Jungadler Sebastian Heller als nächstes NÖ-Top-Talent. Der Klosterneuburger Sebastian Heller hat erst in der abgelaufenen Saison bei den Wiener Stadtadlern als Wettkampfspringer begonnen und gleich den Landescup gewonnen.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 18. März 2020 (01:43)
Furchtlos am Absprungbalken: der 10-jährige Sebastian Heller.
NOEN

Das hat es in Klosterneuburg noch nie gegeben: Zum ersten Mal holt ein junger Bewohner der Stadt einen Sieg im Skispringen. Der zehnjährige Sebastian Heller springt erst seit wenigen Monaten bei den Wiener Stadtadlern, dem einzigen Skisprungklub in Niederösterreich und Wien. Und schon hat er einen Siegespokal nach Klosterneuburg geholt.

„Das war wegen des Schneemangels kein einfacher Winter, aber unsere Kinder waren extrem flexibel und haben viel auf sich genommen, um an den Wochenenden trotzdem im Schnee zu trainieren“, sagt Stadtadler-Sportvorstand Bernhard Wadsak. „Umso erfreulicher sind die vielen Stockerlplätze, die unsere Athletinnen und Athleten in den letzten Monaten geholt haben.“

„Es fällt mittlerweile in ganz Österreich auf, dass mehr und mehr Stadtadler als Nachwuchshoffnungen im österreichischen Skiverband nachrücken.“ Flo Danner, Stadtadler-Obmann

Einer der neuesten Athleten im Skisprungklub ist Sebastian Heller. Der zehnjährige Klosterneuburger ist zwar schon lange skisprungbegeistert, aber erst im letzten Jahr auf die Wiener Stadtadler gestoßen. Bei ihnen traininert er seit September nahezu jedes Wochenende an der Schanze und einmal pro Woche auch in der Halle in Wien-Leopoldstadt. „Es ist schon ein intensives Hobby, aber die Skisprungfamilie in Wien und Niederösterreich ist eine ganz liebe Truppe, in der sich Sebastian sehr wohlfühlt“, sagt Athletenmama Waltraud Heller.

Sebastian springt trotz seiner wenigen Monate auf Sprungskiern durchaus erfolgreich. In diesem Winter hat er etwa beim Landescup im obersteirischen Mürzzuschlag den Sieg in seiner Leistungsklasse geholt. Mit zwei Sprüngen auf 11,5 und 12,5 Meter auf der 18-Meter-Schanze fuhr er mit dem Siegespokal heim nach Klosterneuburg. „Mein weitester Wettkampfsprung war aber diesen Winter in Bad Goisern“, erzählt der Zehnjährige. „Das ist meine absolute Lieblingsschanze - dort sind mir im Probedurchgang 15 Meter gelungen.“ Bei der Internationalen Kalmberg-Trophy sind dort sogar Athletinnen und Athleten aus vier Nationen angetreten, Sebastian holte in der Kinder-II-Klasse Platz 15.

Beim Landescup im obersteirischen Mürzzuschlag kletterte der Klosterneuburger Sebastian Heller aufs oberste Treppchen seiner Klasse.
privat

Der junge Klosterneuburger gilt bei den Wiener Stadtadlern als wandelndes Skisprunglexikon. Wer persönliche Bestweiten oder Platzierungen von Weltcupadlern aus der Vergangenheit wissen will, braucht nur bei Sebastian nachzufragen. „Er liebt Skisprungübertragungen, dafür lässt er alles Liegen und Stehen und schaut sich viel von den Weltcup-Herren und -Damen ab“, verrät Mama Waltraud. Seinen ersten Sieg in diesem Skisprungwinter wird er dabei besonders gut im Gedächtnis behalten.

Generell zählt die abgelaufene Saison bei den Wiener Stadtadlern als der erfolgreichste Winter in der 15-jährigen Vereinsgeschichte. Mit Louis Obersteiner (15) aus Wien-Donaustadt hat zum ersten Mal ein Wiener den Gesamtsieg des Austria Cups, also der höchsten nationalen Nachwuchs-Wettkampfserie, geholt - noch dazu mit einem Grand Slam, also allen Bewerben auf Platz eins. Und mit der zwölfjährigen Meghann Wadsak aus der Wiener Innenstadt ist auch ein Mädchen ganz vorne dabei. Sie holte bei den österreichischen Schülermeisterschaften die Silbermedaille und beendet die Austria-Cup-Saison als zweitbeste Nachwuchsskispringerin Österreichs in ihrem Alter.

„Es fällt mittlerweile in ganz Österreich auf, dass mehr und mehr Stadtadler als Nachwuchshoffnungen im österreichischen Skiverband nachrücken“, sagt der Vereinsvorsitzende Florian Danner. „Das ist auch deswegen bemerkenswert, weil wir der einzige Skisprungklub in ganz Österreich sind, der im Umkreis von hundert Kilometern keine eigene Trainingsschanze hat.“

Sebastian Heller schafft bei der Kalmberg-Trophy in Bad Goisern mit 15 Metern seinen weitesten Sprung.
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Um adäquate Trainingsmöglichkeiten in Wien oder dem Umland kämpft der Verein seit Jahren und hofft dank der jüngsten Erfolge, endlich auf Gehör der Politik zu stoßen.

Insgesamt trainieren derzeit gut 30 Kinder unter den Flügeln der Wiener Stadtadler. Sie fahren mit ihren Trainern an den Wochenenden an die nächstgelegenen Schanzen ins obersteirische Mürzzuschlag oder nach Höhnhart (OÖ) oder Eisenerz (Steiermark). Das Konditionstraining absolvieren die Athletinnen und Athleten unter der Woche in einer Turnhalle in Wien. Der Verein mit etwa 130 Mitgliedern gilt als einer der größten Skisprungklubs von ganz Österreich.