Jubiläum der Traktoren in Reingers. Zum 15. Mal steigt Ende August in Reingers die Oldtimertraktoren-Langstrecken-WM. Wie aus einem Spaßbewerb eines der größten Motorsportevents des Landes wurde.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 01. August 2018 (02:48)
Maximilian Köpf
Sie rollen wieder an. Von 24. bis 26. August steigt in Reingers die 15. Internationale Oldtimertraktoren-Langstrecken-WM.

Reingers ist nicht mehr nur das Hanfdorf, sondern seit vielen Jahren auch das Traktorendorf. Seit 2004 pilgern nicht nur Motorsportler und Zuschauer in den Hohen Norden, um das 24-Stunden-Rennen der Traktoren zu erleben. Was vor 15 Jahren als kleines Rennen mit 25 Teams und 500 Zuschauern zum Spaß ins Leben gerufen wurde, daraus ist heute eine der größten Motorsport-Veranstaltungen des Landes geworden.

F.: Freitag
Reinhard Fürnsinn ist Fahrer der ersten Stunde und seit vier Jahren Obmann des TOC Reingers.

„Der Anfang war ziemlich brutal“, erinnert sich Reinhard Fürnsinn, Fahrer der ersten Stunde und seit vier Jahren als Obmann des Veranstalterklubs Traktoren-Oldtimer-Club (TOC) Reingers. „Man ist noch ohne Sturzbügel gefahren. Im ersten Jahr bin ich mit einem anderen Fahrer, jeder auf seinem Traktor, Hand in Hand über die Ziellinie gefahren. Oder habe einen liegengebliebenen Fahrer auf meinem Traktor mit ins Fahrerlager genommen, damit er sich Ersatzteile holen konnte.“ Heute undenkbar. „Alles ist viel professioneller geworden“, so Fürnsinn weiter. „Wir hatten einen alten VW-Bus ohne Motor, den wir nach Reingers geschleppt haben, in dem wir geschlafen haben. Heute ist das Fahrerlager ein großes Dorf mit Werkstätten und allem drum und dran.“

Traktorenteams kommen heute aus ganz Österreich und Deutschland, künftig will man auch nach Tschechien expandieren, so Fürnsinn. „Das Interesse besteht schon länger, etwa von einem Klub aus Pelhřimov. Aber bisher wurden die Traktoren nie fertig.“ Das soll sich ändern. „Damit würden wir auch neue Zuschauerräume erschließen.“

A1 stellt vorübergehend einen Handymast auf

Aus der Anfangszeit sind noch Herbert Scherzer mit seinem NV-Team und Teile des MKE-Teams mit dabei. Die Fürnsinn-„Familientradition“ führt Reinhards Sohn Oliver weiter – selbst seit dem ersten Rennen, damals erst 14 Jahre alt, involviert.

Die Dimensionen, die die „Internationale Oldtimertraktoren- Langstrecken-WM“ angenommen hat, sind gigantisch. An drei Tagen kommen über 20.000 Besucher und 92 Teams (Tendenz steigend) in das 194-Seelen-Dorf an der Grenze. Über 350 ehrenamtliche Helfer, neun Feuerwehren (Reingers und alle umliegenden) sind an den Wochen rund um das Traktorenrennen auf den Beinen.

Die Wirtschaft reibt sich die Hände. Am letzten August-Wochenende gibt‘s im Norden des Bezirks (bis Dobersberg), kaum freie Zimmer. „Wir müssen selbst dahinter sein, um für unsere Helfer noch Quartiere in der Nähe zu bekommen“, erzählt Fürnsinn. Dazu kommt die Verköstigung der Menschenmassen, worum sich die Feuerwehren kümmern.

Zwei Wochen vor dem Rennen beginnt der Aufbau – Fahrerlager mit Boxenmauern, Containern und Übergang. Nach und nach entsteht am Rande von Reingers das weitläufige Renngelände.

„Wir hatten einen alten VW-Bus ohne Motor, in dem wir geschlafen haben. Heute ist das Fahrerlager ein Dorf mit allem drum und dran.“ Reinhard Fürnsinn über die Professionalisierung

Trotz des etwas unbedarften Beginns: Zwischenfälle sind beim Rennen um das Goldene Hanfblatt eine Seltenheit. Ein großer Verdienst der Organisatoren, die laufend in die Sicherheit investieren, das Reglement nachschärfen, den Rennablauf professionalisieren.

So verwundert es nicht, dass zum Jubiläum von 24. bis 26. August neuerlich stark in das Rennen investiert wird. Heuer wird es erstmals eine GPS- Zeitnehmung geben. Um dies in Reingers möglich zu machen, stellt A1 vorübergehend einen Handymast am Renngelände auf.

Die Streckenposten kommen erstmals vom Salzburger Verein ISSC Austria. „Absolute Profis“, betont Fürnsinn. „Sie betreuen über 40 Rennen pro Jahr, sind top ausgestattet.“ Auch die technische Abnahme wird noch strenger, um maximale Sicherheit zu gewährleisten.

Gut – und ein bisschen geklotzt wird dann doch auch: mit einem Jubiläumsfeuerwerk.