Ist der Eisenmann ausgelutscht?. TriTeam Chaos sagte Waldviertler Eisenmann auch für heuer ab – stellte dabei generelles Aus des Bewerbs in Litschau in Raum.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 14. April 2021 (01:53)
TriTeam-Chaos-Obmann Alexander Kolar denkt mit 60 langsam ans Aufhören.
M. Köpf

„Die Lutscher können daheim bleiben!“ Mit diesem Motto lockt der Waldviertler Eisenmann seit 2005 die heimische Triathlon-Elite nach Litschau. Lutscher bezieht sich auf die unter Triathleten verpönten Windschattenfahrer beim Radsplit – einerseits bestrafen die Veranstalter Übeltäter streng, andererseits bietet die Nordregion des Bezirks Gmünd um Litschau aufgrund seiner hügeligen Beschaffenheit auch wenige Gelegenheiten, sich im Windschatten des Vordermanns zu verstecken. Auf das Motto umgelegt, könnte sich jetzt die Frage stellen: Ist der WEM ausgelutscht?

Das TriTeam Chaos, das den Triathlon einst gemeinsam mit dem Verein Pro Litschau ins Leben gerufen hat und seither veranstaltet, stellte im Zuge der neuerlichen, coronabedingten Absage des Bewerbs für 2021 via Facebook auch ein mögliches generelles Aus des anspruchsvollsten Triathlons in Österreich in den Raum. „Wir werden uns in den nächsten Monaten über eine Weiterführung des WEM beraten, und diese Entscheidung im Herbst verlautbaren“, schrieben die Organisatoren.

„Die Situation ist schwierig, aber nicht dramatisch. Ich bin aber jetzt 60 und muss auch langsam daran denken, den Eisenmann in jüngere Hände zu legen.“ WEM-Organisator Alexander Kolar zur Zukunft des Triathlons

„Es ist eine schwierige Situation, auch in finanzieller Hinsicht“, präzisiert Obmann Alexander Kolar im NÖN-Gespräch. „Es ist noch nix Dramatisches. Aber dazu kommt, dass ich voriges Jahr 60 geworden bin, auch langsam dran denken muss, den Eisenmann in jüngere Hände zu legen. Wenn sich da niemand findet, muss man sich die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, das so noch weiterzubetreiben.“ Zudem habe die Stadtgemeinde Litschau angekündigt, das TriTeam Chaos nicht mehr, in der bisherigen Größenordnung unterstützen zu können. „Es sind einfach einige Fragen offen, die zu lösen wir uns bis Herbst Zeit nehmen wollen“, erklärt Kolar. „Vor allem wollen wir auch das Team verjüngen.“

Viel Ungewissheit, kaum Ausweichmöglichkeiten

Für die Absage des WEM 2021 ist aber klar die Corona-Pandemie verantwortlich. „Wir wissen nicht, wie die Situation Mitte Juni ist, welche Bestimmungen gelten, wie es mit der Durchimpfungsrate ausschaut, wie das Coronakonzept ausschauen hätte müssen. Überhaupt wissen wir ja auch gar nicht, ob die Bezirkshauptmannschaft die Veranstaltung überhaupt bewilligt hätte“, schildert Kolar. Zuviel Ungewissheit, um an eine Durchführung zu denken. „Wir brauchen zwei bis drei Monate zur Vorbereitung, da wären wir jetzt eh schon zu spät dran.“

Auf eine bessere Pandemielage im Sommer zu hoffen und den WEM einfach nach hinten zu verschieben, ist nur schwierig möglich. Auch, weil Stadt und Herrensee dann durch diverse Kulturevents wie Schrammelklang-Festival oder Hin&Weg-Theaterfestival in Beschlag genommen werden. „Das ist toll für Litschau und die Region. Aber für uns gibt es daher kaum Ausweichmöglichkeiten“, sagt Kolar. „Zeit wäre erst wieder ab Mitte August, da musst du aber Glück haben, noch im Herrensee schwimmen zu können. Außerdem ist da die Konkurrenz-Situation sehr schwierig, weil viele Triathlons nach hinten verschoben haben.“

Hoffen auf Neustart 2022

Dass der WEM 2021 dann nicht einfach weiter auf 2022 verschoben wurde, hatte auch organisatorische Gründe. „Wir wollten einmal einen Schlussstrich ziehen. Es ist schwierig, wenn du die Starterliste immer von einem Jahr aufs andere mitnimmst“, sagt Kolar. „Wir machen jetzt einen Cut, refundieren das Startgeld. Und wenn es nächstes Jahr wieder einen Eisenmann gibt, dann melden sich die Leute neu an.“ Bei der Absage 2020 konnten Starter ihre Nennung für 2021 verschieben, was viele Athleten nutzten. Diesmal wird refundiert. Allen angemeldeten Triathleten bietet das TriTeam Chaos eine Rückerstattung von 85 Prozent des Nenngeldes an – das gilt auch für die Athleten, die ihren Startplatz von 2020 auf 2021 verschoben haben.