Ägypten war für Beatrice Kudlacek eine Reise wert

Erstellt am 03. August 2022 | 02:31
Lesezeit: 3 Min
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Das erfolgreiche österreichische Florett-Nationalteam der Frauen: Olivia Wohlgemuth, Beatrice Kudlacek, Freya Cenker und Lilli Brugger (v.l.).
Foto: FIE
Ein historisch starkes Ergebnis gab’s für Florett-Ass Beatrice Kudlacek aus Stockerau bei der WM.
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„Einer für alle, alle für einen“ – das wussten schon die drei Musketiere in dem weltberühmten Roman von Alexandre Dumas. Dieses Motto nahm sich auch das österreichische Frauen-Florettteam zu Herzen und holte das beste Ergebnis einer österreichischen Fechtmannschaft seit Langem bei Weltmeisterschaften. Maßgeblich daran beteiligt war eine 23-jährige Stockerauerin. Aber alles der Reihe nach:

Von Mitte bis Ende Juli fand in der ägyptischen Hauptstadt Kairo die Fecht-WM der allgemeinen Klasse statt. Mit dabei war auch Beatrice Kudlacek von der Fechtgilde Stockerau. Zählt man auch die Nachwuchsklassen mit, war dies bereits ihr achter Antritt bei Weltmeisterschaften und immerhin bereits der dritte in der allgemeinen Klasse. Und die Weltmeisterschaften 2022 sollten richtig gut laufen:

Zunächst stand das Einzel der Florettfechterinnen auf dem Programm, sprich Vorrunden und Direktausscheidung bis zum Haupttableau der besten 64. Dabei konnte Kudlacek in der Vorrunde vier ihrer sechs Gefechte gewinnen und erreichte somit als 36. die Direktausscheidung. Dort traf sie auf die Portugiesin Marta Caride, es war das erste Aufeinandertreffen der beiden Fechterinnen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einem 1:6-Rückstand übernahm die Weinviertlerin dann doch das Gefecht und konnte sich letztendlich mit 15:13 durchsetzen.

Fluch der Pharaonen schlug zu

Dort wäre die Italienerin Martina Faveretto ihre Gegnerin gewesen. Allerdings blieb es beim Konjunktiv, denn Kudlacek wurde – wie auch einige andere Mitglieder des österreichischen Teams – von einer Magen-Darm-Infektion heimgesucht und musste w.o. geben. „Die Enttäuschung war riesig, aber ich habe dennoch auch Positives mitnehmen können“, spielte sie auf die Tatsache an, dass sie in der Gesamtwertung den 50. Platz belegte und sich so in der Weltcup-Gesamtwertung um ca. 100 Plätze verbessern konnte.

Bis zum Mannschaftsbewerb war die Stockerauerin dann wieder so weit bei Kräften, dass sie gemeinsam mit Olivia Wohlgemuth, Freya Cenker und Lilli Brugger an den Start gehen konnte. Dabei sorgten die rot-weiß-roten Musketiere für eine faustdicke Überraschung: Zunächst wurde Brasilien mit 45:29 geschlagen, ehe es die erwartete Niederlage gegen die Nummer eins der Welt, Italien, gab – 19:45.

Danach ging es in der Runde der Plätze neun bis 16 gegen Korea weiter. Gegen die favorisierten Asiatinnen gelang allerdings die Sensation und Österreich gewann 45:36. Nach einem weiteren 45:25-Sieg gegen Großbritannien und einer 19:45-Niederlage gegen Deutschland belegte die österreichische Nationalmannschaft sensationell den zehnten Platz. Damit erfüllte man auch die strengen Qualifikationsrichtlinien des österreichischen Verbandes und erreichte bereits die Norm für eine Teilnahme an EM und WM 2023. „Einer der größten Erfolge meiner Karriere“, strahlte Kudlacek.

Nach kurzer Sommerpause gehen die Weltcupbewerbe bereits im September wieder los. In der Zwischenzeit wird Kudlacek im August als Betreuerin des Stockerauer Sommerfechtcamps für Kinder im Einsatz sein.