirchberg (rote Trikots) schlug zu Hause den FC Leonhofen mit 3:1.
Nach dem Schlagerspiel zwischen Markersdorf und Rabenstein, das die Schadinger-Elf 2:1 für sich entschieden hat, wartet in der 1. Klasse West-Mitte der nächste Kracher: Im Duell der Verfolger bittet Loosdorf am Samstag Markersdorf zum Derby. Die Vorzeichen könnten kaum spannender sein.

Neben den Emotionen, die alleine die Nachbarschaft der beiden Vereine hervorruft, geht es beinhart um die Meisterschaft: Loosdorf liegt drei Punkte hinter Tabellenführer Rabenstein, Markersdorf – im Falle eines Siegs im Nachtragsspiel am Donnerstag in St. Georgen – sogar nur einen.

Doch die Trainer beider Mannschaften wollen ihren Teams nicht zu viel Druck im Titelrennen auferlegen. „Wir sehen von Spiel zu Spiel. Das ist unsere Devise. Gegen Sturm 19 haben wir die Möglichkeiten zu fahrlässig vergeben,“ hält sich Loosdorfs Trainer Michael Scheibenpflug bedeckt. In dieselbe Kerbe schlägt Markersdorfs Coach Michael Schadinger: „Wir schauen von Partie zu Partie.“

Schadinger: "Gehe von heißem Spiel aus"

Dass es aber kein „normales“ Spiel wird, dessen ist sich Schadinger bewusst: „Ich gehe von vielen Zuschauern und einem heißen Spiel aus. Aber wir haben bewiesen, dass wir in so einem Derby bestehen können.“ Sorgenfalten bereitet dem USC-Coach aber die Gesundheit einiger seiner Spieler: Pitgursky, der gegen Rabenstein mit seinen beiden verwandelten Freistößen zum Matchwinner wurde, ist ebenso angeschlagen wie Hebron.

Zeitgleich erwartet die Zuschauer am Samstag der zweite Schlager zwischen Rabenstein und Pressbaum. Will die Luger-Elf auf Nummer sicher gehen, muss man die Partie gewinnen, um die Tabellenführung zu bewahren. Doch mit Pressbaum kommt das mittlerweile stärkste Frühjahrsteam ins Pielachtal, das noch dazu den Schwung aus dem Last-Minute-Sieg gegen St. Georgen mitnimmt.

Pressbaum will Meisterschaft noch spannend machen

„Wir können die Meisterschaft noch spannend machen, wenn wir jetzt Rabenstein und danach Loosdorf schlagen“, traut Pressbaums sportlicher Leiter Norbert Schmied seinem Team alles zu. Stefan Gogg, der Coach des SVP, muss zwar auf Bollauf verzichten, der sich seine fünfte Gelbe Karte abgeholt hat, kann dafür aber wieder mit Iosim und Molnar planen.

In Rabenstein, wo Kapitän Peter Pfeifer gelb-gesperrt passen muss, haben die Punkteverluste im Frühjahr Spuren hinterlassen. Trainer Herbert Luger: „Mittlerweile glaubt ja eh niemand mehr außer ich und ein einige Hardcore-Fans an den Titel.“ Doch es überwiegt die Zuversicht: „Es wird nicht einfach, aber wir halten zusammen, auch wenn es weh tut. Daher sind wir guter Dinge.“

Bereits am Donnerstag treffen Kapelln und Sturm 19 aufeinander. Aufgrund der bisherigen Erfolge ist Kapellns sportlicher Leiter Gerhard Reichard zuversichtlich, warnt aber: „Normalerweise müssten wir drei Punkte machen, aber was ist schon ‚normal’ im Fußball.“ Mit einer ordentlichen Portion Respekt fahren die meisten Teams auf den kleinen Platz nach Kapelln, doch gerade darin sieht Sturm-19-Trainer Muhi Acar seine Chance: „Ein relativ kleiner Platz liegt uns.“

Sturm 19 hofft auf "Bonuspunkte" in Kapelln

Dennoch stapelt Acar die Erwartungen tief: „Wir rechnen uns nicht wirklich etwas aus und konzentrieren uns auf die wichtigen fünf letzten Spiele gegen Neulengbach, Kirchberg etc. In Kapelln wären es Bonuspunkte.“

Recht viel mehr als ein Rumpfteam wird Sturm 19 auch auf der Leopold-Figl-Sportanlage nicht aufbieten können – wieder sind mehrere Akteure fraglich. Sicher ist allerdings, dass Murat Cetinkaya nicht auflaufen wird: Am Montag haben Verein und Spieler beidseitig den Vertrag aufgelöst.

„Es hat für beide Seiten nicht mehr gepasst“, waren Acar vor allem die eher sporadischen Trainingsbesuche und das Fehlen bei wichtigen Meisterschaftspartien des einstigen Hoffnungsträgers ein Dorn im Auge.

„So haben wir es im Guten beendet“, erklärt Acar, der nach der Partie in Kapelln zusammen mit Sportchef Volkan Kahraman wahrscheinlich sogar selbst auflaufen wird, um das vorrangige Ziel zu erreichen: Die Saison vor Kirchberg nicht auf dem letzten Platz abzuschließen um eine kleine Chance auf den Klassenerhalt zu wahren.

Letzte Auswärtspartie für Statzendorf

Die in der Rückrunde höchst erfolgreichen Lilienfelder empfangen in der kommenden Runde den ASV Statzendorf. Jedoch setzte es für die Stiftstädter am vergangenen Wochenende mit der etwas unglücklichen Niederlage gegen Neulengbach einen Dämpfer. Deshalb will Trainer Erwin Martinetz auf die Erfolgsspur zurückkehren, kann dafür aber nicht aus dem Vollen schöpfen: „Marco Wollinger hat sich einen Haarriss zugezogen und fällt für die Partie aus.“

Statzendorf, das nach der Vertragsverlängerung zumindest ein weiteres Jahr mit Schlüsselspieler Mario Weissinger planen kann, hat in Lilienfeld die letzte Auswärtspartie der Saison zu bestreiten. „Vielleicht schaffen wir drei Punkte“, kann Trainer Thorsten Sassmann auf dieselbe gute Personalsituation bauen wie beim 2:2 gegen Kapelln zuletzt.

Am Freitagabend kommt es zum Aufeinandertreffen zwischen Neulengbach und Kirchberg. Beide Teams waren in der vergangenen Runde erfolgreich: Die Zenleser-Truppe fuhr gegen Lilienfeld mit einem 1:0 den zweiten Sieg in Folge nach jenem in Kapelln ein. Das Team von Enver Keci erzielte gegen Leonhofen mit einem 3:1 den ersten vollen Erfolg im Frühjahr – den zweiten insgesamt. Daran will Keci anknüpfen: „Wenn wir es wieder schaffen, keine Fehler zu machen, bin ich zuversichtlich. Und die Mannschaft hat jetzt noch dazu auch Selbstvertrauen vom Sieg.“

Neulengbachs Obmann Josef Zenleser ist trotz der zwei Überraschungssiege weniger optimistisch: „Die Partie bereitet mir Bauchweh. Auch wenn es nicht sein dürfte, schwirrt in den Köpfen der Spieler bestimmt der Punktevorsprung herum. Über nur einen Punkt würde ich mich nicht wunder.“

Schwierige Aufgaben für St. Georgen

Für St. Georgen stehen gleich zwei schwere Heimpartien an: Am Donnerstag kommt es zum Nachtragsspiel gegen Markersdorf, in das Trainer Walter Brandstätter mit voller Motivation geht. „Jetzt muss Markersdorf eben Federn lassen“, hofft Brandstätter auf jene Punkte, die man in Pressbaum unglücklich liegen ließ – hatte St. Georgen nach Rückstand doch in der 87. Minute die Partie gedreht um schließlich in der Nachspielzeit doch noch mit leeren Händen da zu stehen. Klar ist allerdings auch, dass Markersdorf mit der Tabellenführung in Schlagweite nichts unversucht lassen wird, um vor dem großen Derby in Loosdorf auch aus St. Georgen drei Punkte mit nach Hause zu nehmen.

Am Samstag folgt für St. Georgen dann die Partie gegen Bischofstetten. „Es sind zwei Topspiele. Wir müssen clever agieren und wollen zu Hause Punkte holen“, kann ATSV-Trainer Brandstätter mit den Stützen Eric Willer und Michael Hasenzagl rechnen, die wieder „voll fit zurück“ sind. Auch bei Bischofstetten lichtet sich nach dem 2:2 gegen den SC St. Pölten etwas die Personalnot: Christoph Schagerl wird wieder fit sein und Ronald Pepeunig kehrt nach seiner Sperre zurück. „Dafür wird uns Marco Senger wegen seiner fünften Gelben Karte fehlen. Da geht uns in der Offensive ein durchschlagskräftiger Akteur ab“, meinte SU-Trainer Günter Kastenhofer.

Schließlich gastiert Leonhofen beim SC St. Pölten. Was die Landeshauptstädter betrifft, regieren aber vor allem die Personalsorgen: Adiyaman dürfte sich beim 2:2 in Bischofstetten eine schwere Knieverletzung zugezogen haben. „Ich wünsche ihm alles Gute und hoffe, dass es nichts Schlimmes ist“, war der Ausgang der letzten Partie für SC-Trainer Alen Barlov nebensächlich. Zusätzlich wird Krslak mit Rückenproblemen ausfallen. Barlov blickt aber nach vorn: „Wir müssen uns erholen und die Kräfte bündeln. Wir werden uns schon etwas einfallen lassen.“ Leonhofens Coach Ronald Kraaibeek ist nach der bitteren Pleite gegen Kirchberg auf Wiedergutmachung aus und möchte wieder einen Sieg von seiner Truppe sehen: „Ich will jedes Spiel gewinnen. Egal wie der Gegner lautet“, gibt sich Kraaibeek kämpferisch.

1. Klasse West/Mitte

  Mannschaft Sp. S U N Tore +/- Pkt.
1 Rabenstein 21 14 3 4 56:24 32 45
2 Loosdorf 21 13 3 5 56:28 28 42
3 Markersdorf 20 13 2 5 55:25 30 41
4 Pressbaum 21 11 4 6 51:29 22 37
5 Kapelln 21 10 7 4 48:33 15 37
6 Bischofstetten 21 10 6 5 41:29 12 36
7 Lilienfeld 21 9 6 6 40:31 9 33
8 SC St. Pölten 21 8 5 8 33:29 4 29
9 St. Georgen/Stfd. 20 8 4 8 41:44 -3 28
10 Neulengbach 21 8 3 10 36:37 -1 27
11 Leonhofen 21 6 3 12 31:41 -10 21
12 Statzendorf 21 6 3 12 27:50 -23 21
13 Kirchberg/P. 21 2 3 16 31:70 -39 9
14 Sturm 19 St. Pölten 21 0 4 17 15:91 -76 4
 

Die nächste Runde:

Donnerstag, 16.30 Uhr: Kapelln - Sturm 19 St. Pölten (M. Klug; H. Penz), SC St. Pölten - Leonhofen (Zilic; A. Oberwimmer), St. Georgen/Stfd. - Markersdorf (Rauschmayr; H. Hinterberger).

Freitag, 19.30 Uhr: Neulengbach - Kirchberg/P. (M. Weiß; Triebl). - Samstag, 17 Uhr: Lilienfeld - Statzendorf (F. Kaya; Zagler), Loosdorf - Markersdorf (M. Mayr; K. Fasching), Rabenstein - Pressbaum (F. Schwarzl; Stalzer), St. Georgen/Stfd. - Bischofstetten (Ertunc; Candan).

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