Sarah Fischer vor Tokio 2020: Eine Zerreißprobe. Die Rohrendorferin Sarah Fischer bereitet sich zu Hause auf Großereignis vor, für dessen Verschiebung sie eintritt.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 24. März 2020 (02:43)
Umgeben von einem Traktor und kiloweise Holzscheiten – Sarah Fischers Trainingsstudio in ihrem zu Hause in Rohrendorf hat etwas von Rocky Balboa. Auch wenn die Bedingungen nicht optimal sind: „Es reicht, um sich fit zu halten“, sagt die 19-Jährige.
privat

Seiner Disziplin nachzugehen ist für Sportler dieser Tage nicht einfach. Bis auf die Optimierung der eigenen Ausdauer bei Intervallläufen oder Radausfahrten bleiben nicht viele Möglichkeiten, sofern man nicht in den eigenen vier Wänden genügend Platz und die nötige Ausrüstung hat. Ein kleiner Luxus, auf den Sarah Fischer zurückgreifen kann.

Österreichs beste Gewichtheberin trainiert zu Hause in Rohrendorf. Für die 19-Jährige ist es eine Rückkehr zu ihren Wurzeln, hat ihr im Heim-Trainingsstudio doch Vater Ewald die Basics gelernt. Gewichte stemmen im Keller und im Stadel statt im Olympiazentrum St. Pölten und der Kremser Sporthalle, wo es der Vizeeuropameisterin von 2018 an nichts fehlt. Beide Einrichtungen sind wegen des Coronavirus geschlossen worden.

Dort, wo alles angefangen hat, seien die Bedingungen „gut, von optimal aber Meilen entfernt“, sagt Ewald Fischer, der seine Tochter auch heute noch trainiert. Die selbst schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Es reicht, um sich fit zu halten.“

Die Tage sind eintönig: zwei Trainingseinheiten, Analysen, drei Mahlzeiten, in die Sauna gehen und Infrarotbehandlung. Auch wenn sie sich erst an diese Situation gewöhnen müsse, es sei „besser, als nur zu warten und zu hoffen, dass alles besser wird“, nimmt es Fischer sportlich.

„Wenn jemand das Virus einschleppt, fängt dieses ganze Szenario wieder von vorne an. Das sind die Spiele nicht wert.“Gewichtheberin Sarah Fischer

Deutlich weniger Verständnis hat die Heeressportlerin für den Plan des IOC, am Termin für die Olympischen Spiele in Tokio festzuhalten. Fischer plädiert für eine Verschiebung um zwei Jahre. „Ich komme ja wahrscheinlich noch gut davon, weil ich überhaupt trainieren kann. Aber viele Athleten können vielleicht nicht trainieren. Alle Sportler sollten sich gezielt für Tokio vorbereiten können, damit keine Vorteile entstehen.“

Gedanken macht sich die 19-Jährige auch, wie die Weltgesundheitslage im Sommer aussieht. „Keiner weiß, ob das Virus bis Juli komplett weg ist. Es sind circa 12.000 Sportler im Olympischen Dorf, wenn es jemand einschleppt, fängt dieses ganze Szenario, wie wir es jetzt haben, wieder von vorne an. Und das sind die Spiele nicht wert.“

Bleibt es dabei, und Olympia geht von 24. Juli bis 9. August über die Bühne, hat Fischer nach der Absage der U20-Weltmeisterschaft in Bukarest, bei der sie sich Medaillen ausgerechnet hätte, nur noch eine Gelegenheit bis dahin, um auf großer Bühne ihre Form zu testen.

Die Europameisterschaft in Moskau ist für Juni angesetzt, doch auch dieses Event wackelt. Weiterhin gibt es auch keine Lösung für die abgebrochene Olympia-Qualifikation. Die Konzentration hochzuhalten, das ist für Fischer momentan die schwierigste Aufgabe. „Es ist sehr schwierig, sich auf Wettkämpfe zu fokussieren, wenn man im Vorfeld nicht weiß, ob sie überhaupt stattfinden.“