Johann Wolf: „Es war an der Zeit“. Ex-Coach Johann Wolf über seinen Abgang bei Obritz und seine Schwester als Nachfolgerin auf der Trainerbank.

Von Kevin Kada. Erstellt am 23. Dezember 2014 (08:24)
NOEN, Douglas Fischer
Auszeit vom Traineramt. Ex-Obritz-Coach Johann Wolf ist derzeit nur als Zuschauer auf dem Platz und denkt noch nicht über einen neuen Trainerposten nach. Foto: Douglas Fischer

NÖN: Nun ist bereits einige Zeit vergangen, seit Sie nicht mehr Obritz-Trainer sind. Wie geht es Ihnen derzeit und womit verbringen Sie Ihre Zeit?
Johann Wolf: Meine Hauptbeschäftigung derzeit ist es, „Personal Coach“ für meinen drei Monate alten Sohn zu sein. Die restliche Zeit versuche ich natürlich, mich bezüglich und mit Fußball auf dem Laufenden zu halten, und ich verbringe auch viel Zeit vor allem auf dem Obritzer Fußballplatz.

„Es fehlte an Struktur und an einer genauen Linie“

Gehen wir auf Ihren ehemaligen Trainerposten ein. Als Erfolgstrainer haben Sie Obritz innerhalb kürzester Zeit aus der 2. Klasse in die Gebietsliga geführt. Somit liegt der größte Erfolg von Obritz auch in Ihrer Verantwortung. Wie kam es dazu, dass man diese Leistungssteigerung innerhalb kürzester Zeit erbringen konnte?
Vorweg muss man einmal die Ausgangssituation erklären. Als ich in Obritz begonnen hatte, war der Verein eine verwurzelte 2.-Klasse-Mannschaft, die vor sehr langer Zeit einen kurzen Auftritt in der 1. Klasse hatte. Da ich selbst als Spieler in Obritz tätig war, wusste ich, warum ein Erfolg auf lange Sicht nicht möglich war. Es fehlte an Struktur und an einer genauen Linie für Spieler und Verein. Ab dem Zeitpunkt, als ich übernahm, bestimmten Trainingsbeteiligung und Einsatz im Training die Aufstellung. Wer seine Leistung nicht brachte, spielte auch nicht. So kam es, dass das Training innerhalb kürzester Zeit an Professionalität zunahm. Wir achteten genauer auf die Fitness der Spieler, und auch im taktischen Bereich wurde besser gearbeitet. Und auf einmal waren nicht mehr zehn, sondern 30 Spieler beim Training. Und so konnte man dann daran arbeiten, mit dem Verein auch Erfolge zu feiern.

Die Bilanz nach diesem Totalumbau spricht für Sie.
Allerdings. Mit demselben Spielerstamm haben wir vom Start in der 2. Klasse bis zum Aufstieg in die Gebietsliga 66 Siege und 14 Unentschieden gefeiert. Auf der anderen Seite stehen nur elf Niederlagen.

„Die Bilanz meiner Schwester spricht für sich“

Nach sieben sieglosen Spielen mussten Sie im Herbst dennoch den Trainerstuhl räumen und haben ihn an Ihre Schwester Maria Wolf übergeben. Warum war es sinnvoll, den Posten aufzugeben?
Jeder Trainer hat ein Ablaufdatum, es ist nie vorhersehbar, wann der Zeitpunkt kommt. Aber es hat sich herausgestellt, dass meine Art des Trainings und der Motivation abgenutzt war und bei den Spielern nicht mehr gefruchtet hat. Gepaart mit den zahlreichen verletzungsbedingten Ausfällen und auch etwas Pech war es einfach an der Zeit, frischen Wind ins Team zu bringen.

Was sagen Sie zum bisherigen Abschneiden Ihrer Schwester?
Der lockere Umgang meiner Schwester ist eine willkommene Abwechslung im Gegensatz zu meinem perfektionistischen Auftreten. Ihre Bilanz spricht für sich, und auch wenn man sich die Trainings ansieht, merkt man, dass sie fachlich und menschlich auf einem Top-Niveau ist.

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