Per WhatsApp zum Grand-Slam. Gemeinsam mit Dominic Thiem trat Sam Weissborn spontan zum ersten Mal bei einem Grand-Slam an.

Von Florian Braunauer. Erstellt am 21. September 2016 (06:20)
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Dominic Thiem und Sam Weissborn verstanden sich bei den US Open prächtig, daher wird man das Duo wohl wieder einmal in einem Doppel-Bewerb bestaunen können.

Tristan-Samuel Weissborn, aktuell die Nummer 90 der ATP-Doppel-Weltrangliste, feierte bei den US Open seine Grand-Slam-Premiere gemeinsam mit Österreichs Nummer eins Dominic Thiem. Weissborn, der in Wien und Korneuburg aufwuchs und auch für den ASC Marathon Korneuburg Meisterschaftsspiele bestritt, tastet sich somit langsam, aber sicher an die Weltspitze heran. Aktuell ist er Österreichs sechstbester Doppelspieler. Vor ihm liegen Ale-xander Peya, Oliver Marach, Philipp Oswald, Julian Knowle und eben Thiem. Im Gespräch mit der NÖN stand er, der Sam genannt wird, nach seiner Rückkehr aus New York Rede und Antwort und gibt Auskunft über seine bisherige Saison, Ziele und die Zukunft.

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Sam Weissborn zeigte sich in Flushing Meadows von seiner besten Seite, so hat er sein Karriere-Hoch im Doppel verbessert: Der Linkshänder ist aktuell die Nummer 90 der Doppel-Weltrangliste.


NÖN: Gratuliere zu Ihrem jüngsten Erfolg bei den US Open. Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass Sie mit Dominic Thiem angetreten sind?

Sam Weissborn: Ich habe mir gedacht, ich schreibe ihm einmal und frage, ob er mit mir gemeinsam spielen will. Mehr als Nein sagen kann er ja nicht. Dann hat er gemeint: „Gerne. US Open – Hättest du Lust?“ Da konnte ich nur Ja sagen.

Was hat die US Open für Sie besonders gemacht?

Ich hatte die Ehre, bei einer der größten Sportveranstaltungen der Welt zu spielen. Dazu durfte ich dort mit Österreichs Nummer eins, einem der weltbesten Tennisspieler, antreten. Wir haben dort eine Runde überstanden, mehr kann ich mir für das erste Mal nicht erwarten.

Haben Sie früher schon einmal mit Dominic gespielt?

Wir kennen einander von früher und haben uns immer gut verstanden. Ich habe bei seinem Vater trainiert. Als wir noch jünger waren, haben wir öfter zusammen gespielt, aber das hat sich dann ein wenig verlaufen.

Werden wir also das Doppel Thiem/Weissborn in Zukunft öfter in Action sehen?

Von meiner Seite aus gerne. Dominic hat auch gesagt, er würde gerne wieder spielen, nur liegt bei ihm der Fokus bei den Grand Slams im Einzel. Da ist das Doppel eine Belastung, was man ja auch gesehen hat. Aber ich denke schon, dass wir wieder einmal spielen werden.

Waren die US Open Ihr erstes Grand-Slam-Turnier?

Bei den Profis schon. Ich habe zwar heuer schon Qualifikation für Wimbledon gespielt, aber da bin ich nicht in den Hauptbewerb gekommen. In der Jugend habe ich auch schon Grand-Slams gespielt, aber das war mein Profidebüt.

Wie erklären Sie sich die aktuelle Topform? 2016 war ja bisher das erfolgreichste Jahr Ihrer Karriere.

Ich versuche einfach, jede Chance zu nutzen, die sich mir bietet. Vor einem Jahr habe ich beim ersten Challenger gleich das Semifinale erreicht, heuer beim ersten Antreten bei einem 250er ATP-Turnier auch das Halbfinale. Aber natürlich muss ich auch meiner Familie, meinen Freunden und auch meinem Management, der McCartney-Group, danken. Ohne die wäre das alles nicht möglich gewesen.

Drehen wir die Zeit ein wenig zurück. Wie sind Sie überhaupt zum Tennis gekommen?

Mein Vater hatte eine Tennisschule, daher war ich prädestiniert für diesen Sport. Ich bin eigentlich schon auf dem Tennisplatz gewesen, bevor ich gehen konnte. Da bin ich halt im Korb gesessen (lacht).

Und warum spielen Sie jetzt eigentlich ausschließlich Doppel?

Mir hat das Doppel schon immer mindestens so viel Spaß wie das Einzel gemacht, weil ich ein Teamplayer bin. Als ich dann vor einigen Jahren Atemprobleme bekommen habe, habe ich beschlossen, mich aufs Doppel zu konzentrieren.

Könnten Sie sich vorstellen, wieder einmal in Einzel-Bewerben anzutreten?

Ja, natürlich. Momentan ist es aber so, dass mein Ranking im Einzel für die Turniere nicht reicht, die ich im Doppel spiele. Aber wenn ich mich im Doppel finanziell abgesichert habe und es dann läuft, würde ich gerne wieder im Einzel spielen.

Welche Karriereziele verfolgen Sie generell?

Erst einmal möchte ich ein Ranking haben, mit dem ich in Grand-Slams fix hineinkomme. Das wäre so um die 65. Langfristig möchte ich dann aber schon unter die Top 50, da würde ich dann bei fast allen Turnieren starten können.

Den Großteil des Jahres spielen Sie auf Turnieren auf der ganzen Welt. Reisen Sie da alleine oder mit Begleitung?

Nein, ich reise alleine, was manchmal schon sehr langweilig sein kann. Aber wenn der Trainer überall mit dir hinfährt, ist das auch enorm kostspielig. Das muss man auch im Auge behalten.

Zum Abschluss: Haben Sie vor, einmal bei österreichischen Turnieren wie in Wien oder Kitzbühel zu spielen?

Ja, klar. Aber da muss ich erst einmal hineinkommen. Natürlich spiele ich in Österreich, wenn ich die Wahl habe. Das ist einfach ein Wahnsinnsgefühl vor heimischen Fans.

Hintergrund

  • Name: Tristan-Samuel Weissborn
  • Alter: 24
  • Wohnort: Wien
  • Größe: 1,82 Meter
  • Spielstil: linkshändig, Rückhand beidhändig
  • Lieblingsbelag: Sand
  • Profi seit: 2009
  • Karrierehighlight: 2. Runde US Open
  • Karriere-Hoch Doppel: 90 (aktuell).
  • Karriere-Hoch Einzel: 503 (2013).
  • Doppel-Titel: 3 Challenger, 23 Future.
  • Einzel-Titel: 1 Future-Turnier.