WM-Silber für Stockerauer Fraczyk. Stockerauer Stani Fraczyk holte Vizeweltmeistertitel bei Tischtennis-WM in China.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 16. September 2014 (08:49)
Stanislaw »Stani« Fraczyk, geboren am 2. Dezember 1952 in Lódz, ist ein polnisch-österreichischer Tischtennisspieler, der bei den Sommer-Paralympics 1996 und 2004 jeweils die Goldmedaille in der Klasse 9 (leichte Beinbehinderung) holte - hier zu sehen bei der ÖPC-Einkleidung für die Paralympics in London 2012.
NOEN, Franz Baldauf

Bei der Weltmeisterschaft der Behindertensportler im Tischtennis in Peking fügte Stanislaw Fraczyk aus Stockerau seiner Erfolgsgeschichte das nächste Kapitel hinzu. Der 61-jährige Ausnahmesportler gewann die Silbermedaille in der Klasse 9 für leichte Beinbehinderungen.

„Unglaublich, wie er noch immer mit der Weltspitze mithalten kann“

„Er ist absolut unverwüstlich und die Freude war dementsprechend groß“, erzählte Generalsekretär Rudolf Sporrer vom Tischtennisverband. „Es ist einfach unglaublich, wie er in diesem hohen Alter noch immer mit der Weltspitze mithalten kann. Da sieht man wieder, dass er auch in seiner aktiven Zeit bei den Profis zu Europas besten Spielern zählte.“

Fraczyk selbst war in China telefonisch nicht zu erreichen, überzeugte aber vor allem zu Beginn dieser Weltmeisterschaften für körperbehinderte Tischtennisspieler. Ohne Satzverlust zog der österreichische Routinier - zwölffacher Staatsmeister und 100-facher Nationalspieler - ins Semifinale ein. Dort traf er auf den stark aufstrebenden Russen Youri Nozdrunov.

Beim Finale live im chinesischen Staatsfernsehen

Fraczyk gewann die ersten beiden Sätze, jedoch kämpfte sich der Russe wieder zurück. Im alles entscheidenden fünften Satz spielte der Routinier seine ganze Klasse aus und konnte schließlich seinen fünften Matchball verwerten. Im Finale, das übrigens vom chinesischen Staatsfernsehen live übertragen wurde, kam es zur Wiederholung des Finales der Paralympics 2012 und der WM 2006 gegen den Chinesen Ma Lin.

Und wie schon in den bisherigen Duellen setzte sich auch diesmal der Chinese mit 3:0 durch. Knackpunkt war der zweite Satz, in dem Fraczyk fünf Satzbälle nicht verwerten konnte. Auch Lin streute seinem Kontrahenten Rosen: „Wir sind alte Rivalen, kennen uns in- und auswendig. Er hat zwar besser serviert und verteidigt, aber ich war den entscheidenden Tick aggressiver.“

Macht Fraczyk jetzt eine Pause? Nein, kaum wieder zurück im Lande, wird es mit „seinem“ UTTC Stockerau wieder mit der neuen Saison in der Super- und Bundesliga 2014/15 losgehen.


Hintergrund:

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NOEN, Franz Baldauf
Stanislaw „Stani“ Fraczyk (Foto links), geboren am 2. Dezember 1952 in Lódz, ist ein polnisch-österreichischer Tischtennisspieler, der bei den Sommer-Paralympics 1996 und 2004 jeweils die Goldmedaille in der Klasse 9 (leichte Beinbehinderung) holte.

Der gebürtige Pole hat von Geburt an aufgrund einer Polioerkrankung ein um fünf Zentimeter kürzeres Bein. Obwohl ihm aufgrund der Behinderung Schnelligkeit und Stabilität im rechten Bein fehlten, gehörte er zu den besten Tischtennisspielern Polens.

Mit 28 Jahren kam er 1980 nach Österreich und spielte von Anfang an beim UTTC Stockerau Bundesliga. Heute ist er hauptberuflich Beamter, hat eine Sportagentur aufgebaut und spielt erfolgreich mit Stockerau Bundesliga und Superliga. Er lebt gemeinsam mit seiner Frau Jolanta in Stockerau.