Marlene Pribitzer nimmt EM ins Visier

Nach ihrer Hüft-OP feierte die Matzenerin Marlene Pribitzer (23) im Sommer ihr Comeback und hat konkrete Pläne für 2022.

Peter Sonnenberg
Peter Sonnenberg Erstellt am 22. September 2021 | 02:55
Marlene Pribitzer
Foto: privat

Anfang des Jahres, genauer gesagt im Februar, wurde die Matzener Top-Schützin Marlene Pribitzer an der Hüfte operiert. Notwendig war diese Operation aufgrund anhaltender Hüftprobleme, welche die 23-Jährige schon seit Längerem quälten. Jetzt feierte das Luftgewehr-Ass im Sommer ein Comeback und ist topmotiviert für die nächsten Monate und Jahre – vor allem in Hinblick auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris.

NÖN: Nach so einem Eingriff muss man mit knapp einem halben Jahr Pause rechnen. Wann haben Sie beschlossen, dass Sie fit genug für eine Rückkehr sind?

Marlene Pribitzer: Eigentlich bin ich mehr von meinem Trainer bei einem Wettkampf in der Schweiz ins kalte Wasser geschmissen worden. Unser Motto war „Probieren wir es einfach aus“ – und ich bin froh, dass wir es gemacht haben, denn ich habe gesehen, was schon gut klappt und wo noch Aufholbedarf ist. Grundsätzlich weiß ich jetzt, dass es wieder möglich ist, an die Weltspitze zu kommen.

Wie hart war die Zeit nach der OP? Haben Sie an Ihrer Rückkehr gezweifelt?

Pribitzer: Zweifel hatte ich nie, aber eine harte Zeit war es trotzdem. Weil zunächst gab es zwar schnell Fortschritte, aber dann ist ewig nichts weitergegangen. Ich habe lernen müssen, dass der Körper das Tempo vorgibt. Ich war immer eher ein ungeduldiger Mensch und bin jetzt viel gelassener geworden.

Dafür haben Sie den Zusammenhalt im Olympiazentrum Vorarlberg gespürt?

Pribitzer: Ja, denn als ich noch mit den Krücken unterwegs und deshalb nicht mobil war, hat mich jeden Tag ein anderer Sportler abgeholt und wieder heimgeführt. Also ich hatte immer private Taxis (lacht).

Nach der Schweiz ging es zurück in die Heimat zu den Staatsmeisterschaften nach Innsbruck, wo Sie ein fulminantes Comeback feierten ...

Pribitzer: Fulminant, weil ich mit meinen Leistungen zufrieden war, wenngleich die Platzierungen im Vergleich zu den Vorjahren natürlich nicht so gut waren (Anm.: zwei sechste Plätze als Highlights). Aber das wäre ja auch ein Armutszeugnis für die anderen, topfitten Schützinnen gewesen.

Stichwort Fitness: Wie geht es Ihnen mit der Hüfte mittlerweile? Haben Sie noch Schmerzen oder Einschränkungen?

Pribitzer: Wenn ich die Belastung zu hoch anlege oder es übertreibe, dann meldet sich die Hüfte verlässlich (lacht). Aber nicht beim Wettkampf oder Training, sondern am Abend oder tags darauf. Aber generell geht es mir viel, viel besser als vor der OP, wenngleich mir die Ärzte nicht versichern können, dass es jemals wieder ganz perfekt wird.

Wie beugen Sie neuerlichen Hüftproblemen vor?

Pribitzer: Ich habe zweimal die Woche Physiotherapie und zudem Massagen. Und ich muss Ausgleichssportarten machen, habe das Radfahren für mich entdeckt oder das Schwimmen und Wandern. Vor allem bergauf ist es ideal, und da habe rund um den Olympiastützpunkt perfekte Bedingungen.

Gibt es heuer noch Wettkämpfe beziehungsweise wo liegt der Fokus für das Jahr 2022?

Pribitzer: Jetzt ab Oktober schieße ich noch in der 1. Österreichischen und 2. Deutschen Bundesliga. Dann geht es ab Jänner mit der Qualifikation für die Europameisterschaft in Norwegen los. Und mein geheimes Ziel ist der Start bei mindestens einem Weltcup. Da diese wahrscheinlich später zur Olympiaqualifikation herangezogen werden, wäre das enorm wichtig.

Wie sehr ist Ihnen eigentlich das Wettkampffeeling abgegangen?

Pribitzer: Sehr, denn Training und Wettkampf kannst du einfach nicht miteinander vergleichen. Und Zuschauer fehlen mir auch, wenngleich diese bei uns nicht immer Norm sind. Einzig bei den Olympischen Spielen haben wir immer volle Ränge.

Stichwort Olympia: Haben Sie die Bewerbe verfolgt und wie lautet ihr Urteil?

Pribitzer: Das Niveau war gewaltig, enorm hoch. Da hätte ich mich schön ranhalten müssen. Was mich freut, ist, dass in den Finals immer ein guter Mix zwischen älteren, routinierten und jungen Schützen war.

Ist es ein Vorteil, älter oder jünger zu sein? Oder weder noch?

Pribitzer: Das Alter ist bei uns Schützen kein limitierender Faktor, man sagt, dass zwischen 27 und 35 Jahren der Leistungshöhepunkt erreicht wird. Also da habe ich noch Zeit, viel Zeit (lacht).