Weltrekord für Hübner . Der Korneuburger Alexander Hübner schaffte in Langenzersdorf den Sprung ins Guinness-Buch der Rekorde.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 22. Juli 2020 (03:38)
Zuerst Action, dann Freude: Alexander Hübner in der Daytona Kartsporthalle in Langenzersdorf.
zVg

797,544 Kilometer oder 1.272 Runden auf der Bahn der Daytona Kartsporthalle Langenzersdorf – das ist der neue Weltrekord im 24-Stunden-Kartfahren, den der gebürtige Korneuburger Alexander Hübner in der Vorwoche aufstellte. Damit schafft der 24-Jährige jetzt den Sprung ins Guinness Buch der Rekorde und verbesserte die bisherige Bestmarke eines Amerikaners (733 km) um über 50 km! Wie Hübner seinen Weltrekordversuch erlebte, was die Schwierigkeiten waren und warum er kurz vor dem Aufgeben stand, im Zeit raffer:

Montag, 15 Uhr: Startschuss in der gut gefüllten Halle, Hübner war laut eigener Aussage „voll motiviert“. Auch das Kommunikationssystem funktionierte, mittels Handy und Mikrofon im Helm sollte er unterhalten und informiert werden. Der Fahrplan sah vor, neben den notwendigen Tankstopps alle zwei Stunden eine kurze Pause zwecks Toilettengang und Nahrungsaufnahme einzulegen. Ansonsten hieß es, ordentlich aufs Gaspedal zu steigen.

Montag 19 Uhr: Plötzlich gab es Probleme mit dem Kommunikationssystem, die Verbindung zum Handy ließ sich nicht mehr herstellen. „Da habe ich mir einfach Musik reingehaut, weil nur im Kreis fahren sonst zu fad gewesen wäre (lacht).“ Zudem machten sich erste körperliche Verschleißerscheinungen bemerkbar und Hübner musste sich übergeben.

Mut machte dafür der Zuschauerzuspruch, den ganzen Abend und in der Nacht wurde der Weinviertler gepusht. „Das hat mir extrem geholfen.“ Auch von seinem Kartteam, Toni Shirts Team aus dem oberösterreichischen Günskirchen bei Wels, nahmen der Obmann und weitere Mitglieder den langen Weg auf sich, um ihn zu unter stützen.

Montag, 24 Uhr: Hübner legte einen von zwei geplanten 20-minütigen Power Naps ein. Allerdings tat ihm dieser nicht wirklich gut wie er sich zurückerinnert: „Ich war danach k.o, wollte überhaupt nicht mehr fahren. Ich war kurz vorm Aufgeben.“

Doch er funktionierte dann wie eine Maschine, fuhr sechs Stunden durch – von den obligatorischen Tankstopps abgesehen – und wurde von Runde zu Runde schneller. „Ich habe mich auf die Rundenzeiten konzentriert, das hat mich neu motiviert. Ich war in der Früh teilweise um 3,5 Sekunden schneller als zu Mitternacht. Das ist eine Welt, ein Wahnsinn.“ Wie kam es zu dieser Leistungssteigerung? „Weil ich einfach wieder Spaß am Fahren hatte.“

Dienstag, 8 Uhr: Hübner legte den zweiten Power-Nap ein, kurz vor der 1.000. Runde. Diesmal gab es keine Probleme, weil er wusste, dass er die letzten Stunden auch noch runterbiegen würde, obwohl sein Nacken und Hände schon schwer in Mitleidenschaft geraten waren.

Dienstag, zw. 12 und 13 Uhr: Über zwei Stunden vor dem offiziellen Schluss war es soweit, Hübner stellte eine neue Bestmarke auf. Er fuhr an die Box, stieg aus, ließ sich im Schein von Wunderkerzen und Musik feiern, um danach noch bis 15 Uhr weiterzufahren. Wer übrigens selbst einmal Kart gefahren ist, weiß, wie sehr das auf Arme und Nacken geht. 24 Stunden klingen physisch fast unmöglich – heißt das, es wird gemütlich gefahren? „Nein, gemütlich im Kreis fahren geht nicht, wenn du den Weltrekord willst. Da müssen die Rundenzeiten passen“, weiß Hübner. „Aber ich bin lange genug Kartfahrer, dass ich die entsprechende Physis und Muskulatur mitbringe.“

NOEN

Dienstag, 15 Uhr: „Einfach nur geil“, war das erste Statement des Neo-Weltrekordlers im Ziel. Sein Team teilte indes eigens gedruckte T-Shirts aus, während sich bei Hübner das Adrenalin schön langsam in Müdigkeit umwandelte. „Ich bin dann relativ schnell ins Bett gefallen und habe bis zum nächsten Tag zu Mittag durchgeschlafen“, berichtete er.

Er glaubt auch, vier bis fünf Kilos verloren zu haben, da er unheimlich viel Flüssigkeit verlor und, außer ein paar Müsli riegeln, kaum was runter brachte.

Mittwoch, 12 Uhr: Noch auf Wolke sieben schwebend, war der Korneuburger zum einen damit beschäftigt, seine Top-Leistung zu realisieren und zum anderen, die vielen Facebook- und Instagram-Anfragen zu abzuarbeiten: „Wirklich realisiert habe ich es noch nicht.“ Einzig sein Nacken und der Hals erinnerten ihn, weil jede Drehung noch tagelang wehtat.

Freitag, 15 Uhr: Wer glaubt, dass Hübner jetzt ziemlich lange keine Lust mehr hat, Kart zu fahren, der irrt – plant er doch einen Einsatz bei einem Teamrennen mit seinem Kartverein in knapp zwei Wochen, „und dann hoffe ich, dass durch diesen Weltrekord ein paar Türen für mich aufgehen“. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man in der heimischen Motorsportszene den Namen Hübner noch öfter hören wird …