Auf Baseballs Spuren quer durch die USA

Erstellt am 23. November 2022 | 02:42
Lesezeit: 6 Min
Schremser Wolfgang Styll hat Spiele in allen 30 Stadien der Major League Baseball besucht.
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Dass einer der Baseball-Pioniere des Waldviertels in die USA reist, um den Sport in seinem Mutterland zu erleben, passt gut. Dass er 17 Jahre lang (fast) jedes Jahr in die Staaten fliegt, um Major League Baseball (MLB) zu sehen, dabei teils in großen Roadtrips alle 30 MLB-Stadien besucht, ist allerdings durchaus einzigartig. Wolfgang Styll, Mitbegründer und Vorstand der Schremser Beers, hat genau das geschafft.

Auf seinem ersten USA-Trip nach zwei Jahren Pandemie-Pause hat er die 30 vollgemacht. Die Tour führte ihn und seinen langjährigen Reisegefährten Mario Anibas diesmal an die Westküste. Von San Diego im Süden an der Grenze zu Mexiko ging es zweieinhalb Wochen großteils die Küste entlang bis nach Seattle im Norden, fast an der Grenze zu Kanada – 2.500 Kilometer, im Mietwagen. Ganz Roadtrip eben.

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Auch American Football schauen Styll und Anibas bei ihren Touren immer gerne. Neben einem NFL-Spiel der Los Angeles Rams stand diesmal zweimal College Football in Berkeley (Bild) und Los Angeles auf dem Programm.
Foto: privat

Reiseprogramm mit Spielplänen abgestimmt

Wie immer bei Stylls USA-Reisen waren die Stationen mit Spielplänen abgestimmt. Sechs MLB-Partien, dazu zweimal College Football und einmal NFL standen auf dem Programm. Höhepunkt waren die Besuche bei den Anaheim Angels und den San Diego Padres, mit denen Styll noch in den ersten Tagen der Reise seine „Ballpark-Tour“ beendete. Der Schremser hat jetzt alle 30 Stadien der MLB besucht. „Ich bin privilegiert und sehr dankbar für die Möglichkeit, diese Challenge zu komplettieren“, schrieb er am Abend nach dem Spiel in San Diego in seinen Reiseblog. Den 2004 eröffneten PETCO-Park nahm er gleich in seine Höhepunkt-Liste auf.

Wobei praktisch jedes MLB-Stadion seinen Reiz habe, sagt er: „Keines gleicht dem anderen, die Architekten können sich austoben.“ Den bei Amerikanern beliebten Pathos, erlebt man in den traditionellen Stadien, wie dem Wrigley‘s Field der Chicago Cubs oder dem Fenway Park der Boston Red Sox. „Das sind richtige Kathedralen des Baseball-Sports“, sagt Styll, dem auch die top-modernen Arenen taugen.

Oder Stadien mit Besonderheiten. Jenes der San Francisco Giants etwa, direkt an der Bay gelegen, mit eigenem Anlegeplatz für die Fähre, die er heuer erstmals nutzte. „Der Ausblick ist ein Traum, im Right Field gibt es eine Promenade“, beschreibt er. „Wenn einer einen weiten Homerun schlägt, schlägt er ins Wasser.“ Auch Baltimore, wo ein altes Warenhaus im Stadion integriert ist, hinterließ Eindruck. Oder die Ausblicke in Pittsburgh (auf die Brücken der Three-River-City) und im Dodgers Stadium (Downtown L. A.).

Was Spiele anbelangt, so erinnert er sich am liebsten an eines der New York Yankees zurück: „Das war das einzige Play-off-Spiel, das ich gesehen habe. Ein Wildcard-Game gegen die Oakland Athletics. Der Sieger ist weiter, der Verlierer weg. Das ist eine Seltenheit im Baseball, wo es sonst ja immer Serien gibt. Das war eine ganz eigene Erfahrung, die Stimmung vom ersten Pitch an top.“

Das Rundherum bei Baseball-Spielen liebt er

 „Du kannst herumlaufen. Bei den Spielen ist ein Viertel der Zuschauer meist nicht auf dem Platz, sondern irgendwo unterwegs, kauft sich was zu Essen oder ist im Fanshop.“ Auch auf den Sitzplätzen ist das Spiel nicht immer im Fokus. „Die Leute unterhalten sich über Alltägliches. Passiert beim Match etwas, dann schauen sie zu, jubeln“, sagt Styll. „Die haben eine gute Zeit, schauen auch schon einmal in der Mittagspause von der Arbeit zum Spiel.“

Die Leidenschaft für Baseball wurde bei Wolfgang Styll als Schüler im Gymnasium geweckt („Baseball hat alles, ist aber abseits der Norm.“), führte dazu, dass er 1999 mit Freunden die Schremser Beers gründete, den ersten Baseball-Verein im Waldviertel. Erstmals ging es 2005 in die Staaten. Auf Besuch zum damaligen Beers-Coach Scott Machen nach Phoenix. Es war die Zeit der Spring Trainings, der Saisonvorbereitung, bei denen die Waldviertler Mäuschen spielten. „Scotts Vater war damals Manager der Arizona Diamondbacks, hat uns empfangen, herumgeführt. Wir haben auch den Präsidenten getroffen.“

Das war der Beginn einer langen Tour – auch wenn Styll das selbst noch nicht so klar war. Das erste MLB-Match folgte im nächsten Jahr. Ein Heimspiel der Oakland Athletics. Ab jetzt ging es jedes Jahr in die USA, nicht immer in großen Roadtrips, sondern auch einmal nur für vier Tage übers Wochenende – Donnerstag per Direktflug hin, Montag heim und dazwischen vier Spiele besucht.

Eine „wilde Geschichte“ aus den ersten Jahren gemeinsam mit Martin Weiss, kommt ihm beim Gespräch wieder in den Sinn: „Wir sind am Donnerstag nach New York geflogen, haben uns am Abend die Yankees angeschaut, am Freitag die Mets. Am Samstag sind wir mit dem Zug nach Boston zu den Red Sox, am Sonntag mit dem Zug nach Philadelphia zu den Phillies. Und am Montag sind wir heimgeflogen.“

Der Wunsch, alle 30 MLB-Stadien zu erleben, war aber auch da noch nicht geweckt. „Das hat sich über Jahre herauskristallisiert, aber der Trip 2013 war der letzte Auslöser“, sagt Styll, der bis dahin zehn MLB-Stadien gesehen hatte. Bei diesem Trip (mit Anibas) kamen zehn Teams auf einen Schlag dazu. Es ging über den Zentralraum, vom mittleren Westen südwärts bis New Orleans.

Durch die Trips von Stadion zu Stadion hat Styll viel vom Land gesehen

 „Wenn ich schon in San Francisco bin, schaue ich mir die Touristen-Highlights an“, sagt Styll, der seine Erlebnisse auch in Reiseblogs niederschreibt (die aktuellen Eindrücke gibt’s unter: westcoasttrip22. wordpress.com). „Ich biege auch gerne ab und schaue mir das Land abseits dieser Hotspots an, wie es wirklich ist.“ Etwa zwei Drittel der USA habe er so schon abgeklappert.

Die Weite des Landes fasziniert ihn: „Bei uns fährst du fünf Stunden nach Vorarlberg, in den USA ist das praktisch nichts. Mit der Infrastruktur ist aber auch alles gut erreichbar.“ Die teils sechsspurigen Highways, vollgestopft mit Autos, sind aber auch eine Herausforderung.

Alleine seien solche Touren praktisch nicht zu schaffen

Deshalb dankt Styll seinen Reisebegleitern. Anfangs Beers-Kollege Martin Weiss, dreimal auch Bierbrauer Karl Trojan, und besonders Mario Anibas. „Ohne Partner sind solche Touren einfach nicht zu bewältigen“, betont Styll. „Mario ist da mein erster Ansprechpartner geworden.“

Damit brachte es Anibas auch schon auf eine beachtliche Zahl an Grounds. „Nur Boston und Philadelphia fehlen ihm noch. Die will ich mit ihm sehr gerne erleben.“ Zudem haben die Dallas Rangers mittlerweile ein neues Stadion, das Styll noch nicht gesehen hat. Über weitere Ziele gerät er ins Grübeln: „College-Football ist zu einer Leidenschaft geworden, die man intensivieren könnte. Oder zu einer anderen Jahreszeit wären die USA auch einmal interessant. Damit ergeben sich auch andere Möglichkeiten.“ Und Sportarten. Basketball oder Eishockey zählen auch zu Stylls Leidenschaften. Er lacht: „Der US-Sport wird mich sicher nicht loslassen.“