„Iron“-Alex Frühwirth will den 100er. Alexander „Iron“ Frühwirth (50) über seine bisherige Sport-Karriere, die Unterschiede zu früher und was er in den kommenden Jahren noch erreichen möchte.

Von Bernd Dangl. Erstellt am 22. Januar 2020 (03:25)
Die nächsten Wettkämpfe bereits im Fokus: Alexander Frühwirth.
NÖN

Ein halbes Jahrhundert an Lebensjahren hat Alexander Frühwirth bereits am Buckel – 50 Jahre, wo er sich seinen Beinamen „Iron Alex“ redlich verdient hat. Der aus Kirchberg/Wild kommende Sportler gilt als das Waldviertler Ausdauer-Aushängeschild, war sechsfacher Triathlon-Staatsmeister, unzählig oft Landesmeister, gewann viermal den Wachau-Marathon. Insgesamt 66 Mal finishte er einen „Ironman“, wo er 3,8km schwimmend, 180km am Rad und 42,195km laufend zurücklegte. „Tria- und Duathlons habe ich sicher auch an die 350 gemacht …“

Genug hat er trotz seines fortgeschrittenen Sportler-Alters aber noch lange nicht. Sein Ziel? „100 mal einen Ironman zu absolvieren.“ Die Rechnung hat er gleich parat. „Wenn ich zwei pro Jahr mache, dann hab‘ ich das in 17 Jahren erreicht.“ Wenn Frühwirth das sagt, dann merkt man, dass er das ernst meint. Wo andere sich vor Schmerzen im Bett krümmen oder zumindest auf der Couch liegen würden, steht Frühwirth am Start. Keine Verletzung konnte ihn bis jetzt bremsen.

Ein Wettkampf-Karriere war so auch kein Thema, als er etwa 2017 beim Ironman in Klagenfurt schwer stürzte, sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzog, kurze Zeit später sich bei einem Arbeitsunfall die Finger zertrümmerte. Frühwirths Härte ging bisweilen so weit, dass er im Renntempo per Rad mit einem parkenden LKW kollidierte, sich abschüttelte, das Rennen fortsetzte und Landesmeisterschafts-Silber einfuhr – so geschehen 2018 in Blindenmarkt.

"Ich merke und spüre das, wenn ich auf meinen Körper höre"

Ist Sport vielleicht doch Mord? „Gesundheitsfördernd ist das, was ich mache, sicher nicht“, gibt Frühwirth zu. „Ich merke und spüre das, wenn ich auf meinen Körper höre.“ Logische Folge-Frage: „Warum tut man sich das dann an?“ Frühwirth: „Warum trinkt ein Alkoholiker weiter, wenn er weiß, dass das nicht gut für ihn ist?“ Frühwirth weiß, dass er quasi einer „sportlichen Sucht“ unterliegt.

Dabei galt er – in seiner Eigendefinition – als Spätstarter. Die ersten sportlichen Versuche unternahm er als 13-Jähriger beim Schwimmverein in Krems. „Außer Fußballvereine gab‘s ja nicht viel Angebot.“ Über das Laufen landete er schließlich beim Biathlon und dem HSV Allentsteig, wo er in Funktionärs-Urgestein Franz Stark einen Förderer fand. Frühwirth übersiedelte für seinen Grundwehrdienst ins Heeressportzentrum Hochfilzen, kehrte aber wieder ins Waldviertel heim. Als Biathlet schaffte er es in den C-Kader des österreichischen Nationalteams.

„Der Anzug war rosarot, sah überhaupt nicht gut aus. Aufgedruckt war aber „Austria“, was mich sehr stolz machte. Irgendwo hab‘ ich den sogar noch rumliegen“, schmunzelt Frühwirth. Schmunzeln muss er auch, wenn er an die Trainings von anno dazumal denkt. „Früher habe ich mich bei der Hintertür rausgeschlichen, wenn ich laufen gegangen bin, damit mich keiner sieht. Wenn dich einer beim Laufen gesehen hat, hat er angehalten und dich gefragt, ob er dich mitnehmen soll, weil er dachte, dass du eine Autopanne gehabt hast.“

"Heute hat jeder irgendwo einen Social Media-Kanal,"

Diese Zeiten hätten sich mittlerweile stark geändert, sei der Ausdauersport in der Breite angekommen. Die Spitze sieht Frühwirth dadurch ausgedünnt. „Früher musstest du durch Leistung überzeugen, damit du zum Beispiel in der Regionalzeitung wie der NÖN erwähnt wurdest. Heute hat jeder irgendwo einen Social Media-Kanal, postet ein Selfie. Da geht‘s nicht mehr um Leistung, sondern nur darum zu zeigen, dabei gewesen zu sein.“ Das alleine würde den meisten Sportlern bereits genügen, der Antrieb es in die Spitze zu schaffen, sei nicht mehr vordergründig. „Das zieht sich in durch die österreichische Sport-Szene, natürlich auch im Waldviertel.“

Frühwirth sieht aber auch viel Positives in der heutigen Sport-Welt: „Das Internet hat vieles erleichtert. Früher musstest du nach Wien fahren, wenn du Wettkampf-Schuhe, oder ein neues Rad gekauft hast. Heute schaust du ins Internet und hast alles, was du brauchst.“

Die Materialien sind aber auch dementsprechend hochpreisig geworden. „Manche laden bei einem Triathlon ein Rad aus dem Kofferraum, was schon mehr wert ist, als ihr Auto.“ Auch der Zugang zu Doping sei durch das Internet wesentlich leichter. „Was die meisten aber vergessen: Durch Doping allein regeneriert dein Körper nur schneller, deine Leistung wird deswegen aber nicht besser. Doping ohne ein Ärzteteam dahinter ist ja sowieso der größte Unfug.“

Frühwirth ist sich sicher, dass die Dpoing-Dunkelziffer eine große ist: „Wenn man in Wien bei einem großen Lauf alle testen würde, wären wohl an die 25 Prozent gedopt. Einige auch unwissentlich, weil sie gar nicht wissen, was alles auf der Dopingliste steht.“

Sachen, an die der „Eiserne“ gar nicht anstreifen will – der hält sich in der Winterzeit jetzt lieber bei Waldarbeiten fit …