Rainer Predl: Der Kopf litt mehr als der Körper

Erstellt am 08. Dezember 2021 | 02:08
Lesezeit: 3 Min
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Prost! Rainer Predl hält das Schild mit der neuen Weltrekordmarke in die Kamera. Das Bier danach hatte sich der Lasseer redlich verdient.
Foto: Johann Newetschny
Rainer Predl ließ seinen erfolgreichen Weltrekordversuch Revue passieren.
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Alleine die nackten Zahlen sind beeindruckend: 78 Kilometer pro Tag, und das 30 Tage in Folge, bedeuten 55 Marathons in einem Monat. Und das alles auf einem Laufband. Unglaublich, oder? So schaffte der Lasseer Rainer Predl in der Vorwoche das Unmögliche: Er stellte mit 2.340 Kilometer einen neuen offiziellen – und inoffiziellen – Weltrekord auf. Noch nie ist ein Mensch länger und weiter auf einem Laufband gelaufen.

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Schlüssel zum Erfolg: Rainer Predl (Zweiter von links) mit einem Teil seines Teams: Matthias Schwehm, Thomas Tiefenböck, Christian Weingartner, Rene Kun, Mario Binder, Birgit Gossar und Christian Mühleder (v.l.).
Foto: Newetschny

Nach ein paar Tagen Abstand, unzähligen Glückwünschen via Telefon, SMS oder sozialen Medien und laut Eigenaussagen noch immer „glühenden Füßen“ nahm sich der 31-Jährige für die NÖN ausführlich Zeit, um sein Monster projekt „30 Tage am Laufband“ Revue passieren zu lassen. Er sprach mit der NÖN über ...

... die ersten Tage danach

„Der Körper ist so gedrillt worden, dass ich sofort wieder weiterlaufen könnte. Aber wenn ich mir meine Zehen und Füße anschaue, ist es besser, dass es vorbei ist.

Mich haben die Reaktionen aus der ganzen Welt über wältig, da habe ich erst gemerkt, was ich geleistet habe.“

... die körperlichen Qualen

„Positiv war, dass ich keine Knieprobleme oder Entzündungen hatte. Aber ansonsten war fast alles dabei: Sprunggelenksprobleme, das Schienbeinkantensyndrom – das übrigens fürchterlich schmerzt – und noch einiges mehr. Aber mit Sofortbehandlungen und Regeneration ging alles wieder von selbst weg, das war ein kleines Wunder für mich. Topfen ist ab jetzt mein bester Freund (lacht).“

... die Gedanken ans Aufgeben

„Natürlich gab es die, und ich muss im Nachhinein ganz klar sagen: Die mentalen Schmerzen waren schlimmer als die Körperlichen. Alleine, dass ich keine Privatsphäre hatte, ging mir ordentlich an die Nieren, teilweise habe ich meinen Kopf unter einem Handtuch versteckt, um alleine zu sein. Jetzt weiß ich, wie sich Tiere im Zoo fühlen müssen (lacht).“

... die Tricks, um doch durchzuhalten

„Ich habe meinen Kopf dazu gezwungen, bei der Sache zu bleiben, und da hat mir jeder Meilenstein geholfen. Das muss man sich vorstellen wie ein Projekt, wo ein Punkt nach dem anderen abgehakt wird. Dazu haben mir die Leute viel Kraft gegeben.“

... die Unterstützer und Fans

„Mein Team war unglaublich, sie haben mich rund um die Uhr unterstützt, dafür ein herzliches Dankeschön, ih- nen gehört dieser Weltrekord auch.

Und auch die Besucher waren toll, kamen vorbei und haben mir immer wieder Süßigkeiten vorbeigebracht. Besonders freute mich der Besuch von zwei deutschen Extremsportlern, die extra wegen mir nach Wien geflogen sind.“

... die Ernährung

„Ich habe am Tag knapp 8.000 Kalorien verbrannt und 14 Bananen gegessen, dazu Unmengen getrunken. Kein Wunder, dass ich fast jede Stunde auf die Toilette musste. Nur Mangos und Avocados, zwei meiner Hauptnahrungsmittel, kann ich jetzt länger nicht mehr sehen (lacht).“

... die Zukunft

„Was den Weltrekord angeht, so glaube ich, dass er länger halten wird, denn so ein Projekt ist unglaublich zeit- und kostenintensiv. Alleine die Ernährung hätte ohne Spon soren ja mehrere tausend Euro gekostet.

Jetzt pausiere ich mal, ehe ich mich neuen Projekten widme. Vielleicht mal ein Marathon mit einem NÖN-Redakteur, na wie wär’s (lacht)?“