Aus in Langenzersdorf: Frauen lösen sich auf. Coach Hans-Christian Trauner (50) erklärt, warum Langenzersdorf die Nennung für die Gebietsliga-Saison zurückzog.

Von David Aichinger und Melanie Kaller. Erstellt am 15. Juli 2014 (08:26)
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Stillstand. In Langenzersdorf (rechts Kapitänin Kerstin Labak) ist der Ball fürs Erste zum Stehen gekommen. Foto: Markus Kreiner
NOEN, Markus Kreiner
Was schon zum Ende der abgelaufenen Meisterschaft befürchtet wurde, ist mittlerweile fix: In Langenzersdorf wird es mit sofortiger Wirkung keine Frauenmannschaft mehr geben.

Von der Gebietsliga in die Landesliga geführt

Trainer Hans-Christian Trauner hätte für die neue Spielzeit in der Gebietsliga Weinviertel nur noch 13 Spielerinnen zur Verfügung gehabt – darunter sechs Anfängerinnen. „Es haben uns zu viele Spielerinnen verlassen“, sagt der wehmütige Coach, der der Wahrheit aber ins Auge blickt: „So hätte es keinen Sinn gemacht.“ Die beim Verband bereits eingereichte Nennung für 2014/15 wurde deshalb zurückgezogen.

Trauner hatte die Frauenmannschaft vor sieben Jahren ins Leben gerufen und sie nach vier Jahren in der Gebietsliga in die Landesliga geführt. Dort landeten die Mädels zwar schon zweimal auf dem letzten Platz, absteigen mussten sie durch eine Ligaaufstockung (2012) sowie die Auflösung zweier anderer Teams (2013) aber nie.

Heuer war man wieder abgeschlagen Letzter, und diesmal wäre es eine Etage nach unten gegangen. Für Leistungsträgerinnen wie Kapitänin Kerstin Labak (Kottingbrunn), Melanie Lienbacher (Erlaa oder Landhaus) oder Bianca Liebhart (Vienna) der Grund zum Abschied. Sie wechseln in höhere Ligen.

„Das Aus tut wirklich weh, aber es hilft nichts. Mit einem so kleinen und jungen
Kader kannst du nicht bestehen.“

Langenzersdorf-Trainer Hans-Christian Trauner

Weitere Probleme bereiteten in der abgelaufenen Spielzeit Spielerinnen, die aus beruflichen Gründen oder wegen einer zweiten Sportart bei diversen Matches fehlten. Coach Trauner musste am Ende darum kämpfen, elf Spielerinnen aufbieten zu können. Die vorletzte Partie gegen die Altenmarkt Juniors wurde überhaupt abgesagt und strafverifiziert.

Mit einer eventuell noch schlechteren Situation wollte sich Trauner nun nicht noch ein Jahr herumschlagen: „Das Aus tut wirklich weh, aber es hilft nichts. Mit einem so kleinen und jungen Kader kannst du nicht bestehen.“

An ein Comeback in naher Zukunft denkt der 50-Jährige aktuell nicht: „Wenn sich eine Frauenmannschaft einmal aufgelöst hat, ist es schwer, sie wieder zusammen zu führen.“ Alternativen für jene Spielerinnen, die jetzt ohne Verein da stehen, seien laut Trauner Kleinengersdorf (spielt in Enzersfeld), Großrußbach oder das nur wenige Kilometer entfernte Wiener Team Landhaus.


Stimmen & Reaktionen:

„Eine Fusion hätte auch wenig Sinn gemacht, weil von unserer Mannschaft ja fast niemand übrig geblieben ist. Drei bis fünf wären noch da gewesen. Dazu eben sechs bis acht junge Mädels, die aber noch nicht einmal angemeldet waren.“
Langenzersdorf-Trainer Hans-Christian Trauner

„Eine Spielerin wechselt von Langenzersdorf zu uns. Sie hat aber bereits vor der Bekanntgabe der Auflösung Interesse an einem Wechsel bekundet. Für den Frauenfußball ist es schade, wenn ein Verein komplett aufhören muss.“
Gerlinde Gassler, Trainerin des DFC Kleinengersdorf

„Ich habe die Langenzersdorfer Mannschaft nicht gekannt, habe aber Verständnis für Spielerinnen, die nach einem Abstieg nicht bleiben wollten. Dafür kommen in der Gebietsliga gleich drei neue Vereine dazu, das ist für mich schon ein Zeichen, dass der Frauenfußball boomt.“
Christoph Pegler, Trainer der SG Stetteldorf/Großweikersdorf

„Ich finde es schade für den Frauenfußball in der Region, aber wenn man die Quantität an Spielerinnen nicht hat, macht es keinen Sinn, mit Ach und Krach eine Mannschaft stellen zu wollen.“
Martin Dallamassl, Trainer der Ernstbrunner Damenmannschaft