Ein Hauch von den Olympischen Spielen für Korneuburger. Zum ersten Mal ermittelten über zwei dutzend Fachverbände ihre Meister an einem Ort. Dabei räumten auch die Korneuburger Sportler und Vereine ab.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 09. Juni 2021 (03:31)
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Stark. Die erfolgreichen Sportaerobic-Mädels aus Niederösterreich. Fast alle kommen aus Stockerau.
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Was für eine Premiere! Rund 3.000 Athleten aus 24 Sportfachverbänden ermittelten von vergangenen Donnerstag bis Sonntag an 16 Sportstätten in Graz 250 in Bewerben ihre österreichischen Meister und Staatsmeister. Bei den erstmals abgehaltenen Sport Austria Finals bot sich den Fans an acht Sportstätten mittels Onlineregistrierung auch wieder die Chance, Sport live mitzuerleben. Auch einige Sportler und Vereine aus dem Bezirk waren dabei und sorgten mit ihren Leistungen für ein Ausrufezeichen. Wir haben den Überblick:

Turnsport

Kaum zurück von der Junioren-Weltmeisterschaft in Aserbaidschan, waren die Stockerauer Sportaerobic-Asse wieder im Einsatz. Im Damen-Einzelbewerb der Sportaerobic wurde dabei übrigens erstmals ein offiziell von der Bundes-Sportorganisation anerkannter Staatsmeistertitel vergeben. Darüber hinaus wurden die österreichischen Nachwuchs-Meisterschaften ausgetragen. Insgesamt gingen 80 Aerobicerinnen im Raiffeisen-Sportpark in den Einzel-, Paar-, Trio- und Gruppenbewerben an den Start, manche unter ihnen mehrfach.

„In Graz hat man den Spitzensport vereint und gezeigt wie unverzichtbar Sport und Gemeinschaft in Zeiten wie diesen sind.“ Brigitte Scheidl, Chefin der Gitti-City war begeistert von diesem Event.

Dabei räumte die Lenaustadt ab, denn den beiden Vereinen FAC Gitti-City und Gymnastic Academy Stockerau gelang es, in Summe 23 (!) Medaillen für Niederösterreich zu erturnen. Besonders hervorzuheben ist die Aerobic Step Gruppe: Diese Formation, bestehend aus Anika Berger, Leonie Inführ, Katharina Grün, Josefine Wolfbeißer (alle Gymnastic Academy) sowie Tanja Haslinger und Janine Held (FAC Gitti-City), konnte sich im Namen des Landesverbandes Niederösterreich die Goldmedaille sichern. „Es freut mich sehr, das die Zusammenarbeit der beiden Vereine reibungslos funktioniert hat und wir mit Platz eins belohnt wurden“, strahlte Gitti-City-Geschäftsführerin Brigitte Scheidl, gleichzeitig auch österreichische Bundesfachwartin der Sportaerobic.

Des Weiteren konnten sich die Gitti-City-WM-Teilnehmerinnen Katharina Wild, Luisa da Silva Moura, Emma Klug, Florentine Ehrenhöfer und Lena Wolf wieder ihre Podestplätze in den Kategorien IW, Trio und diesmal auch in der Gruppe gemeinsam mit Leona Riedl und Lea Zöhrer sichern. Die beste blau-gelbe Athletin in der offiziellen Staatsmeister-Wertung, welche die Oberösterreicherin Lea Robl gewann, war Florentine Ehrenhöfer auf Rang vier, dicht gefolgt von Katharina Wild.

Scheidl war begeistert von diesem Event: „Das hatte olympischen Charakter und vier Stunden live im ORF waren wir zuvor noch nie. In Graz hat man den Spitzensport vereint und gezeigt, wie unverzichtbar Sport und Gemeinschaft in Zeiten wie diesen sind.“

Laufsport

Dramatisch ging es bei den Orientierungslauf-Staatsmeisterschaften zu: Zum Auftakt fand die Staffel-Entscheidung bei den Herren statt. Dort lag die Staffel der Lokalmatadoren des OLC Graz nach Startläufer Mathias Peter in Führung, doch Kilian Trummer lief danach versehentlich an drei Posten vorbei. So war der Weg frei für die Naturfreunde Wien mit dem Langenzersdorfer Nicolas Kastner, Clemens Wolfram und Jannis Bonek, welche die schwierige Strecke vom ASKÖ- Stadion Eggenberg hinauf Richtung Plabutsch durch steiles, dicht bewaldetes Gebiet in 1:57,55 Stunden bewältigten. Im Einzel kam Kastner wegen eines übersehenen Kontrollpunktes nicht in die Wertung. „Das war kurz vor dem Ziel, bitter“, meinte der 22-Jährige – doppelt ärgerlich, weil dieses Rennen auch zur Qualifikation für die WM in Tschechien zählte.

Kastners jüngere Schwester Ylvi (20 Jahre alt) holte im Elitebewerb der Frauen Bronze, nur knapp 15 Minuten hinter Staatsmeisterin Anna Simkovics. Abgerundet wurde das erfolgreiche Wochenende der Langenzersdorfer Familie Kastner vom Titel für Mutter Barbara, die überlegen ihre Altersklasse W45 gewann.

Radsport

Im olympischen Mountainbike-Cross-Country-Bewerb ging es auf die international bestens erprobte Cross-Country-Strecke in Stattegg. Dort zeigten auch zwei Korneuburger auf: Erstens Daniel Churfürst, der sich in der Unter-23 der Männer die Silbermedaille holte. Dem Fahrer des KTM Factory MTB Team fehlten am Ende knapp zweieinhalb Minuten auf den Titel.

Für Fiona Klien vom URC Bikerei Korneuburg gab es zum Drüberstreuen Bronze bei den Juniorinnen.

Kickboxen

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Stärke gezeigt. Die Kickboxer Yael Yvon, Manuel und Matthias Sembera (von links) schlugen zu und fuhren mit Edelmetall heim.
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Manuel Sembera, Matthias Sembera und Yael Yvon – alle aus Hagenbrunn und/oder Stetten – hatten gleich dreimal Grund zum Jubeln:

Manuel Sembera gewann Gold im K1 bis 71 Kilogramm, Bruder Matthias Gold im K1 bis 63.5 kg und Yvon Gold im K1 bis 60 kg.

„Nach so einer langen Coronapause war es für alle schön, endlich wieder im Ring zu stehen und unser Können unter Beweis zu stellen“, freute sich Manuel Sembera.

Der heurige Saisonhöhepunkt für die Korneuburger Kickboxer ist aber die WAKO-Weltmeisterschaft im Oktober in Italien, wo es für Matthias Sembera auch um die Qualifikation für die World Games 2022 in den USA geht.

Fechten

Die Fechtgilde Stockerau war im Florett mit Johanna Sommer, Raphael und Beatrice Kudlacek vertreten.

Während Beatrice Kudlacek als Mitglied der Nationalmannschaft in den letzten Monaten relativ normal trainieren durfte, konnten Bruder Raphael und Sommer erst vor wenigen Wochen damit beginnen. Für Raphael Kudlacek war das Turnier dann auch bereits nach der Vorrunde vorbei. Sommer erreichte zwar die Direktausscheidung, hatte dort aber Pech mit der Setzung. Gegen die mehrfache Staatsmeisterin Barbara Koppenwallner musste sie sich nach Kampf 7:15 geschlagen geben.

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Zugestochen. Erst im Florett-Finale war für Beatrice Kudlacek von der Fechtgilde Stockerau Endstation.
Sport Austria/GEPA Pictures, Sport Austria/GEPA Pictures

Trotz einer unerwarteten Niederlage in einem ihrer fünf Vorrundengefechte erreichte Aushängeschild Beatrice Kudlacek – als Nummer fünf gesetzt – locker den Hauptbewerb. Nach einem Freilos in der ersten Runde und einem klaren Sieg in der zweiten traf sie im Viertelfinale mit der Mödlingerin Maria Kränkl auf eine Trainingskollegin aus dem Bundessportzentrum Südstadt. Die Stockerauerin gewann das Gefecht mit 15:11 und hatte somit eine Medaille sicher.

Im Semifinale traf sie auf die Salzburgerin Lilli Brugger. Die beiden sind bereits seit den Jugendklassen Dauergegnerinnen und entsprechend gut kennen sie sich. Somit war es wenig überraschend, dass dieses Gefecht nach Ablauf der regulären Kampfzeit bei 10:10 in die Verlängerung ging. Nach einer starken Parade-Riposte hatte die Stockerauerin das bessere Ende für sich und gewann 11:10.

Im Finale wartete mit Freya Cenker erneut eine Trainingspartnerin und gute Freundin. Somit war klar, dass es in diesem Jahr eine neue Staatsmeisterin geben würde. Die beiden haben in ihrer bisherigen Karriere zwar eine Vielzahl an Staatsmeisterschaftsmedaillen und bei Junioren und Kadetten auch österreichische Meistertitel erzielt, der Staatsmeistertitel in der allgemeinen Klasse fehlte allerdings noch beiden in der Sammlung. An diesem Tag setzte sich die Mödlingerin Cenker durch, mit dem Vizestaatsmeistertitel konnte Kudlacek aber sehr zufrieden sein. „Das lief besser als erwartet und gibt Motivation für die kommenden Wochen und Monate“, strahlte sie.