Olympia ohne Kuhnle. Die Entscheidung ist endgültig gefallen. Viktoria Wolffhardt fährt nach Tokio, während Corinna Kuhnle sich die Spiele von daheim aus ansehen muss.

Von Christoph Nurschinger. Erstellt am 16. Juni 2021 (01:32)
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Bei ihren Trainingsläufen im Rahmen des Naturfreunde-Slaloms war Corinna Kuhnle auch trotz der schweren Ausgangslage gut gelaunt.
C. Stumpfer, C. Stumpfer

Die Qualifikation für die Olympischen Spiele im Lager der österreichischen Kanutinen ist endgültig beendet. Viktoria Wolffhardt hat sich das umkämpfte Ticket für Tokio gesichert, während Corinna Kuhnle trotz des jüngsten EM-Titels daheim bleiben muss.

Zur Vorgeschichte: Eigentlich hatte Viktoria Wolffhardt sich das Ticket für Tokio 2020 bereits gesichert. Aus Tokio 2020 wurde aber Tokio 2021 und das ÖOC verlangte vom Kanuverband eine Leistungskontrolle vor den Spielen. Nach einigem internen Streit entschied man sich beim Verband für eine relativ schwache Lösung: Wolffhardt musste bei der EM und dem jüngsten Lauf in Prag ins Semifinale einziehen, dann ist ihr das Ticket nicht mehr zu nehmen. Sollte der Tullnerin das nicht gelingen, hätte Kuhnle ihr mit zwei Podestplätzen noch das Ticket abluchsen können. Ein äußerst ungleiches Rennen.

Kuhnle kürte sich in Italien zwar zur Europameisterin, doch Wolffhardt zog ins Semifinale ein und setzte somit den ersten Schritt in Richtung Tokio, während Kuhnles Chancen dünner wurden.

Entscheidungfiel in Prag

Am Wochenende war es Zeit für den finalen Akt im Qualifikationskrimi und nach dem ersten Lauf war es noch höchst spannend. Mit einem Torfehler und zwei Strafsekunden kam Kuhnle mit 5,7 Sekunden Rückstand ins Ziel und war sicher für das Halbfinale qualifiziert. Wolffhardt machte es spannend. Trotz einer fehlerfreien Fahrt kam sie mit 8,84 Sekunden Rückstand ins Ziel und landete nur auf dem 22. Platz. Sie musste ihr Glück also im zweiten Qualifikationslauf suchen. In diesem hielt sie dem Druck aber bravourös stand und legte mit 100,7 Sekunden eine äußerst stakre Zeit hin. Kuhnle benötigte im ersten Durchgang übrigens genau eine Zehntelsekunde mehr.

Sicherheitslaufreichte Wolffhardt

In Österreich glaubte man vielerorts, dass die Qualifikation damit erledigt wäre. Dem war aber nicht so. Die Regelung des Verbands sah vor, dass Wolffhardt unter die besten 50 Prozent fahren muss, wenn das Feld weniger als 56 Starterinnen umfasst, was in Prag der Fall war.

Die Tullnerin musste also noch einen sicheren Lauf absolvieren und mindestens 27. werden. Ihr Ticket war also erst fixiert, als sie den Semifinallauf mit 11 Sekunden Rückstand auf dem 21. Platz beendete. „Ich habe tatsächlich zwei Tage zum Realisieren gebraucht. Es war dann aber eine sehr entfesselte Freude,“ beschreibt Wolffhardt ihre Gefühle nach der bestandenen Qualifikation.

Kuhnle, die danach mit einigen Torfehlern und großem Rückstand auf dem 26. Platz landete, ist hingegen niedergeschlagen: „Dass die Chancen nicht sonderlich groß waren, war mir schon vor dem Rennen klar. Wenn die Entscheidung dann aber endgültig gefallen ist und du nichts mehr daran ändern kannst, dann ist das natürlich sehr bitter. Ich glaube aber ich habe mir und allen Beteiligten bewiesen, was ich kann.“

Die Entscheidungen des Verbands im Zusammenhang mit der Causa war für Kuhnle für keine der beiden Sportlerinnen zuträglich. „Als Sportlerin habe ich mich ein bisschen wie eine Schachfigur gefühlt.“ Beim kommenden Weltcup in Leipzig will Kuhnle trotz dieses Rückschlags wieder am Start sein und voll angreifen.