Erstellt am 09. Juni 2015, 10:49

von Claus Stumpfer

„Co-Trainer Vinca hat immer geschwärmt“. Funktionärszwist tobte, doch lautlos vollzog die SG Klosterneuburg einen Trainerwechsel. Mario Handl ist der Neue.

Geplante Doppelverpflichtung: Mario Handl (Mitte) wird neuer Trainer der SG Klosterneuburg -- sein fünfjähriger Sohn Fabio wird sich aber erst nach einem Schnuppertraining im »Fußballkindergarten« entscheiden, ob er seine Unterschrift unter den »Vertrag« setzt.  |  NOEN, Müllner
NÖN: Sie haben bei Klosterneuburg unterschrieben, nachdem Coach Castek den Abschied angekündigt hat, weil Obmann Daniel Wertheim auch mit anderen Trainern reden wollte. Was macht für Sie Klosterneuburg interessant?
Handl: Ich bin mit U-23-Trainer Fatos Vinca befreundet, und der schwärmt mir schon ewig vor, wie toll die Nachwuchsarbeit hier ist. Als mein Vertrag jetzt in Würmla ausgelaufen ist, hat ein Gespräch mit dem Obmann genügt.

Ihr Vertrag läuft ein Jahr. Planen Sie längerfristig?
Handl: Einjahresverträge sind üblich im Fußball, aber natürlich, wenn alles passt, dann bleibe ich länger.

Ihr Name ist eng mit dem Wr. Sportklub verbunden. Was waren Ihre Highlights als Aktiver?
Handl: Ich war acht Jahre in der RLO tätig und nach dem Aufstieg des Sportklubs zwei Jahre in der Ersten Liga — auch bei der Vienna! Bei solchen Traditionsklubs spielen zu dürfen, ist an sich ein Highlight. Aber mir hat das Kicken auch in der Wiener Liga Spaß gemacht. Columbia hat mir dann 2010 die Chance gegeben, als Co-Trainer einzusteigen. Jetzt bin ich 41 Jahre, die aktive Zeit ist lange vorbei …

Mittlerweile haben Sie die A-Lizenz. Wollen Sie noch mehr?
Handl: Ich kann mit der A-Lizenz bis zur Ersten Liga coachen — das reicht, auch weil ich meinen Job bei der Pensionsversicherung nicht aufgeben werde. Ich arbeite im 2. Bezirk, wohne im 21., da passt Klosterneuburg perfekt!

Wie schnell man seinen Trainerjob verliert, mussten Sie zuletzt in Würmla erleben. Kam es für Sie überraschend?
Handl: Es hatte sich abgezeichnet, weil die Klubführung der Meinung war, dass es weitergehen würde, wie im Jahr davor. Aber da hatte Stürmer Eghveregba mit 38 Toren einen irren Lauf. Als ich dann im Sommer gekommen bin, war er verletzt und ist dann nicht mehr so ins Laufen gekommen. Als er im Winter abgegeben wurde, war es nur mehr ein Krampf. Ich hätte jetzt auf Änderungen bestanden, aber mir war klar, dass diese kaum durchsetzbar sein würden.

Welche Änderungen planen Sie in Klosterneuburg?
Handl: Dafür kenne ich die Mannschaft noch zu wenig. Ich werde mir die letzten beiden Spiele, bei denen noch mein Vorgänger coacht, genau ansehen und dann mit dem Obmann Entscheidungen treffen. Nachwuchs ist ja genügend da!

Zuletzt gab es klubinterne Stimmen, die das verneint haben. „Masse statt Klasse“ lautet das Argument!
Handl: Aber nur aus der Breite können doch überhaupt Talente entspringen! Natürlich werden von einem kleineren Verein immer wieder die Topleute abwandern, aber es gibt sicher genügend Talente für die Gebietsliga.

Wie sieht Ihre Zielsetzung im ersten Jahr aus?
Handl: Natürlich will man immer besser werden, und daher wäre eine Rangverbesserung gegenüber heuer schön. Aber die Verträge von einigen Routiniers wurden noch nicht verlängert, und ganz ohne wird es nicht gehen — bei aller Begeisterung für die Youngsters. Obmann Wertheim macht aber keinen Druck, sieht alles pragmatisch — nach Würmla eine Wohltat!