Auf den Spuren des "Hauminators" Stephan Haumer. Kein Sportler des SC Nordwald war so oft Vereinmeister wie Stephan Haumer (42) – auch so war der Weitraer sehr erfolgreich.

Von Werner Grubeck. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:42)
Tief fliegen, das liegt Stephan Haumer im Blut. Der Weitraer drückt dem Skisport im Waldviertel seit vielen Jahren seinen Stempel auf. Beim SC Nordwald ist er als Rekord-Vereinsmeister fast schon uneinholbar.
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Der gesamte Amateursport ist bekanntlich seit Monaten auf Eis gelegt, das betrifft auch die Alpin-Abteilung des Skiclub Nordwald, mit derzeit circa 450 Mitgliedern einer der größten Vereine im Waldviertel. In der heurigen Saison waren keine Rennen ausgeschrieben, die Kids können, da Einzelsport, nur im Stangenwald trainieren. „Wir sind froh, dass zumindest das Training erlaubt ist“, sagt Stephan Haumer, einer von insgesamt sieben Trainern des Clubs. Auch einer der Höhepunkte des Jahres, die Vereinsmeisterschaft ist, wie in der Vorsaison, schon abgesagt worden.

Die stärksten Vereinsmeister. Die Vereinsmeisterschaft wurde nach der Vereinsgründung im Jahr 1965 insgesamt 43-mal ausgetragen, zehnmal musste sie aus verschiedenen Gründen (meist Schneemangel) abgesagt werden. Bei den Damen ging der Titel insgesamt an 19 verschieden Läuferinnen. Karin Traxler ist mit neun Titeln die Erfolgreichste, knapp vor Melanie Haumer (Gattin von Stephan), die siebenmal ganz oben am Stockerl stand.

Stephan Haumer
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Die Leistung von Haumer ist insofern hoch einzuschätzen, da sie eine „Spätstarterin“ war. Erst als die als durchschnittlich einzustufende Skifahrerin im Jahr 1995 Stephan kennenlernte, entbrannte bei ihr auch das Rennfieber. Viermal stand sie mit ihrem Stephan gemeinsam am obersten Siegerpodest.

Bei den Herren gab es zwei Dominatoren. War es in den 1980er-Jahren mit neun Titeln Manfred Traxler, so dominierte in den letzten 20 Jahren Haumer (in Anlehnung an „Herminator“ Hermann Maier auch „Hauminator“ genannt), der mit insgesamt zehn Siegen Rekordvereinsmeister ist.

Rennen gegen Buder und Sykora. Haumer war aber nicht nur vereinsintern erfolgreich, sondern nahm an unzähligen überregionalen, in erster Linie an Rennen, die zum NÖ-Landescup zählten, teil. „Er war mit Abstand der bisher erfolgreichste Läufer im Verein, das kann man ohne Weiteres behaupten“, sagt Wolfgang Trsek, der dem SC Nordwald seit 2018 als Obmann vorsteht. Haumer war nicht nur „Mitläufer“, sondern auch erfolgreich. „Im ersten Rennen war ich zeitgleich mit Andreas Buder (von 2002-2007 im ÖSV-A-Kader und auch im Weltcup unterwegs; Anm.)“, erzählt Haumer.

Bei vielen Rennen war auch ein gewisser Thomas Sykora, der neun Slalom-Weltcupsiege, Olympia-Bronze und zweimal den Slalom-Gesamtweltcup holte, am Start. „Das Highlight meiner Karriere war 2006 der Gesamtsieg im Landescup, dazu kamen viele weitere Siege bei überregionalen Rennen“, erzählt Haumer mit Stolz.

Dem heute 42-Jährigen wurde das Skifahren durch seine skibegeisterten Eltern Franz und Eva Maria, die ihn jedes Jahr auf Skiurlaub mitnahmen, praktisch in die Wiege gelegt. „Mit zwei Jahren stand ich erstmals auf Skiern, mit sechs Jahren fuhr ich mein erstes Rennen“, erinnert sich Haumer. Wie fast jedes Kind in den damaligen Zeiten spielte Haumer auch Fußball in seiner Heimatstadt Weitra.

Kurzzeitig sogar Fußballtrainer. So richtig stressig wurde es, als er in der Kampfmannschaft des SV Weitra Fuß fasste. „Vormittags Skirennen, dann schnell heim und am Nachmittag der Wechsel von den Ski- in die Fußballschuhe.“ Mit 26 Jahren beendete Haumer die Fußballkarriere, wurde Nachwuchs- und Reservetrainer. „Sechs Spiele war ich kurzzeitig auch Interimstrainer bei Weitra. Aus Zeitgründen widme ich mich aber seit etwa 15 Jahren ausschließlich dem Skisport“, so Haumer, der 2005 die D-Trainer Ski Alpin Prüfung erfolgreich abschloss. Nun ist er gemeinsam mit Gattin Melanie Trainergespann der Töchter Julia (12) und Sophie (6) beim Skiclub.

Als Physiotherapeut die Berufung gefunden. Beruflich steht Haumer auch mit beiden Beinen im Leben. Nach der AHS-Matura schlug er die Laufbahn zum Physiotherapeuten ein, war unter anderem auch im Moorheilbad Harbach tätig, seit 2011 ist Haumer, nachdem er danach noch diverse Zusatzausbildungen abschloss, selbstständig als Physio- und Sportphysiotherapeut tätig, führt zusammen mit Melanie, die ebenfalls Physiotherapeutin ist, eine eigene Praxis in Weitra.

Das Skifahren zieht Haumer, der bis auf eine 2007 erlittene Schulterverletzung noch immer fit ist, nach wie vor in den Bann. Vor zwei Jahren gewann er ein Night Race auf der Wurzeralm (OÖ) und ist außerdem seit dem Jahr 2019 regierender Vereinsmeister. Vielleicht bekommt er ja 2022 wieder die Möglichkeit den Titel zu verteidigen. Die Gefahr, dass er als Rekordvereinsmeister einmal abgelöst werden wird, sieht Haumer nicht. „So viel Jahre Durchhaltevermögen traue ich in der heutigen Zeit keinem mehr zu.“