Die Rodler vom Moaberg. Einziger Rodelverein nördlich der Donau hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Über die Anfangszeit, den größten WSV-Export, die Gegenwart und die Zukunft.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 01. November 2017 (02:00)
Archiv/Sobe
Kathrin Mladek fuhr jahrelang für das Nationalteam im Weltcup, beendete 2014 ihre Karriere.

Gerodelt wird in Reichenau am „Moaberg“ schon seit ewigen Zeiten. „Früher war der Auslauf unserer Bahn auf der Landesstraße. Autos sind ja damals kaum gefahren“, erinnert sich Franz Kitzler zurück. „Ein Gendarm hat uns das dann aber trotzdem verboten.“ Also wurde eine neue Strecke gesucht.

Ende der 1960er-Jahre wurde aus dieser Begeisterung die Idee geboren, einen Rodelverein zu gründen – und 1967 schließlich in die Tat umgesetzt. Gleich im ersten Jahr veranstaltete der WSV Reichenau das erste Volksrodelrennen. Gründungsobmann Franz Kitzler leitete den Verein 31 Jahre lang, ist heute Ehrenobmann ist. Beim WSV-Dämmerschoppen am 25. Oktober plauderte er anlässlich der Jubiläumsfeier aus dem Nähkästchen.

„Wir haben uns im Straßengraben über die Mitgliedschaft im Landesverband unterhalten.“ Gründungsobmann Franz Kitzler über die Anfangszeit

Wie man etwa per Zufall Teil des Landesverbands wurde – weil zwei Herren, die dort engagiert waren, im Winter 1970 einen Unfall in Brennerhof hatten. „Beim Warten auf Hilfe sind wir im Straßengraben ins Reden gekommen“, schmunzelt Kitzler. Ein Rennrodelschaulauf mit Sportlern vom Semmering und Prein an der Rax folgte – und eine Gegeneinladung. Plötzlich war der WSV Reichenau, der einzige Rodelverein nördlich der Donau, in aller Munde.

Oder wie der ganze Ort bei den vielen Rennen, die fortan in Reichenau ausgetragen wurden, zusammenhalf. „Dafür muss ich mich heute noch bedanken“, sagt Kitzler.

Heute liegt Schwerpunkt am Breitensport

Die erste Landesmeisterschaft wurde schon 1971 ausgetragen, 1983 folgte eine Staatsmeisterschaft. Größtes Highlight war der Internationale Große Preis von Österreich, bei dem 1992 sechs Nationen den Moaberg hinunterrodelten. Letztes großes Rennen war 1998 die Österreichische Schüler-, Jugend- und Juniorenmeisterschaft. Damals zeigten Bernhard Kapeller, Sandra Mayerhofer und Kathrin Mladek auf. 

Letztere sollte der beste Sportler der Vereinsgeschichte werden, schaffte es als einzige Reichenauerin ins Nationalteam, war jahrelang im Weltcup aktiv, startete bei Welt- und Europameisterschaften. „Für ihre Karriere musste sie zwar nach Innsbruck ziehen, aber der Grundstein für ihre Karriere wurde hier in Reichenau gelegt“, hob Bürgermeister Klaus Tannhäuser in seiner Festansprache hervor. 2014 beendete Mladek nach acht Jahren im internationalen Rennrodel-Zirkus ihre Karriere.

Maximilian Köpf
Bei der Jubiläumsfeier im Feststadel: Andreas Artner, Martin Laister, Martin Prinz, Bernhard Kapeller, Alfred Mladek, Wirtin Helga Bauer, die die Vereinsgeschichte in Gedichtform verpackte und vortrug, WSV-Ehrenobmann Franz Kitzler, WSV-Obmann Michael Laister, Gebhard Sitz, Sebastian Kapeller und Bürgermeister Klaus Tannhäuser (von links).

Da war die Zeit der großen Rennen in Reichenau schon vorbei. „Die Sicherheitsauflagen sind höher geworden, die Bahn nicht mehr zeitgemäß“, erklärt Tannhäuser. „Selbst wenn wir die Bahn modernisieren, müsste sie für Rennen so präpariert werden, dass es für die Volksrodler zu gefährlich wäre.“

Denn genau dort liegt heute der Schwerpunkt: im Breitensport. Die Volksrodel- und Ziachschlittenrennen, schon seit der Gründung seit Fixbestandteil, rückten weiter in den Mittelpunkt. „Die Förderung des Rodelsports und des gesellschaftlichen Lebens sind uns ein Anliegen“, sagt Obmann Michael Laister, der seit 2014 dem 170 Mitglieder zählenden WSV vorsteht. „Danke an alle, die uns dabei unterstützen.“