Alexandra Steininger: Weltmeisterin, Obfrau und „Psychiaterin“

Erstellt am 03. August 2022 | 04:40
Lesezeit: 5 Min
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Mit vollem Herzblut schupfen sie das Team Xtreme in Langenlois: Top-Spieler Dominik Kauscheder, Obfrau Alexandra und Gatte Andreas Steininger.
Foto: Franz Aschauer
Wenige Frauen spielen Darts, noch weniger stehen an der Spitze von Dartvereinen. Die Ausnahmekönnerin Alexandra Steininger aus Krems kann beides. Sie feierte kürzlich ihren 50. Geburtstag, „ihr“ Team Xtreme den 30. Ein Gespräch zum doppelten Jubiläum.
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NÖN: Wie sind Sie zum Dartsport gekommen?

Alexandra Steininger: Ich bin durch Zufall durch meinen Ex-Mann dazugekommen. Anfangs habe ich mir gedacht, eigentlich ist das fad. Wie kann man nur die ganze Zeit stur diese Pfeile da nach vorne schießen. Nach drei, vier Monaten habe ich mir gedacht, ich probiere das auch einmal. Da habe ich dann festgestellt, dass ich eigentlich talentiert bin. Dadurch, dass ich immer mit den Männern gespielt habe, bin ich schnell stärker geworden. Ich habe begonnen, in der Liga zu spielen und bin immer erfolgreicher geworden. Meine Spitzenzeit war in den Jahren 2010 bis 2016. Da habe ich sechs Jahre hintereinander die niederösterreichische Gesamtwertung der Damen gewonnen, dazu auch noch unzählige Landesmeister-, Staatsmeister- und Europameistertitel. Das Highlight war 2013 die Weltmeisterschaft in Polen. Da habe ich mit dem Damen-Nationalteam zwei Weltmeistertitel geholt. Im Einzel bin ich Siebente geworden. Danach habe ich ein bisschen zurückgeschraubt. Wenn ich jetzt eine Woche nicht spiele, ist mir das auch egal. Vor der WM habe ich fünf Mal in der Woche trainiert, und oft vier bis fünf Stunden. Den Verein habe ich übernommen, weil ich voll dranhänge. Man trifft Freunde, hat viel Spaß. Ich habe die totale Unterstützung meines Mannes, er ist Gründungsmitglied. Besonders freut mich, dass wir jetzt auch Radikal-Automaten haben, bei denen man den Gegner über einen Bildschirm spielen sieht. Da spielen Leute aus allen möglichen Ländern online gegen einander.

Sie haben den Verein 2018 als Obfrau übernommen und seitdem viele Mitglieder dazugewonnen. Reichen die Kapazitäten noch aus und erfahrt ihr die Anerkennung, die ihr euch wünscht?

Steininger: Wir haben fünf Automaten, die dem Verein gehören. Wir spielen jetzt auch SteelDart ligamäßig im Verein. Jetzt bräuchten wir auch das Erdgeschoß im alten Feuerwehrhaus. Mittlerweile kämpfe ich seit eineinhalb Jahren darum. Wir würden uns gerne vergrößern.

Spielen die Leute mehr nach Laune oder gibt es fixe Trainings und Wettbewerbsehrgeiz?

Steininger: Wir sind bis hinauf in die Bundesliga vertreten. Wir haben schon Zeiten gehabt, wo täglich jemand am Trainieren ist. Da gehen dir dann schon die Automaten aus.

Was macht für Sie die Faszination Dartsport aus?

Steininger: Man braucht die Konzentration und eine ruhige Hand. Es hat mir von Anfang an sehr Spaß gemacht.

Wenn Sie den weiblichen Shootingstar, Fallon Sherrock, bei der Weltmeisterschaft im noch populäreren Steeldart im Alexandra Palace spielen sehen: Würde Sie das auch reizen?

Steininger: Ich wollte es eh. Ich habe mich auch einmal für die PDC-Tour beim Steeldart qualifiziert. Aber ich bin nicht geflogen, weil das eine Menge Geld gekostet hätte, meine Tochter war noch sehr klein und ich war Alleinerzieherin. Und ich kann nicht gut Englisch, wenn ich da mit dem Taxi fünf Runden fahre und einen Haufen Geld zahlen muss – das will ich nicht. Dafür habe ich mir jetzt zum runden Geburtstag gewünscht, dass wir nach London fliegen und im Alexandra Palace dabei sind. Das wäre mein Traum.

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Einmal im weltberühmten Alexandra Palace in London bei der Darts-Weltmeisterschaft spielen: Alexandra Steininger hatte mit einer Einladung für die PDC-Tour bereits einen Fuß in der Tür, war damals aber Alleinerzieherin und konnte die finanziellen Mittel nicht aufbringen.
Foto: Shutterstock/Vittorio Caramazza

Gefühlt jede zweite Woche ist ein Darts-Turnier im Fernsehen zu sehen, der Sport boomt. Profitiert die Amateurebene auch von dieser Entwicklung?

Steininger: Ja, eigentlich schon. Wobei ich es arg finde, dass in Langenlois viele Leute gar nicht wissen, dass es einen Dartverein gibt.

Sie sind eine von ganz wenigen Frauen, die an der Spitze eines Dartvereins steht. Wie schwierig ist es, sich in einem männerdominierten Sport durchzusetzen?

Steininger: Das war nicht einfach. Manchmal bin ich Psychiater und Kindergartentante für 30-jährige Leute. Es gehört auch manchmal gesagt, dass man nicht Obfrau und Putzfrau gleichzeitig ist. Ich gehe den ganzen Tag arbeiten, habe ein Haus und Familie. Ich will dann nicht auch noch fünf Stunden zusammenräumen müssen. Zeitweise ist es relativ heftig.

Warum spielen vergleichsweise wenig Frauen Darts?

Steininger: Das kann ich leider gar nicht beantworten, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass auch Fallon Sherrock keinen Männerbewerb gewinnen kann.

Die besten Spieler der Welt schaffen ab und zu einen Punkteschnitt von über 100 mit nur drei Dartpfeilen. Wie gut seid ihr?

Steininger: Wir haben jetzt einen neuen Spieler, der schafft zwischen 70 und 80. Das ist schon sehr stark.

Gerade im Amateurbereich ist es nahezu eine Glaubensfrage, ob man die 20 oder 19 anvisiert. Was ist Ihr Favorit?

Steininger: Der 19er, einfach weil er mir lieber ist. Treffe ich ihn fünf oder sechs Runden gar nicht, dann gehe ich auch auf 20 rauf.

Was wünschen Sie sich für den Sport und Ihren Verein?

Steininger: Ich will nach wie vor Leute dazubekommen. Und für mich selber wünsche ich mir, dass ich wieder mehr zum Spielen komme.

Was ist Ihr Tipp für angehende Dartspieler?

Steininger: Ruhig bleiben, nicht auszucken. Niemand stellt sich hin und trifft gleich das, was er will. Konzentration ist ganz wichtig. Man spielt zehn Minuten und wartet aber lange, bis man das nächste Mal aufgerufen wird. Es gibt Spieler, da fliegen die Dartpfeile quer durch die ganze Halle oder manchmal direkt in den Mistkübel. Wenn man sich zu viel ärgert, macht man den Gegner nur noch stärker.