Wenn die Ultraläufe ganz kurz werden

Der Eggerner Martin Raidl (39) schaffte heuer nach einem Jahr Coronapause wieder eine nennenswerte Ultralauf-Saison. Wie er sich auf die langen Distanzen vorbereitet und sie bewältigt.

Erstellt am 28. Oktober 2021 | 02:10
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Über den Dächern von Salzburg. Martin Raidl bei seinem heurigen Saison-Highlight, dem Mozart100.
Foto: privat

Das Event vor der Haustür in Großglobnitz lockte Martin Raidl noch einmal auf die Wettbewerbsbühne. Nach einer sehr schwierigen Phase für den Ultrasport – 2020 fielen alle Bewerbe aus – konnte der passionierte Ultraläufer aus Eggern heuer wieder ausgiebig seiner Leidenschaft frönen, nahm neben „Fittes Waldviertel“ am „Burgenland extreme“ teil, am Spartan Race in St. Pölten und am Mozart 100 in Salzburg. Also wieder mehr in der Nähe einer normalen Wettkampfsaison. Und doch anders als sonst.

„Es ist nicht einfach, ein sportliches Ziel zu finden, wenn du nicht weißt, ob ein Wettkampf zum geplanten Zeitpunkt stattfindet“, erklärt der 39-Jährige, der den Totalausfall im Vorjahr und auch noch das heurige Jahr dafür nutzte, die Ausbildung zum diplomierten Gesundheits- und Fitnesstrainer sowie Mentaltrainer zu machen. „Das war die nächste Herausforderung bei der Trainingsplanung.“

Ja, Martin, es ist anstrengend, du bist müde und hinsetzen und aufhören wäre eine schmackhafte Option, aber versuch doch von hier bis zu dem Baum da vorne zu laufen, der ist doch sehr nah.“ Martin Raidl im Gespräch mit sich selbst

Spannend wurde es gleich beim Saisonauftakt. War das „Burgenland extreme“ im Vorjahr als Jänner-Event von der Corona-Pandemie noch nicht betroffen, so wurde es heuer gleich dreimal verschoben – von Jänner auf März, dann auf Juni und schließlich Juli. „Das verändert auch die Herangehensweise an die 60 Kilometer – wenn ich im Hochsommer statt im Winter starte“, sagt Raidl. Vor allem die mentale Ebene sei da wichtig.

„Außerdem hilft es, die lange Distanz aufzuteilen – sechsmal 10km zum Beispiel. 10km laufe ich im Training sehr oft, das kann ich mir leicht vorstellen“, schildert er. Je schwieriger das Vorankommen, desto kleiner werden die Abschnitte. Hilfe bringt ihm auch Dialog mit sich selbst. „Ja, Martin, es ist anstrengend, du bist müde und eigentlich wäre hinsetzen und aufhören eine schmackhafte Option, aber versuch doch mal von hier bis zu dem Baum da vorne zu laufen. Der ist eigentlich sehr nah…“, gibt er ein Beispiel und lacht: „Während ich so liebevoll mit mir rede bin ich schon fast beim Baum.“

So ging die halbe Umrundung des Neusiedler Sees heuer gut vonstatten, wenn auch etwas langsamer als bei früheren Teilnahmen im Winter.

Fast ein Snack zwischendurch war im Vergleich zu den anderen Rennen das Spartan Race in St. Pölten, bei dem 20 Hindernisse auf 10km bewältigt werden müssen. „Ich war mit meinen Brüdern dabei, wusste nicht so recht, was mich erwartet“, erzählt Raidl. „Es war dann sehr lustig, ein cooles, forderndes Format. Da brauchst du auch als Ausdauerläufer Kraft- und Stabilitätstraining. Aber ich hätte es deutlich schneller angehen können.“

Stärker auf seine Hilfsmethoden zurückgreifen musste Raidl eine Woche später beim Mozart100 in Salzburg, seinem Saison-Highlight. Den Trail-Run über die Marathon-Distanz und 2.000 Höhenmeter hatte er schon im Vorjahr am Plan stehen, heuer konnte er den Lauf von St. Wolfgang am Wolfgangsee bis zum Kapitelplatz in Salzburg in Angriff nehmen. „Aufgrund meiner Unerfahrenheit ging ich sehr demütig an den Start, freute mich auf fünf bis sechs Stunden laufen durch eine herrliche Landschaft mit Gleichgesinnten.“ Raidl kam ohne Tief durch, finishte nach 5:11std als 19. Mann.

Als Draufgabe war Raidl Anfang Oktober bei „Fittes Waldviertel“ am Start, bewältigte die 60km-Laufstrecke. „Ich bin wirklich dankbar, dass es hier im Waldviertel jetzt eine Ultra-Veranstaltung gibt. Ich hoffe, das bleibt noch länger so“, sagt Raidl, der dafür auch seine Regenerationsphase etwas hinauszögerte.

Für seine Leidenschaft. „Es ist toll, dass durch diverse Vorkehrungen Veranstaltungen wieder möglich sind. Etwas zu tun, das man gerne macht, wo Emotion und Leidenschaft lodern, indem man sich Ziel setzt und dieses mit einem guten Plan verfolgt und im Optimalfall auch erreicht – da hat die Gesundheit einfach Vorrang.“