Gefahr zu groß: Kein Match der UHK Krems in Serbien

Erstellt am 06. Dezember 2022 | 13:45
Lesezeit: 4 Min
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Einige Vojvodina-Spieler versuchten „ihren rabiaten Anhang“ zu beruhigen. Dass dies nicht fruchtete, war klar, als sich herausstellte, dass die Hooligans aus der Fußballszene der serbischen Stadt stammten. 
Foto: Bert Bauer
Randale im Vorfeld, Eskalation und Gewalt während des Spiels und danach auf den Straßen in Krems. Der UHK wird zum samstägigen Rückspiel in Novi Sad nicht antreten.
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UHK-Spieler bespuckt, Gewalt gegen Polizisten und Ordner - die Partie der Kremser gegen Vojvodina Novi Sad geht als schwarzer Tag in die Geschichte des Handballsports ein.

Die Kremser haben die Vorfälle an detailliert an die Europäische Handballföderation (EHF) weitergeleitet. Die Schreiben liegen auch der NÖN vor. Eine Entscheidung war bei Redaktionsschluss aber noch nicht gefallen. Der UHK hat dagegen schon eine getroffen und wird, egal, wie die EHF urteilt, nicht mehr zum Rückspiel antreten: „Es wäre verantwortungslos, unsere Spieler dieser möglichen Gefahr auszusetzen", heißt es dazu seitens des UHK. 

Novi Sad musste am Dienstag noch eine Stellungnahme zu den Vorwürfen, dass sich die Vereinsleitung der Gewaltbereitschaft dieser Truppe durchaus bewusst war, abgeben. Unglaublich liest sich in diesem Zusammenhang auch der Text auf der Homepage der Serben, wo es übersetzt heißt: „Es sollte beachtet werden, dass Vojvodina in Österreich die Unterstützung von rund 70 unserer enthusiastischsten Fans hatte […]“. Die Klubführung kann sich somit nicht reinwaschen. Ein Ausschluss vom Bewerb wäre die einzig richtige Entscheidung.

Die NÖN begab sich auf Spurensuche:

Waren diese gewaltbereiten Leute eigentlich wirklich „Anhänger von Vojvodina Novi Sad?
Nein. Die Hooligans sind dem örtlichen Fußballklub zuzuordnen, was die Serben dem Kremser Teambetreuer Harald Merkl beim gemeinsamen Bankett im Hofbräuhaus verrieten. Das beweist auch ein Banner (FK Vojvodina), den die Hooligans platziert hatten. Da die Meisterschaft in Serbien zu Ende ist, suchten sich die Chaoten ein anderes „Betätigungsfeld“.

War dadurch den Vojvodina-Funktionären bewusst, was auf den UHK in Krems zukommen kann?
Mit Sicherheit, denn die Heimspiele des serbischen Rekordmeisters sind im Schnitt nur mit 200 bis 300 Zuschauern spärlich frequentiert, was auch auf den Fotostrecken auf der Homepage ersichtlich ist, wo nahezu keine in schwarz gekleideten Anhänger zu sehen sind.

Inwieweit kann Vojvodina Novi Sad für das Verhalten der Hooligans in die Verantwortung genommen werden?
Sehr wohl, denn dem Klub war es bewusst, dass sie Karten für die Ultras des Fußballklubs angefordert haben.

Warum waren diese Chaoten alles andere als richtige Handballfans?
Welch echter Fan nimmt schon so eine anstrengrende, mehrstündige Busfahrt zu einem Match in Kauf, um vorzeitig die Halle verlassen zu müssen? Im Vordergrund standen für die siebzig Chaoten einzig und allein Randale.