„Volfi“: Vom Kicker zum Rapper. Hohenaus Dominik Volf (21) schnupperte an der 2. Liga. Heute begeistert er Hunderttausende mit seiner Musik.

Von David Aichinger. Erstellt am 17. Februar 2021 (01:54)
Seine Songs sind gefragt: Dominik Volf alias „Volfi“.
privat

Hohenau-Trainer Sedat Sahin staunte nicht schlecht, als er im Frühjahr 2019 – nach einem seiner ersten Trainings beim neuen Verein – aus der Kabine des ASV kam. „Auf einmal“, erzählt der 48-Jährige schmunzelnd, „stehen da 20 Jugendliche und warten.“ Freilich nicht auf den Trainer, sondern auf einen seiner Schützlinge: Dominik Volf. Der damals 19-Jährige ließ sich nicht lange bitten, schrieb Autogramme, posierte für Fotos. Und Sahin? Der verfolgte das für eine Gebietsliga doch eher unübliche Szenario mit ein paar Fragezeichen in seinem Kopf. Was wussten diese Jugendlichen über Volf, was Sahin noch nicht wusste?

Die Mitspieler klärten das Rätsel schnell auf, und auch ein paar Mausklicks auf diversen Internetplattformen hätten Sahin rasch weitergeholfen: Der gebürtige Bad Pirawarther, der auch mehrere Jahre in Hausbrunn lebte, ist „Volfi“, ein junger Rapper, dessen Songs auf diversen Streaming-Plattformen hunderttausende Hörer begeistern. Erkannt zu werden, von kleinen Kindern bis zu Mitgliedern der älteren Generation, ist für Volf demnach nichts Neues mehr. „Zwei- bis dreimal pro Monat passiert mir das“, erzählt der Musiker, der sich noch gut an „das erste Mal“ erinnert: „Das war in Leopoldau am Bahnhof. Ich hab gehört, wie drei, vier Jungs über mich flüstern. Ich dachte, sie reden schlecht über mich, aber dann haben sie mich angesprochen und gesagt ‚Du bist ja Volfi, du machst gute Musik‘. Das war schon ein geiles Gefühl.“

„Auf einmal stehen da nach dem Training 20 Jugendliche und warten, dass der Volf rauskommt.“ Hohenau-Trainer Sedat Sahin war ob der Autogrammjäger am Sportplatz verwundert

Doch wie kam es, dass aus Volf „Volfi“ wurde? Immerhin galt der heute 21-Jährige auch im Fußball als großes Talent. 2013 vom ersten Verein, dem SV Bad Pirawarth, nach Horn gewechselt, debütierte der Flügelspieler schon mit 15 im zweiten Team in der Gebietsliga, wo er schnell zur Stammkraft wurde. Zwei Tage nach dem 18. Geburtstag war es auch Zeit für den ersten von insgesamt sieben Regionalliga-Einsätzen, nach dem Aufstieg in die 2. Liga durfte Volf auch dort immerhin einmal ran. Der damalige Horn-Trainer Carsten Jancker schickte ihn im September 2018 für die letzten elf Minuten des Heimspiels gegen die OÖ Juniors aufs Feld. Es war der letzte Auftritt für Horns Profiteam, im darauffolgenden Winter wurde Volf Hohenauer.

Der „Abstieg“ als Fußballer und der Aufstieg als Rapper – ein Zusammenspiel, das Volf nicht kausal miteinander verbindet. Und doch sind Zusammenhänge erkennbar. Seine ersten Textzeilen verfasste der damalige Youngster etwa in einer schlechten Phase während der Regionalliga-Zeit. Nach mehreren Einsätzen strich ihn Jancker plötzlich fünfmal in Folge komplett aus dem Kader. Das Bundesheer und eine Verletzung sorgten für zusätzliche Belastung, Volf flüchtete sich ins Schreiben: „Nur über Fußball, dass das mein Traum ist – einfach so Fantasielieder. Am Anfang nur für mich, das habe ich keinem gezeigt.“ Als er doch den ersten Freunden von seinen Texten erzählte, ermutigten sie ihn, damit an die Öffentlichkeit zu gehen: „Dann habe ich ein paar Videos auf Instagram hochgeladen. Dort ist es als Erstes durch die Decke gegangen.“

Mittlerweile werden die Lieder, in welchen der Weinviertler emotional und ausschließlich über sein eigenes Leben rappt, so oft geklickt, gestreamt und heruntergeladen, dass Volf Geld damit verdient – in den letzten Monaten stets über 1.000 Euro. Gemeinsam mit einem Produzenten und einem Kameramann arbeitet er hart daran, dass sich dieser Betrag weiter erhöht und er irgendwann von der Musik leben kann. Dafür will der 21-Jährige auch einen Standortwechsel in Kauf nehmen: „Ziel ist auf jeden Fall, dass ich vielleicht noch Ende dieses Jahres nach Deutschland ziehe und dort weitermache. Dort hat man einfach viel mehr Reichweite und Chancen.“

Auch als Kicker will Volf nochmal angreifen

Bevor es so weit ist, will das Multitalent aber noch einmal bei einer anderen Liebe angreifen: dem Fußball. Wegen der Musik habe er diese nicht vernachlässigt, betont Volf noch einmal: „In Horn war es wirklich so, dass mir einfach die Lust am Fußball genommen wurde. Ich bin dort mit fünf anderen in meinem Alter bei den Profis auf der Bank gesessen. Mit der Zeit haben wir gemerkt, dass wir vom Gehalt her eher ausgenutzt werden und man uns einfach viel, viel weniger bezahlt als den anderen. Das fanden wir unfair. Ich habe die Lust verloren und mir gesagt, auch weil meine Mama zu dem Zeitpunkt krank war, dass ich nach Hause will.“

Hohenau war das Auffangbecken, Obmann Roman Hallas hatte sich schon zuvor um Volf bemüht. Doch es folgten neue Verletzungen, vergangenes Jahr starb dann auch noch der beste Freund. Die Folge: Gerade einmal fünf Gebietsliga-Minuten stehen im Herbst zu Buche. „Mir ist es psychisch nicht mehr so gut gegangen“, gesteht Volf, der aber viel Unterstützung erfuhr, als er dem ASV von seinen Überlegungen erzählte, komplett mit Fußball aufzuhören: „Da haben sie wirklich Herz bewiesen, haben gesagt, dass sie hinter mir stehen, dass ich Talent habe. Jetzt habe ich auch zu mir selbst gesagt, dass ich wieder Gas geben werde im Fußball und mich nicht mehr beeinflussen lasse.“

Worte, die auch seinen Trainer Sedat Sahin freuen: „Im Herbst war er ein bisschen unten. Wir hoffen, dass wir ihm da wieder helfen können und er sich ein bisschen an den Fußball klammert, weil es doch eine gute Gemeinschaft ist.“