Mit Hand und Fuß. Ex-Weltmeister Peter Ertl (32) führt drei Korneuburger Talente zur Nachwuchs-WM nach Italien und will einen Imagewandel.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 02. September 2014 (07:48)
NOEN, privat
Mit dem mehrfachen Staats- und dreimaligen Weltmeister Peter Ertl (32) hatte der Bezirk Korneuburg bereits einen Weltklasseathleten im Kickboxen. Drei Weinviertler Nachwuchs-cracks vom Kickboxclub Korneuburg wollen jetzt, natürlich unter Ertls Fittichen, bei den Nachwuchs-Weltmeisterschaften in Rimini (Italien) versuchen, in dessen Fußstapfen zu treten.

„Ich bin vom Niveau der Drei absolut überzeugt“

Seit Montag geht es für Lisa Fuhs (14) aus Bisamberg, den Langenzersdorfer Günther Reinwald (15) und Hannes Gartner (17) aus Niederfellabrunn um Gold, Silber und Bronze. Die Chancen stehen laut Ertl nicht schlecht: „Ich bin vom Niveau der Drei absolut überzeugt. Ich würde sie aber auch nicht zur WM schicken, wenn das Gegenteil der Fall wäre.“

Fuhs startet im Pointfighting-Bewerb der U16 und gilt als aussichtsreiche Medaillenkandidatin. Die größten Hoffnungen liegen aber bei Reinwald, der im Leichtkontaktbewerb der U16 zu den absoluten Top-Favoriten zählt: „Vor allem, weil er mental unglaublich stark ist“, wie Ertl weiß.

„Wir bilden keine Schläger aus und sind auch keine“

Einzig bei Gartner (Leichtkontakt U19) ist eine Prognose schwierig: „Weil er einer der Jüngsten in seiner Altersklasse ist.“ Und weil es schwierig ist, die Konkurrenz einzuschätzen. Traditionell kommen die stärksten Kickboxer aus Ungarn oder Italien.

Stichwort Tradition: Trotz der Erfolge von Ertl oder Nicole Trimmel, der mehrfachen Weltmeisterin aus dem Burgenland, muss in Österreich um jede Form der Anerkennung gekämpft werden: „Leider zerstören einige Idioten das Image unserer Sportart. Es glauben viele Leute, dass wir ein Haufen von Straßenkämpfern sind“, ärgert sich Ertl, der vor fünf Jahren den Kickboxclub Korneuburg gründete und seither vielen Kindern und Jugendlichen die Faszination Kickboxen näher bringt.

„Eines kann ich aber versichern, wir bilden keine Schläger aus und sind auch keine.“ Ganz im Gegenteil: Die Tradition ostasiatischer Kampfkünste verbindet sich mit den Erkenntnissen der westlichen Sportwissenschaft und Kampfsportarten. „Zudem lernen die Kinder auch noch, einen Purzelbaum zu schlagen“, lacht Ertl.


Hintergrund:

  • Zur Person: Peter Ertl kam am 27. November 1981 in Graz zur Welt, ist Berufsoffizier und Cheftrainer beim Kickboxclub Korneuburg: www.peter-ertl.at .
  • Zur Sportart: Kickboxen ist eine Kampfsportart, bei der das Schlagen mit Füßen und Händen wie bei anderen Kampfsportarten mit konventionellem Boxen verbunden wird. Ellbogen- und Kniestöße sind teilweise erlaubt , Tiefschläge immer tabu.
  • Zu den Wettkampfklassen: Man unterscheidet drei Arten von Wettkampfklassen: Semikontakt (= Pointfighting), Leicht- und Vollkontakt. Während in den ersten Zweien nur nach Punkten gewonnen wird, ist bei Letzterem auch ein K.o. möglich.