Ziersdorf

Erstellt am 11. Januar 2017, 02:55

von Christoph Reiterer

Eva Maria Kern: „Tennis macht mich normal“. Eva Maria Kern aus Ziersdorf lebt ihren sportlichen Traum. Was ihr fehlt, ist ein adäquater Sportrollstuhl.

Eva Maria Kern in Action. „Man muss schon ein Revoluzzer sein“, sagt sie über ihren Werdegang, „und das bin ich!“  |  NOEN, privat

In einem Alter, in dem die meisten anderen bereits in der „Sport-Pension“ sind, will die aus Wien stammende Ziersdor ferin Eva Maria Kern erst richtig durchstarten. Die 50-Jährige hat einen großen Traum vor Augen, für den sie jeden Tag trainiert: Sie will die Rollstuhltennis-Weltrangliste erobern! Dafür ist sie bereit, alles unterzuordnen. Doch sie benötigt auch Unterstützung von außen.

Zunächst Tischtennis als „Notlösung“ betrieben

Eva Maria Kern ist seit ihrer Geburt spastisch gelähmt. „Meine Liebe und Leidenschaft gehören dem Tennis. Mein Idol war und ist Boris Becker“, erzählt sie. „Boris wurde – so wie ich – als nicht förderungswürdig eingestuft. Man sagte ihm, er sei zu langsam.“

Doch nachdem sie zunächst Tischtennis als „Notlösung“ betrieben hatte, fand Kern schließlich doch den Weg zum Rollstuhltennis. Aber: „Mein Nachteil ist, dass ich nicht querschnittsgelähmt bin. Rollstuhltennis ist die Domain der Querschnittsgelähmten.“

So ist sie die einzige Spastikerin in Österreich, die das Ziel verfolgt, Turniere zu bestreiten. „Da ich nur eine funktionierende Hand habe, gehöre ich in die Quad Division“, erklärt Kern, deren Vorbild der US-amerikanische Paralympics-Champion Nick Taylor ist.

„Mein Idol ist Boris Becker. Er wurde – so wie ich – als nicht förderungswürdig eingestuft.“

Eve Maria Kern

Nachdem sie „viele Steine aus dem Weg geräumt“ hatte, verschlug es die ehrgeizige Sportlerin ins Weinviertel. In Ziersdorf fand sie eine passende Wohnung und ein Sozial- und Freundschaftsgefüge, das sie nicht mehr missen will.

„Ich habe Spitzenfreunde!“ Und in der Hollabrunner Tennishalle (TPI Tennis Rihacek) fand sie in Dominic Prinz einen jungen, dynamischen Tennistrainer, der an sie glaubt. „Woche für Woche kämpft und arbeitet er mit mir, Schritt für Schritt unserem ersten Teilziel, einer Turnierteilnahme, näherzukommen“, schildert Kern und ist happy: „Es war Sympathie auf den ersten Blick.“

Zweifel lässt die Ziersdorferin nicht zu. „Ich ordne alles meiner Liebe und Leidenschaft zum Tennis unter. Mein ganzes Geld stecke ich in mein Training.“ Tennis habe für sie einen super Nebeneffekt, macht die Rumpfmuskulatur stabiler und vermindert dadurch die Schmerzen. „Für mich ist es effizienter als Physiotherapie. Tennis macht mich zu einem normalen Menschen. Nichtbehinderte Menschen bewundern mich. Ich bin sozial anerkannt. Mein Körper hält mich weniger gefangen.“

Finanzielle Hürde: ein 13-km/h-Rollstuhl

Um tatsächlich Turniere bestreiten zu können, gilt es noch eine spezielle, finanzielle Hürde zu überwinden: Ihr eigener Rollstuhl hindert Kern an der Weiterentwicklung. Das Schlag-Timing passt nicht, sie ist meist zu spät am Ball. Denn der Rollstuhl fährt nur 6 km/h. Zum Vergleich: Jener von Nick Taylor bringt es auf 13 km/h.

„Ohne einen schnelleren Rollstuhl muss ich mein Ziel begraben, bevor ich den Kampf um Weltranglistenpunkte überhaupt aufnehmen kann“, weiß die Ziersdorferin. Doch so ein Sportrollstuhl ist eine Sonderanfertigung und kostet satte 9.000 Euro.

„Um mir einen Wettkampfrollstuhl anschaffen zu können, brauche ich Hilfe von Menschen und Firmen, die an mich glauben“, hofft Kern nun, Unterstützer zu finden. Jeden, der zu ihrem Traum beiträgt, will sie auf ihren Wettkampf-Shirts verewigen, der Rollstuhl soll als Werbefläche für Firmen dienen.

Indes lässt sich Eva Maria Kern nicht beirren. „Ich will auf die Tour! Ich kann das!“