Sportlerwahl: Trostpflaster für bitteren Karriereknick. NÖN-Sportler des Jahres Rene Kriwak war voll im Hoch, ehe Corona kam. Die Frauenwertung gewann Sprinterin Lena Spazirer.

Von David Aichinger und Peter Sonnenberg. Erstellt am 03. März 2021 (00:57)

Gut gelaunt nahm Fußballer Rene Kriwak aus Matzen am Samstag die goldene Siegerplakette der NÖN-Sportlerwahl 2020 entgegen. „Wieviel Karat hat die?“, sagte er schmunzelnd und überlegte sofort, wo er sie denn am besten platzieren solle. Ermöglicht wurde Platz eins im Voting wieder einmal vom nähesten Umfeld: Schwester Lisa, Papa Werner, Mama Birgit und Freunde gaben nahezu rund um die Uhr Stimmen für den 21-Jährigen ab und animierten Mitstreiter: „Die hatten im Lockdown einen 24/7-Job mit dem Voten“, grinst der FC-Marchfeld-Stürmer (Mannsdorf/Groß-Enzersdorf), der am Ende mit 6.851 Stimmen knapp 700 mehr als der Deutsch-Wagramer Basketballer Simon Marek hatte. Platz drei ging mit knapp 4.000 Stimmen an Torhüter Richard Rickl aus Groß-Schweinbarth.

Es ist ein Trostplaster für Kriwak und seine Familie, die – wie bei anderen Akademie-Absolventen – seit über einem Jahrzehnt viel Herzblut, Zeit und Geld investiert, um den Traum des Juniors vom Profifußball zu verwirklichen. Mit dem Wechsel zum FC Marchfeld schien dieser endlich am richtigen Platz. Carsten Jancker hielt große Stücke auf ihn, Kriwak traf und traf – bis Corona kam. Die Pandemie nahm nicht nur die Chance, den ersten Platz in der Ostliga ins Ziel zu bringen, sondern Kriwak auch quasi ein Jahr in der Entwicklung. Unterkriegen will sich der Matzener aber nicht lassen. Viermal die Woche arbeitet er aktuell intensiv an seiner körperlichen Verfassung, vier Kilo Muskelmasse sind zuletzt dazugekommen. „Ich bin wesentlich besser beieinander als während dem ersten Lockdown“, ist Kriwak überzeugt. Die ganz große Hoffnung liegt auf der Hand: es bald wieder auf dem Platz beweisen zu dürfen.

Der Aufsteigerin ist keine Hürde zu hoch

Wirklich glauben konnte Lena Spazirer ihren Sieg bei den Frauen lange nicht: „Weil ich immer gedacht habe, da wird am Ende noch jemand anderer mehr Stimmen bekommen.“ Dafür ist die Freude jetzt umso größer: „Da hat neben Familie und Freunden auch die ganze Leichtathletik-Community mitgestimmt.“ Den „Joker“, auch ihre Klassenkameraden in der HAK Gänserndorf zum Mitmachen zu motivieren, musste die 17-Jährige gar nicht erst ausspielen. Ihr Erfolg ist auf jeden Fall hochverdient: Die Untersiebenbrunner 100-Meter-Hürdensprinterin war 2020 DIE Aufsteigerin im schwarz-weißen Dress des ULC Weinland.

Dabei kam die Weinviertlerin erst relativ spät zur Leichtathletik, begann ihre Karriere bei diversen Volksläufen, wo auch Zwillingsschwester Anna teilnahm, ebenfalls ein Talent, aber mit viel Verletzungspech versehen. Dort wurde sie auch von ihrer aktuellen Trainerin Ingrid Grießel entdeckt, die Spazirer die anspruchsvolle Disziplin schmackhaft machte. Wobei laut Grießel die 400-Meter-Hürden noch besser zu Spazirer passen würden. Doch da winkt der Shooting-Star ab: „Die sind mir zu lange, das ist echt brutal. Nix für mich (lacht).“