Ultrarad-Star Strasser startet bei Race Around NÖ. Mehrfacher Race-Across-America-Sieger Christoph Strasser will sich beim RAN 2020 das Meistertrikot bei der Ultrarad-Staatsmeisterschaft holen. Battle mit Vorjahressieger Dominik Schickmaier vorprogrammiert. Starterrekord bereits fix. Sponsoren begeistert.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 04. März 2020 (18:37)

Christoph Strasser grinst verlegen, als ihn Georg Franschitz fragt, wann er denn zum letzten Mal ein Ultrarad-Rennen nicht gewonnen habe. „Da muss ich echt überlegen. Das ist schon ein Zeitl her“, schmunzelt er schließlich in die Webcam. Das österreichische Ultraradsport-Aushängeschild gab am Dienstagabend seine Teilnahme am Race Around Niederösterreich bekannt. Ideal getimed für die Pressekonferenz am Mittwoch im Brauhotel Weitra, bei der die RAN-Organisatoren, Christian Troll und eben Franschitz, den Steirer via Skype gleich live auf die Leinwand dazuschalteten.

„Hier waren im Vorjahr schon tolle Leute dabei, heuer ist das Starterfeld wieder top. Hier fahren die besten Leute. Da wollte ich unbedingt dabei sein“, sagte Strasser, der einen Teil der Strecke im Norden durch Wald- und Weinviertel vom Race Around Austria kennt, das er dreimal Solo gewonnen hat, dazu Streckenrekorde in allen Kategorien hält - wie bei vielen anderen Ultrarad-Rennen weltweit. Auch beim härtesten, dem Race Across America, wo Strasser zum ganz Großen seines Sports wurde. Sechsmal hat er das RAAM gewonnen.

Zweikampf Strasser/Schickmair erwartet

„Dieses Rennen hat mich zehn Jahre lang durchgehend begleitet. Heuer war es einmal Zeit für ein neues Programm“, erzählte der 37-Jährige weiter. Dazu zählt neben einem geplanten 24-Stunden-Weltrekordversuch auch das RAN, dessen Erstaustragung im Vorjahr er schon via Facebook in den höchsten Tönen lobte. Dass beim in Weitra gestarteten Rennen heuer auch die Ultrarad-Staatsmeisterschaft ausgetragen wird, war ein zusätzlicher Anreiz. „Ich will mir das Meistertrikot zurückholen!“

Das hat sich im Vorjahr Dominik Schickmair geschnappt, wenige Wochen, bevor er sich überlegen den Premierensieg beim Race Around Niederösterreich holte. Trotz Freude über den Sieg, fuchste ihm 2019 die Siegerzeit - 19:10 Stunden. „Die 19-Stunden-Marke zu unterbieten, wäre möglich gewesen. Das ist für heuer mein großes Ziel“, sagte Schickmair im Brauhotel Weitra. Den Sieg zu wiederholen, ist ein weiteres Vorhaben.

Da wird aber Christoph Strasser etwas mitzureden haben. Er gilt als großer Favorit auf den Sieg. „Ich bin noch nie gegen ihn gefahren, bin schon sehr gespannt wie es wird“, sagt Schickmair, der ihn im bergigen Terrain im südlichen Teil der Strecke zusetzen will. Strasser hat den Mostviertler „stark auf der Rechnung. Das kann ein Duell auf Augenhöhe werden.“ Und schmunzelt: „Das Bergfahren werde ich noch etwas trainieren.“ Auch Dominik Meierhofer, Philipp Kaider, Manuel Dickbauer oder Edi Fuchs werden Chancen auf die Top-Plätze eingeräumt.

Über 100 Starter - Meixner nicht dabei

Während bei den Männern die Möglichkeit auf Titelverteidigung besteht, wird’s bei den Frauen definitiv ein neues Siegergesicht geben. Lokalmatadorin Alexandra Meixner, die die Premiere gewann, wird heuer nicht an den Start gehen. Dafür sind mit Bianca Bischof oder Mareile Hertel andere Top-Fahrerinnen mit dabei. „Sie werden sicher den Streckenrekord von Xandi Meixner angreifen“, schilderte Christian Troll, der überdies bereits einen neuen Starterrekord verkündete.

Über 100 Einzelfahrer sind bereits jetzt fix, davon 51 Solofahrer, 20 Zweierteams und 6 Dreierteams - von 23 bis 80 Jahren. „Und es werden wahrscheinlich noch mehr werden. Von einigen wissen wir schon“, erzählt Troll, der vom tollen Zuspruch begeistert ist. Und trotz aller Gespräche über die möglichen Sieger betonte: „Bei uns geht es nicht um Rekorde. Die Menschen sollen ein Abenteuer erleben. Nonstop-Rennen sind immer etwas ganz Besonderes. Du kannst nicht alleine gewinnen, nur im Team. Das RAN soll ein tolles Erlebnis für alle sein.“

Beeindruckend ist beim RAN schon der Start-und-Zielbereich. Der Arena-artige Rathausplatz in Weitra sorgte schon im Vorjahr für Gänsehautfeeling. Trotz des kalten und regnerischen Wetters waren die Zuschauerbereiche brechend voll. Und den Sportlern hat’s auch getaugt. „Eigentlich haben wir damit gerechnet, dass sich die Fahrer nach dem Rennen erstmal übers Wetter beschweren. Das war ja so schlecht, wie die Monate davor nicht“, schilderte Troll. „Aber nichts. Die Fahrer waren alle so auf das Rennen fokussiert, dass das Wetter in den Hintergrund gerückt ist. Das Feedback war in allen Bereichen wirklich top.“

Schickmair schildert die Highlights der Strecke

Vom Start direkt vor dem Weitraer Rathaus geht’s für die Teilnehmer am 1. Mai los - wieder Richtung Litschau in den Norden und dann entlang der Grenze zu Tschechien und der Slowakei weiter. „Am Anfang spulst du viele Kilometer im Flachen ab. Da musst du schauen, in den Rhythmus zu finden, nicht zu überpowern. Im Weinviertel ist auch der Wind immer ein Faktor“, erklärt Schickmaier. „Die Kraft brauchst du später noch.“ Denn über Bruck/Leitha und Wiener Neustadt geht’s dann in die Berge. Erst auf den Semmering. „Die Abfahrt danach ist einer der schönsten Streckenabschnitte“, so Schmickmair. „Aber sehr rutschig, wenn’s nass ist Noch dazu liegt oft Splitt.“

Über die Kalte Kuchl und den Wastl am Wald (der höchste Punkt mit etwa 1.200hm bei 470km) geht’s dann langsam wieder in flachere Gegenden und über Wieselburg zurück ins Waldviertel. „Ab Bärnkopf gibt’s unendliche Geraden, aber immer leicht bergauf. Und das zu einem Zeitpunkt im Rennen, an dem du eigentlich eh nur mehr runter willst von dem Radl“, lacht Schickmair. Die Zieleinfahrt entschädigt aber. „Du siehst Schloss Weitra schon aus 20km Entfernung, weißt, das Ziel kommt näher. Da holst du noch einmal alles aus dir heraus. Ich hatte da im Vorjahr noch Spitzenleistungen von 400 Watt“, erzählt der Vorjahressieger und schmunzelt. „Da drückst du noch einmal so richtig an und dann schaust du im Ziel auf die Zeit… Ich war überrascht.“

Gesamtes Rennen wird live übertragen

Der Streckenverlauf blieb im Vergleich zum Vorjahr unangetastet. „Dafür gab es keinen Anlass“, erklärt Streckenchef Franschitz. „Auch die Fahrer waren sehr zufrieden damit. Wir haben ja nach dem Rennen auch Fragebogen ausgeschickt, damit wir wissen, was wir besser machen können. Der Rücklauf war groß, aber sehr positiv.“ Und die Strecke passt mit 600 Kilometern und 6.000 Höhenmetern auch haargenau ins Anforderungsprofil für die Ultrarad-Staatsmeisterschaft. „Der Verband gibt hier eine Streckenlänge von 500 bis 600km vor. Damit alles in 24 Stunden zu schaffen ist“, erklärt Franschitz.

Das Rennen wird heuer auch komplett via Live-Stream im Internet auf Sportland-NÖ-TV übertragen. Zwei Kameras sind im Ziel angebracht, dazu zwei Kameras auf der Strecke unterwegs. Dazu gibt's wieder den Hotspot am Semmering, wo die Fahrer kurz stehen bleiben müssen und für kurze Interviews zur Verfügung stehen. "Das ist in dieser Form sicher einmalig in Österreich, auf so einer langen Strecke - das Feld ist teilweise auf bis zu 200km aufgeteilt - ein Sportevent über 30 Stunden lang live zu übertragen", betont Georg Franschitz.

Der Zeitplan wurde indes etwas adaptiert. Die erste Startwelle am 1. Mai ist um 16 Uhr (Fahrer, die länger als 24 Stunden brauchen), die Topfahrer starten um 18 Uhr. Danach kommen die Zweierteams (20 Uhr) und Dreierteams (21 Uhr).

In 60 Tagen fällt der Startschuss für das zweite Race Around Niederösterreich. Alles ist angerichtet für ein weiteres Fest des Ultraradsports.

Weitere Stimmen von der Pressekonferenz:

„Christian Troll und Georg Franschitz haben uns (den damaligen Bürgermeister Raimund Fuchs und Sportstadtrat Patrick Layr; Anm.) damals etwa ein Jahr vor dem ersten RAN von ihrer Idee erzählt. Wir haben sofort gemerkt, mit welcher Professionalität die beiden an die Sache herangehen. Darum waren wir auch gleich begeistert, haben unsere Unterstützung zugesagt. Das erste RAN war dann auch wirklich sensationell. Die Zuschauer waren begeistert. Die Stimmung am Rathausplatz war toll. Das RAN ist für uns auch ein bisschen ein Saisonopener. In Weitra gibt es ja sehr viel Sommertourismus. Da passt das Rennen im Mai ideal. Wenn man zurückdenkt: Vor Jahren wäre es undenkbar gewesen, ein Radrennen in so einer Dimension hier bei uns durchführen zu können.“

Patrick Layr, Bürgermeister von Weitra 

„Die Dimension, die das RAN angenommen hat, sind beeindruckend. Ich war im Vorjahr hautnah dabei, war fasziniert von der Stimmung im Zielraum. Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Ich wünsche euch, dass es heuer ein genauso tolles Erlebnis wird. Und schönes Wetter!“

Fritz Weber, Geschäftsführer von Hauptsponsor Xundheitswelt 

„Weitra hat die schönste Arena, der ideale Start- und Zielbereicht für das RAN. Ich hätte nach der tollen Premiere nicht gedacht, dass man das noch einmal toppen kann. Aber wie man sieht, geht das. Wahnsinn!“

Dietmar Stütz, Geschäftsleiter der Raiffeisenbank Oberes Waldviertel