Stelzner: „Im SV Horn-Fanclub wird uns nie langweilig“. Der in der Schweiz lebende Österreicher Georg Stelzner gründete den SV Horn-Fanclub „Helvetia 13“. Hier schildert er seine Eindrücke über den Verein.

Von Bernd Dangl. Erstellt am 17. Februar 2021 (00:59)
Georg Stelzner gründete den SV Horn-Fanclub „Helvetia 13“, der in der Schweiz beheimatet ist.
privat

NÖN: Wie kam es dazu, dass in der Schweiz ausgerechnet ein SV Horn-Fanclub gegründet wurde?

Georg Stelzner: Ich habe seit dem Jahr 2006 in Raabs/Thaya ein Ferienhaus, das nach meiner Pensionierung eventuell mal mein zeitweiliger Wohnsitz werden könnte. Als großer Fußballfan habe ich mich im nördlichen Waldviertel nach einem Klub in einer höheren Liga umgesehen, um im Urlaub das eine oder andere Spiel sehen zu können. So bin auf den SV Horn gestoßen, der damals noch in der Regionalliga Ost spielte. Mit Freude nahm ich dann den Aufstieg des SV Horn in die Erste Liga, damals die zweithöchste Spielklasse, zur Kenntnis. Dies deshalb, weil es mir somit möglich wurde, Spiele meines neuen Lieblingsvereins im nahen Vorarlberg zu besuchen – zuerst in Lustenau und Altach, in letzter Zeit in Lustenau und Dornbirn. Das Stadion in Lustenau ist nur rund 50 Kilometer von meinem Wohnort im Kanton Thurgau entfernt und mit dem Auto in weniger als einer Stunde zu erreichen. Am Anfang wurde ich von ein, zwei Freunden begleitet, und mit der Zeit wurde die Gruppe immer größer. Die regelmäßigen Matchbesuche in Vorarlberg begannen im Jahr 2013, weshalb unser Fanclub Helvetia 13 heißt, auch wenn die offizielle Vereinsgründung erst am 29. November 2014 erfolgte. Ich bin selbst erstaunt, dass der Fanclub Helvetia 13 inzwischen 28 Mitglieder zählt, wobei nicht weniger als sieben Nationen vertreten sind.

Wie oft pro Jahr verschlägt es Sie denn ins Waldviertel?

Stelzner: Wie gesagt, habe ich im Waldviertel ein Ferienhaus, das ich jedes Jahr fünf bis sechs Mal aufsuche – vorzugsweise dann, wenn der SV Horn ein Heimspiel hat. Mein Beruf als Journalist erlaubt mir hin und wieder auch eine kurzfristige Reise nach Niederösterreich und um eine Unterkunft muss ich mich ja nicht extra kümmern. Das erleichtert die ganze Sache enorm, wenngleich die Distanz je nach Route doch 650 bis 700 Kilometer beträgt.

Wie haben Sie die vergangenen, turbulenten Jahre des SV Horn wahrgenommen?

Stelzner: Ich muss gestehen, dass ich keine so spannende und interessante, manchmal aber auch die Nerven strapazierende Zeit erwartet hatte. Aber so wird uns im Fanclub nie langweilig und wir haben immer etwas, über das wir diskutieren können. Natürlich waren wir, speziell was das Engagement der Familie Honda anbelangt, nicht immer gleicher Meinung. Unser japanisches Mitglied war verständlicherweise begeistert, aber wenn ich mich richtig erinnere, waren die skeptischen Stimmen doch in der Mehrzahl. Ich war da etwas hin- und hergerissen. Einerseits verstand ich die Klubführung, dass sie diese Chance beim Schopf packen wollte, anderseits hätte ich keinen hohen Betrag darauf gewettet, dass die Zusammenarbeit lange funktioniert, was sich dann ja auch bestätigt hat. Immerhin erlangte der SV Horn dadurch sogar im Ausland einen gewissen Bekanntheitsgrad. So widmete etwa die „Neue Zürcher Zeitung“ dem Engagement der Japaner im Waldviertel einen langen Artikel. Persönlich war ich enttäuscht, wie sang- und klanglos die Zusammenarbeit mit den Japanern endete. Ich hätte mir mehr Durchhaltewillen seitens der Asiaten gewünscht. Bemerkung am Rande: Befremdend fand ich, dass man im Fanshop plötzlich Englisch oder Japanisch können musste, um etwas zu kaufen. Das war doch recht ungeschickt und hat dem SV Horn sicher Sympathien gekostet. Aber vielleicht war das auch nur ein dummer Zufall, dass es gerade bei meinem Besuch einmal so war.

Sportlich gab’s Auf- und Abstiege. Wer waren/sind für Sie die herausragenden Spieler?

Stelzner: Einer der besten und beeindruckendsten Spieler, die seit 2013 für den SV Horn gespielt haben, ist für mich Stefan Rakowitz, den wir ja auch zum Spieler der Saison 2015/16 gewählt haben. Zur gleichen Kategorie zählen meiner Meinung nach aber auch die anderen von uns gewählten Spieler: nämlich Florian Sittsam, Aleksandar Djordjevic, Nikki Havenaar, Miroslav Milosevic und Michael Cheukoua. Weitere Spieler, die mir gut gefallen haben, sind Marco Sahanek, Marcel Toth, Nicolas Orsini und Rintaro Yajima. Von den Torhütern sind mir speziell Cican Stankovic und Christoph Haas in sehr guter Erinnerung.

Im Sommer/Herbst gab’s mit dem Engagement von „UFA Media“ erneut n Unruhe im Verein. Wie haben Sie das miterlebt?

Stelzner: Die vielen Trainerwechsel zu Saisonbeginn wirkten für Außenstehende geradezu surreal, um nicht zu sagen wie ein Kasperltheater. Beispiel: Trainer Davor Mladina wird zunächst auf der SV Horn-Website in den höchsten Tönen gelobt und eine Woche später ist er schon wieder Geschichte. Wer soll das verstehen? Ich kenne die genauen Umstände nicht, die dazu geführt haben, doch professionell wirkte das Ganze bei Gott nicht. Es hat mich geschmerzt, dass der SV Horn dadurch zum Gespött wurde. Überhaupt hatte ich bei UFA Media von Anfang an ein mulmiges Gefühl, zumal dieser Investor gegen außen überhaupt nicht in Erscheinung getreten ist. Das war zumindest ungewöhnlich. Auch die Umstände und Gründe des Weggangs von Sportdirektor Reinhard Vyhnalek wurden meiner Ansicht nach unzureichend kommuniziert. Mehr habe ich erst in der NÖN erfahren. Leider lässt der SV Horn in solchen Situationen oft eine transparente Information vermissen. Ich finde, die Klubführung müsste – soweit das möglich und verantwortbar ist – offensiver informieren. Nur so können Gerüchte und Missverständnisse vermieden werden. Die Fans haben meiner Meinung nach ein Recht darauf, rechtzeitig, umfassend und wahrheitsgetreu informiert zu werden.

Wie schätzen Sie denn den aktuellen Kader ein?

Stelzner: Von den in der Winterpause verpflichteten Spielern sind mir nur Daniel Antosch und Andree Neumayer wirklich ein Begriff. Ich denke, diese beiden Spieler werden auch die Einzigen sein, die regelmäßig zum Einsatz kommen. Junge Talente zu verpflichten, ist zwar löblich, aber in der Situation, in der sich der SV Horn befindet, sind routinierte Spieler meiner Einschätzung nach extrem wichtig. Auffallend ist auf jeden Fall, dass im Sommer und Winter schon seit Jahren immer wieder recht viele neue Spieler verpflichtet werden. Da liegt der Verdacht nahe, dass man bei dem einen oder anderen Transfer kein glückliches Händchen hatte. Aber okay: Diesen Winter musste man den Abgang der fünf UFA-Media-Spieler kompensieren. Ich bin kein Experte, sondern nur Fan, aber ich würde mir mehr personelle Konstanz wünschen.

Wie sehr schmerzt dich derzeit die Corona-Situation – vor allem, dass keine Fans zugelassen sind?

Stelzner: Für uns wie für alle Anhänger ist diese Situation ein Desaster. Der Ausschluss der Zuschauer beziehungsweise die Durchführung sogenannter Geisterspiele stellt das ganze Fanwesen infrage. Man stelle sich vor, Schauspieler müssten in einem leeren Theater ein Stück aufführen. Im Grunde macht es so keinen Sinn. Im Moment bangen wir um die diesjährige Spielerehrung. Diese ist für Mitte Mai in Horn vorgesehen.

Sie wurden ja auch mit der Festschrift anlässlich des 100-Jahr- Jubiläums 2022 betraut. Wie läuft hier die Arbeit?

Stelzner: Das Verfassen der Festschrift ist mir eine Ehre und ein wichtiges Anliegen, dessen Realisierung ich nach wie vor anstrebe. Die Quellenlage ist leider nicht so ergiebig, wie ich das erhofft habe. Zudem habe ich den Nachteil der räumlichen Distanz zu Horn unterschätzt. Ich sah mich deshalb gezwungen, das Konzept zu ändern. Ich möchte nun eine Festschrift verfassen, die vor allem personenbezogen ist und vor allem die Zeit seit dem 90-Jahr-Jubiläum ins Zentrum stellt.