Der unverhoffte Ferrari. Wie sich Alexandra Meixner (46) beim Deca continuous den nächste Weltrekord krallte, warum sie dafür größere Schuhe brauchte und was das mit einem Ferrari zu tun hat.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 30. August 2017 (02:45)
swissultra/Karin Meier
Erschöpft, aber glücklich. Alexandra Meixner wurde im Ziel von ihrem Walter Wegschaider empfangen.

Wie Ferrari fahren sei ihr Plan gewesen, den Deca continuous in Buchs (Schweiz) 2017, also im RAAM-Jahr, auch noch mitzunehmen, sagt Alexandra Meixner: „Man sagt, dass man das will, glaubt aber nicht daran, dass es wirklich passieren wird.“ Es ist aber passiert. Und mit diesem Ferrari ist die Gynäkologin aus Harmanschlag auch noch gleich zum nächsten Weltrekord im Ultra-Triathlon gerast.

38km schwimmen, 1.800km radfahren und 422km schwimmen – am Stück, die Stoppuhr läuft ohne Unterbrechung weiter. Sie erledigte diese Distanz in 244:55.34std und unterbot den alten Rekord dabei um mehr als vier Stunden!

„Ich hoffe, dass nie jemand einen Double-Deca continuous veranstaltet.“ Xandi Meixner über ihre Ziele nach dem dritten Weltrekord

Und „Xandi“? Die freute sich natürlich über den Rekord, aber vielmehr über die Rückkehr in die Ultra-Family: „Das war so schön. Wir waren drei, die auch voriges Jahr den Double-Deca gemacht haben. Es sind auch viele Zuschauer wieder gekommen, die sich erinnert haben.“

Das Rennen selbst ging der 46-Jährigen gut von der Hand – zumindest zwei Drittel. Die 760 Längen im Buchser Freibad seien zwar langweilig aber gut verlaufen, am Rad profitierte sie vom RAAM-Training, stieg sogar als Gesamtführende vom Bike. Die zehn Marathons zum Abschluss wurden aber, wie sie schon wegen des Trainingsrückstandes befürchtet hatte, eine Prüfung.

„Ich habe mir das Rennen schon so eingeteilt, dass vorher Zeit gutmache, die beim Laufen nicht mehr holen muss. Aber da haben meine Betreuer ihre größten Motivationskünste unter Beweis stellen müssen“, sagt Meixner. „Muskulär war‘s kein Problem, aber die Bänder, Sehnen und Gelenke waren das lange Laufen nicht mehr gewöhnt. Durch die Dauerbelastung hat sich Wasser angesammelt und das hat dann Schmerzen verursacht. Wasser kannst du auch nicht wegmassieren.“ 300km musste sie so zurücklegen – letzlich sogar in größeren Schuhen.

Die Strecke selbst – obwohl nur 1,2km lang und 338-mal zu umrunden – habe sie sehr genossen. „Ich habe das immer in Fünferblöcke unterteilt. Nach fünf Runden mich einerseits gefreut und außerdem pausiert. Es gab Licht/Schatten-Wechsel, daher gab‘s etwas Abwechslung.“

Am Sonntag um 4:30 Uhr war es soweit. Xandi Meixner durchlief das Ziel und wurde dort mit Feuerwerk empfangen. Ihr Walter Wegschaider, der unter der Woche zurück nach Österreich musste, um Arbeiten zu gehen, empfing sie mit einem Küsschen. Und dann ging‘s bald heim. Am Abend fiel Meixner schon in ihr Bett in Breitenberg – und verschlief dort fast den ganzen Montag. „Ich habe in den letzten Stunden vom Rennen nichtgeschlafen und auch danach nicht mehr am Sonntag, war dementsprechend müde“, erzählt sie. Ab Dienstag geht‘s aber wieder in der Ordination los. Der Alltag hat Xandi wieder.

2018 trainieren – und dann nach Australien?

Die ausdauernde Gynäkologin hält jetzt drei Weltrekorde im Ultra-Triathlon – Deca, Deca continuous und Double-Deca. Was kommt jetzt? „Ich hoffe, dass nie jemand einen Double-Deca continuous veranstalten wird. Ich könnte nicht garantieren, dass ich dort nicht starten würde“, lacht sie, um im Nachsatz ernster zu werden: „Walter (ebenfalls Ultra-Triathlet; Anm.) hat mich bei meinen Projekten so toll betreut, er hätte einmal das Recht darauf, dass ich ihn bei so einem Projekt betreue.“ Sie will 2018 zurückschrauben, ein reines Trainingsjahr einlegen. Und dann? „Naja, das Race Across Australia hab ich noch nicht abgeschrieben…“