Fabians nächster Schritt. Der Dietmannser Rohdiamant Fabian Fritz (15) wechselt ein Jahr nach dem schulischen Gang in die Südstadt auch sportlich. Er dockt bei Bundesligist Wiener Neudorf an.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 30. August 2017 (02:20)
„Der TTC Großdietmanns ist wie eine Familie für mich. Der Abschied fällt mir schon schwer“, sagt Fabian Fritz im NÖN-Gespräch. Am Samstag feierte er mit seiner richtigen Familie und der TTC-Familie eine Abschiedsparty.
Maximilian Köpf

„Wir geben nicht oft Spieler her, aber wenn, dann richtig“, schmunzelt Martin Fegerl vom TTC Großdietmanns. Vor 13 Jahren zog sein jüngerer Bruder Stefan aus, um von Dietmanns aus die Tischtennis-Welt zu erobern. Nun verlässt mit Fabian Fritz wieder ein Spieler, der zu höherem berufen wurde, den Verein.

Der 15-Jährige, der seit dem Vorjahr das Österreichische Leistungssportzentrum in der Südstadt besucht, wechselt nun auch sportlich in die Nähe Wiens. Er dockt beim Bundesliga-Klub Wiener Neudorf an. Er wird dort vorerst für das mit Youngstern bestückte Dreierteam in der Donic-Liga spielen, vereinzelt auch in der 2. Bundesliga. In naher Zukunft möchte er den Sprung in die 1. Bundesliga schaffen.

„Vorher dachte ich, das Training in der Südstadt genügt. Jetzt weiß ich, ich muss viel mehr tun.“ Fabian Fritz (15) durchlief bei der U15-EM einen mentalen Reifeprozess

Den Entschluss, zu wechseln, fasste Fabian bei der U15-Europameisterschaft in Portugal, wo er vor einigen Wochen unter die Top 96 kam. „Vom Können waren die Top 30 möglich, aber mich hat die Kraft verlassen. Ich konnte das Turnier nicht konstant durchspielen“, sagt er. „Ich muss mehr trainieren.“

Gesagt, getan: Während der Sommerferien hatte er nur zehn Tage frei, den Rest verbrachte er bei Trainingskursen und Turnieren. Wenn die Schule losgeht, trainiert er von Montag bis Freitag täglich. Samstags steht die Meisterschaft auf dem Programm. „Zusätzlich möchte ich noch in die Kraftkammer oder laufen gehen“, so der Youngster.

Tischtennis wichtig, aber Schule geht vor

Stefan Fegerl verpasste im zweiten Jahr in der Südstadt wegen Turniereinsätzen fast 90 Prozent des Unterrichts. So extrem will es Fabian nicht angehen. „Es gibt spezielle Lernpakete, wenn du fehlst, aber irgendwann kommst du da auch nicht mehr hinterher“, sagt er. „Es ist mein erstes Jahr in der U18. Da muss ich nicht so viele Turniere spielen, kann mich aufs Training konzentrieren.“ Und eben auf die Schule. „Ich will die Matura machen. Falls es mit dem Tischtennis nix wird…“

Dass es mit Fabians Karriere „etwas wird“, davon ist man beim TTC überzeugt. „Man darf nicht den Fehler machen, ihn mit Stefan zu vergleichen. Das war ein Ausnahmetalent. Aber Fabian wird viel erreichen“, sagte Doppelpartner Johann Metal bei der Abschiedsparty am Samstag. Dort kam ein Großteil seiner Teamkollegen zusammen, um den Karrieresprung zu feiern. „Wir sind sehr stolz darauf, was aus unserem Verein rauskommt“, grinste TTC-Obmann und Teamkollege Rudolf Schwingenschlögl, der auch einst Stefan Fegerl begleitete. „Für uns wird‘s in der Landesliga zwar hart werden, weil wir keine Lebensversicherung mehr haben. Aber es war immer klar, dass wir Fabian nichts in den Weg legen.“

Fabians Eltern unterstützen ihn, wo es nur geht. Papa Jochen spulte zu Turnieren und Trainings jährlich gut 10.000km mit dem Privat-Pkw ab. „Wir haben schon lange überlegt, weil es ja eine große Umstellung ist. Unter anderem wird er nicht mehr so viel daheim sein“, sagt er. „Es ist ein lachendes und ein weinendes Auge dabei.“ Im Grunde sei es aber ein logischer Schritt. „Fabian wollte mehr spielen, also ist er vom Gym in die Südstadt gewechselt, wo Schule und Sport aufeinander abgestimmt sind.“ Jetzt will er mehr trainieren. Dazu sei der Wechsel nötig. Bisher ließ Fabian das Freitagstraining in der Südstadt aus, um heimzufahren. Er trainierte dann in Dietmanns. „In Wiener Neudorf hat er denselben Trainer wie in der Südstadt und die Wege sind kurz. Wir wollen das alles so einfach wie möglich für Fabian gestalten. Wir sind dem TTC sehr dankbar, dass das alles so reibungslos geklappt hat.“