Gelungenes Meeting im Sportzentrum NÖ. Südafrikanische Sprinterin und britischer Weitspringer sorgten für Highlights. Schrott konnte nicht starten.

Erstellt am 16. Juni 2014 (08:16)
Der Slowake Peter Horak war mit 2,19 Meter auch heuer wieder im Hochsprung eine Klasse für sich. Foto: Claus Stumpfer
NOEN, Claus Stumpfer

Viele Topleistungen wurden beim Liese Prokop Memorial in St. Pölten bejubelt. Erstmals fand das Meeting im Sportzentrum NÖ statt, und nach den Wetterkapriolen der letzten Jahre passten diesmal auch die Bedingungen. Dem schließlich aber doch störenden Wind begegnete Organisator Gottfried Lammerhuber mit einer Zeitnehmung, die je nach Windrichtung bei den Sprints und dem Weitsprung Starts von Nord nach Süd oder Süd nach Nord ermöglichte.

Kleiser sprang für Schrott in die Bresche

Aus österreichischer Sicht setzten Zehnkämpfer Dominik Distelberger mit Saisonbestleistungen über 110-m-Hürden und im Weitsprung, Gerhard Mayer mit dem Sieg im Diskuswurf und Kira Grünberg als Siegerin im Stabhochsprung die Glanzlichter. Die in Wien lebende Ekaterina Kuntsevich setzte sich im Hochsprung mit 1,86 Meter durch.

International glänzten die Sprinter und Springer. Die Südafrikanerin Carina Horn, die seit einem Jahr in OÖ lebt, trommelte im Vorlauf einen 100-m-Meetingrekord von 11,17 Sekunden auf die Bahn, musste beim Finale aber passen. „Der Muskel hat danach leider zu gemacht“, wollte sie für den weiteren Saisonverlauf keine schlimmere Verletzung riskieren.

Eine solche hat leider Österreichs 100-m-Hürdenass Beate Schrott ereilt. Ihre Oberschenkelzerrung macht ihr immer noch Probleme, sodass sie den Start in ihrer Heimatstadt komplett absagen musste. Für sie sprang Viola Kleiser im 100-m-Sprint mit Rang drei in die Bresche. Zufrieden war die Reichersdorferin allerdings auch nicht. „Die Tagesverfassung hat nicht gestimmt, ich fühlte mich müde und ausgelaugt“, haderte sie mit ihrer Zeit von 11,73.

Große Vorfreude auf Europameisterschaft 

Bei den Männern feierte Adrian Griffith von den Bahamas in 10,25 Sekunden seinen dritten Sieg in St. Pölten. Die Deutsche Cindy Roleder zeigte über 100-m-Hürden mit 13,10 Sekunden auf. Im Hochsprung kam Peter Horak aus der Slowakei immerhin wieder über 2,19 Meter. Den Weitsprung dominierte J.J. Jegede, der bei tollen 8,06 Meter landete, wenn auch bei etwas zu starker Windunterstützung von 2,5 m/s.

„Bei seinen Saisonzielen legt sich der Brite die Latte hoch: „Wenn ich starte, dann möchte ich immer gewinnen, und meine großen Ziele heuer sind die Commonwealth Games und dann die EM in Zürich“, gibt er sich in beiden Fällen Chancen. „Wenn ich so springe wie heute und ins Finale einziehe, dann ist immer alles möglich“, ist er optimistisch.

Mayer: „Gefühl und Rhythmus waren gut“

In St. Pölten hatte Jegede mit dem Italiener Guerini aber einen starken Gegner, der auch über 8 Meter gesprungen ist, dabei allerdings um Millimeter übertreten hat. Diskussionen mit Kampfrichter Taboga den Sprung doch als gültig anzuerkennen, blieben natürlich fruchtlos.

Jegede meint aber auch, dass es schwierig war, den Absprungbalken richtig zu treffen. „Irgendwie hatte ich nie das Gefühl, so viel Rückenwind zu haben, weshalb ich dann auch mit den Schritten jedes Mal ein klein wenig zu lang war.“

Gerhard Mayer (SVS Leichtathletik) holte mit 59,43 Meter in einem stark besetzten Feld bei sehr wechselhaftem Wind den Sieg im Diskuswurf. „Das Gefühl und der Rhythmus waren gut, da wären die 60 Meter schon drinnen gewesen“, ärgerte er sich ein wenig, dass ihm das EM-Limit noch nicht gelungen ist.

Österreichs zweiter Diskuswerfer mit internationalem Format, Lukas Weißhaidinger (ÖTB OÖ), schaffte 57,05 Meter und den fünften Platz. Beide hoffen, dass es in den nächsten Wochen in Richtung EM-Limit von 62,30 Meter geht.

Distelberger überwand Müdigkeit

Zehnkämpfer Dominik Distelberger (UVB Purgstall) zeigte mit zwei Saisonbestleistungen, dass er nach seinem tollen Auftritt in Götzis bereit für weitere Heldentaten ist. „Es ist toll, dass ich in beiden Bewerben besser war als in Götzis“, hatte er sich im Vorfeld des Wettkampfes noch etwas müde gefühlt. „Aber dieses Ergebnis spornt an, ich bin wieder gut im Training und steuere mit der EM den nächsten Höhepunkt an“, meinte er.

Beim Stabhochsprung überquerte Kira Grünberg 4,15 Meter. Lokalmatadorin Agnes Hodi von der Sportunion St. Pölten konnte es nicht ausnutzen, dass gerade beim Stabhochsprung der Wind nachgelassen hatte, sie kam über 3,75 nicht hinaus, scheiterte an ihrer angestrebten persönlichen Bestleistung von 3,90 Meter.

Beim Hochsprung der Frauen gab es noch eine Absage. Monika Göllner war zwar angereist, musste aber dann wegen einer Magenverstimmung passen.

Sportzentrum NÖ hat sich bewährt

Trotz der doch vielen Ausfälle namhafter Athleten im letzten Moment, war Organisator Lammerhuber guter Dinge. „Es war wichtig, dass wir im Weitsprung nun über 8 Meter als Turnierrekord stehen haben, und auch die 11,17 bei den Frauen lassensich international sehen“, ist er überzeugt, im nächsten Jahr damit noch bessere Athleten „ködern“ zu können. Auch den Schritt ins Sportzentrum NÖ gewechselt zu sein, bereute er keine Minute. „Das Areal ist einfach großzügiger und somit die Möglichkeiten besser.“

Im Rahmenprogramm entschied das mit Spannung erwartete Duell über 100 Meter zwischen Radtalent und Sprintnachwuchs der Leichtathlet klar für sich. Lukas Viehberger kam einfach nicht in die Pedale. Sein Vater, der den Start vorbereitet hatte, war sichtlich sauer: „Ohne Worte!“ In Tests hatte sein Sohn regelmäßig Zeiten um 11 Sekunden geschafft.

Ein Hit waren auch heuer die NÖN-Kids-Runs von U 6 bis U 12. Die Starts nahm Beate Schrott vor, die Siegerehrung Landesrätin Petra Bohuslav.