Karriereende war Thema für Gerald Melzer. Gerald Melzer (29) will nach langer Verletzungspause noch einmal angreifen.

Von Peter Sonnenberg. Update am 19. Februar 2020 (01:49)
Kann endlich wieder zum Schläger greifen! Der Deutsch-Wagramer Gerald Melzer scheint nach langer Leidenszeit endlich wieder auf dem Weg zu hundertprozentiger Gesundheit und Fitness.
APA/Pfarrhofer

Während sein älterer Bruder Jürgen auf der ATP-Tour weiter als Doppelspezialist im Einsatz ist und auch für das österreichische Daviscup-Team für den Länderkampf gegen Uruguay nominiert wurde, ist es um Gerald Melzer in den letzten Monaten ruhig geworden. Das liegt an einem wahren Martyrium, das hinter dem 29-Jährigen liegt. Doch jetzt sieht der Deutsch-Wagramer Licht am Ende des Tunnels. Aber alles der Reihe nach:

Vor einem guten Jahr riss sich Melzer die Bänder im Knöchel und musste danach im Mai operiert werden. Im Spätsommer 2019 wollte er dann wieder angreifen, hatte aber weiterhin Probleme mit der Verletzung. So legte er sich im Spätherbst, genauer gesagt Ende Oktober, erneut unters Messer, nur um danach weiter an Knöchelbeschwerden zu laborieren. „Ich bin von einem Arzt zum nächsten gerannt und jeder hat mir versprochen, dass es jetzt besser wird. Im Endeffekt ging es aber nicht besser. Ich war echt am Verzweifeln, und ja, natürlich habe ich da an ein Karriereende gedacht“, fand Melzer im NÖN-Gespräch offene und ehrliche Worte. Was ihm genau fehlte, kann er bis heute nicht sagen, „sonst hätten wir es ja behandeln können.“

In Bayern fand er seinen „Wunderheiler“

Seinen Rettungsanker fand er schließlich am Chiemsee bei Sportmediziner Harald Gumbiller. „Schon die erste Behandlung war ein A-ha-Effekt. Jetzt habe ich über ein halbes Dutzend Sitzungen hinter mit und es ist merklich besser geworden“, atmet Melzer erleichtert auf. Das bedeutet, dass der Marchfelder auch schon wieder am Platz steht und hart für sein Comeback schuftet. Denn die Lust aufs Tennisspielen und auf eine Fortsetzung der erfolgreichen Karriere, die ihn bis auf Rang 68 der Weltrangliste geführt hat, besteht weiterhin, auch wenn der Weg zurück in ähnliche Gefilde ein unglaublich harter wird.

„Im Optimalfall, und nur wenn ich schmerzfrei bin und alles rennt, wie ich es mir vorstelle, könnte ich in acht Wochen wieder in das Turniergeschehen eingreifen“, gibt Melzer die Marschrichtung vor. Dabei würde er mit Futures anfangen und sich über Challengers weiter vorarbeiten, ehe überhaupt an ATP-Turniere zu denken ist. Der Hintergrund ist klar: Zwar ist Melzer aufgrund seines „Protected Rankings“ noch immer die Nummer 268 der Welt, aber wenn er bei seiner Rückkehr nicht Punkte sammelt, wird er ordentlich nach unten durchgereicht, „weshalb es absolut keinen Sinn macht, in der Qualifikation für ATP-Turniere zu starten. Was ich jetzt brauche, sind Punkte, Punkte und nochmals Punkte.“

Berufliche Zukunft als Trainer ist möglich

Um der langen Verletzungspause wenigstens etwas Positives abzugewinnen, kümmerte sich Melzer in den letzten zwölf Monaten um seine Zukunft nach dem Leben als Profisportler. So machte er beim ÖTV die Trainerausbildung zum Tennislehrer für Hochleistungssportler. Ob er das auch als einen Plan B sieht, wenn es nicht mehr mit der Rückkehr an die Weltspitze klappt? „Natürlich, wenn ich mich wo auskenne, dann im Tennis. Gut, im Fischen auch noch, aber das ist nicht so lukrativ (lacht).“