UHC-Trainer Ivica Belas teilt gegen Spieler aus. Ivica Belas (44), Trainer des UHC Hollabrunn, sprach mit der NÖN über sein Bleiben beim Verein, den verpassten Aufstieg in die HLA und einige menschliche Enttäuschungen.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 14. Juli 2021 (04:43)
So geht das nicht! UHC-Coach Ivica Belas war vom Verhalten einiger seiner Spieler zutiefst enttäuscht.
Thomas Hagendorfer

Eigentlich war Ivica Belas vor drei Jahren angetreten, um als Trainer mit dem UHC Hollabrunn in die HLA aufzusteigen. Damals meinte der gebürtige Kroate im NÖN-Interview, dass er gehen würde, sollte das nicht klappen.

Nach dem dramatischen Aus im Halbfinale der Bundesliga gegen Bad Vöslau war bei den Bezirkshauptstädtern kollektiver Katzenjammer angesagt. Mit ein paar Wochen Abstand stellte sich der 44-jähr ige Coach nun einem großen NÖN-Interview und erklärt, warum er den Hollabrunnern trotzdem erhalten bleiben wird.

NÖN: Viele Experten waren überrascht, als bekannt wurde, dass Sie weiterhin den UHC Hollabrunn coachen werden. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

„Ich war selbst Spieler und hätte die Halle in solchen Partien nur auf der Tragbahre verlassen.“ UHC-Trainer Ivica Belas übt Kritik an manchen Spielern, will aber keine Namen nennen

Ivica Belas: Es war keine leichte Entscheidung. Gedi (Anm.: UHC-Manager Gerhard Gedinger) und ich haben unglaublich lange diskutiert, gesprochen und versucht, die ganze letzte Saison aufzuarbeiten. Am Ende bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich den UHC jetzt nicht im Stich lassen will. Das bin ich dem Verein und mir selbst einfach schuldig.

Das heißt, dass Sie den verpassten Aufstieg auch persönlich nehmen, oder?

Belas: Auf jeden Fall. Ich habe mich in den letzten Wochen sehr oft gefragt, was ich vielleicht anders hätte machen sollen. Denn ich war immer vom Aufstieg überzeugt, konnte nie glauben, dass wir es nicht schaffen. Das hat mich schon sehr getroffen.

In der Rückschau: Was waren Ihrer Meinung nach die Hauptgründe für das Scheitern?

Belas: Es gab viele Gründe, aber letztendlich war es eine Kombination aus ganz vielen Kleinigkeiten. Das fängt bei Undiszipliniertheiten der Spieler an, mangelndem Teamgeist und schlechter Stimmung in der Mannschaft.

Können Sie das ein wenig konkretisieren?

Belas: Ich will und werde niemanden persönlich angreifen, aber einige Spieler verhielten sich der Mannschaft und mir gegenüber respektlos. Das fängt damit an, dass sie nicht rausgehen, wenn ich sie auswechseln will, und hört damit auf, dass die letzte Bereitschaft fehlt, um sich zu quälen. Ein Beispiel: Wenn ich im Halbfinale schon nach zehn Minuten kaputt bin und raus will, dann kann was nicht stimmen. Ich war selbst Spieler und hätte die Halle in solchen Partien nur auf der Tragbahre verlassen.

Das bedeutet, Sie haben beim einen oder anderen Ihrer Schützlinge den letzten Willen vermisst, wirklich in die HLA aufsteigen zu wollen?

Belas: Genau, aber das deckt sich nur mit meinen Erfahrungen in den vergangenen Jahren, dass bei manchem Spieler die nötige Professionalität fehlte. Dabei bin ich von meinen anfänglichen Ansprüchen eh schnell abgerückt. Aber einige haben auch diesen Umstand ausgenutzt, das ärgert mich bis heute.

Umso größer ist nun die Verblüffung, dass Sie trotzdem in Hollabrunn bleiben ...

Belas: Der Verein liegt mir ja am Herzen, auch der Enthusiasmus der Beteiligten. Natürlich werden wir jetzt kleinere Brötchen backen müssen, aber für mich geht es auch darum, wieder den Spaß am Handball zu finden. Der ist mir am Ende ein wenig verloren gegangen.

Dennoch sprechen wir noch immer von der erfolgreichsten Saison in der Hollabrunner Vereinsgeschichte!

Belas: Ich sage auch immer, wir jammern auf einem verdammt hohen Niveau. Aber die Chance aufzusteigen war so groß wie nie, deswegen tut es auch doppelt und dreifach weh. Aber bis zu den Play-offs kann eigentlich nicht viel kritisiert werden.

Was darf man sich für die neue Spielzeit von Hollabrunn erwarten?

Belas: Das Thema Aufstieg ist abgehakt, vorerst zumindest. Unser bzw. mein Fokus liegt jetzt auf der Entwicklung und dem Einbau der jungen Spieler. Zudem wollen wir die besten Talente aus der Umgebung zum UHC bringen. Dennoch glaube ich, dass wir wieder eine schlagkräftige Truppe beisammen haben. Mit Routiniers wie Vlatko (Anm.: Mitkov) haben wir auch noch genügend Qualität im Kader.