ÖKV-Athleten brennen auf Wettkampf-Rückkehr. Österreichs Sportkletterer blicken mit großer Vorfreude den ersten Wettkämpfen in der Olympia-Saison entgegen.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 08. April 2021 (13:29)
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Beim Europacup am Wochenende in Klagenfurt sowie danach beim Weltcup-Auftakt in Meiringen (SUI) am 16./17.4. werden erste, auch internationale Standortbestimmungen nach einer wegen der Coronavirus-Pandemie sehr langen Pause möglich. Für die zwei ÖOC-Starter Jakob Schubert und Jessica Pilz stehen schon jetzt die um ein Jahr verschobenen Olympischen Spiele im Fokus.

"Für Jakob und Jessica war es ein Rückschlag, dass die Spiele verschoben worden sind. Wir hoffen, dass wir heuer nach Tokio reisen können", erklärte der Sportdirektor des Österreichischen Kletterverbandes (ÖKV), Heiko Wilhelm, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Schon jetzt sehe man, dass die Bestimmungen in Tokio sehr restriktiv sein werden. "Hoffentlich wird es nicht ganz so schlimm, wie es derzeit den Anschein macht."

Der Europacup in Klagenfurt hätte eigentlich eher dem Nachwuchs vorbehalten sein sollen, doch nicht zuletzt wegen der Verschiebung einiger Weltcup-Bewerbe schon jetzt in den Herbst, gilt es Wettkampferfahrung zu sammeln.

"Wir brauchen ihn als Vorbereitungsbewerb - eine Woche später ist der Weltcup-Auftakt in Meiringen", betonte Wilhelm. Der bisher letzte Boulder-Weltcup in Vail war im Juni 2019, auch im Speed-Bewerb hat es seit Herbst 2019 keinen Weltcup mehr gegeben. In Salt Lake City soll es einige Wochen nach Meiringen auch da einen Weltcup geben.

Für die Olympische Premiere, bei der es eine Kombinationswertung aus Bouldern, Lead und Speed geben wird, sind daher alle Bewerbe gleich wichtig. Bei den Spielen 2024 in Paris wird es übrigens nur noch eine Kombination aus Bouldern und Lead geben, der Speedbewerb wird dann extra ausgetragen.

Für den dreifachen Weltmeister Jakob Schubert hat sich trotz der langen Auszeit nicht viel geändert. "Olympia ist immer noch das größte Ziel für uns, nur dass wir im Vergleich zu 2020 wenig Wettkampferfahrung haben. Umso wichtiger ist es, in einen Fluss zu kommen, auf der Bühne zu stehen und mit dem Druck umgehen zu lernen."

Der Lead- und Kombinations-Weltmeister von Innsbruck 2018 hat mit seiner Favoritenrolle kein Problem. "Ich bin eh froh, dass ich sie nicht loswerde", sagte der 30-jährige Innsbrucker bei dem Medientermin in Innsbruck schmunzelnd. Schubert will hart trainieren und hofft, bis Tokio in die Form seines Lebens zu kommen.

Jessica Pilz wird Österreich in Japan bei den Frauen vertreten. Die 24-jährige Niederösterreicherin sehnt sich nach Wettkampf-Atmosphäre. "Die Vorfreude ist sehr groß, wir haben über ein Jahr keinen Boulder-Wettkampf mehr gehabt." Olympia ist für die Lead-Weltmeisterin 2018 schon seit Anfang des Jahres wieder sehr präsent. "Weil wir alle drei Disziplinen gleichzeitig trainieren. Im Speed ist einiges weitergegangen, da freue ich mich sehr drüber. Es ist eine große Challenge, alle drei Disziplinen gut unter einen Hut zu kriegen."

Davon berichtete auch Nationaltrainer Reinhold Scherer, für den dies wegen der Covid-Bestimmungen auch logistisch schwierig war. "Es war eine Challenge bei der Trainingsplanung. Wir haben drei verschiedene Disziplinen und sechs verschiedene Trainingsbereiche." Man habe lange getüftelt, wann wer zum Beispiel vom Kraftraum in einen anderen Bereich wechselt und auch die Größe der Teams berücksichtigen müssen.

Zudem ist die Trainingsgestaltung wegen der gestiegenen Speed-Bedeutung durch Olympia schwieriger geworden. "Es ist so, wie wenn man zuerst für den 100-m-Sprint trainiert, dann für den 10-km-Lauf." Schubert erwähnte dazu, dass man durch den sehr müde machenden Speed darauf achten muss, dass das Boulder-Training nicht darunter leidet.

Neben den Olympischen Spielen steht im September ein weiterer Saisonhöhepunkt mit der WM in allen drei Disziplinen in Moskau auf dem Programm.

Sowohl Schubert als auch Pilz wollen sich übrigens gerne einer Impfung gegen Covid-19 unterziehen. "Wir sind beide bereit, uns impfen zu lassen. Ich hoffe, dass es bald über die Bühne geht", so Schubert. Speziell vorbereiten auf die zu erwartende hohe Luftfeuchtigkeit und Temperatur in Tokio könne man sich nicht, allerdings wisse man, dass die Boulder-Wand in Tokio sehr flach sein wird. Ob sich Schubert nun fitter als je zuvor fühlt? "Man will sich zumindest einreden, dass man fitter wird. Es ist eine extrem technische, komplexe Sportart. Ich hoffe, dass ich ein schlauerer Kletterer bin als letztes Jahr."

Gespannt ist man, ob beim Weltcup in Meiringen auch die starken Japaner dabei sein werden. "Das wäre schon wichtig und auch spannend", betonte Schubert.

Nach Meiringen stehen Ende Mai zwei Boulder-Weltcups in Salt Lake City auf dem Programm. Im Juni (23. bis 26.) folgt das Austria Climbing Open.